TSV 1860

Levent Aycicek: Quirlig und torgefährlich

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Levent Aycicek (l.) offenbart in dieser Saison auch seine Qualitäten als Torschütze. 

München - Mittelfeldspieler Levent Aycicek etabliert sich immer mehr beim TSV 1860 – Vier Treffer in den letzten sechs Spielen

Manchmal haben gerade die wichtigsten Momente des Fußballs eine eher unspektakuläre Entstehungsgeschichte. Levent Aycicek schildert seine jüngste Großtat jedenfalls so: „Jeder im Stadion hat gedacht, dass das Spiel 0:0 ausgeht. Da hab’ ich den Ball genommen, bin einfach mal durchgegangen und hab’ geschossen – dann war er drin. Ich weiß auch nicht, wie es dazu kam.“ Fest steht, dass der 22-Jährige mit seinem aus 18 Metern zielgenau abgeschlossenen Solo für große Erleichterung sorgte am vergangenen Spieltag in der Allianz Arena. Sein Treffer in letzter Minute bescherte dem Zweitligisten TSV 1860 einen nicht mehr erhofften 1:0-Sieg und etwas Luft im sich bereits wieder abzeichnenden Abstiegskampf. Vor dem Gastspiel an diesem Samstag beim VfL Bochum sagt er: „Das Tor hilft mir, da nimmt man Selbstvertrauen mit.“

Für Aycicek war es bereits der vierte Treffer in den letzten sechs Spielen. Eine höchst beachtliche Quote für einen Mittelfeldspieler. Letztmals hat er in der A-Jugend des SV Werder Bremen so oft getroffen. „Deshalb freut es mich umso mehr“, sagt er: „Abschluss und Vorbereitung sind schon immer meine Stärken gewesen.“

Allerdings konnte Aycicek in dieser Saison anfangs gar nicht zeigen, wo seine Qualitäten liegen. Nachdem ihn der frühere 1860-Sportchef Oliver Kreuzer im vergangenen Winter von Bremen nach München gelotst hatte, machte er zwar durch seine quirlige Spielweise früh auf sich aufmerksam. Unter Coach Kosta Runjaic, der im Sommer verpflichtet wurde, fand sich Aycicek jedoch zunächst auf der Ersatzbank wieder. „Bei einem neuen Trainer hat es immer auch mit Glück zu tun, ob du spielst oder nicht“, sagt er.

Seine vorübergehende Degradierung nahm der gebürtige Niedersachse, der aus einer türkischen Familie stammt, mit Fassung. „Natürlich ist man frustriert und enttäuscht“, beschreibt er seine erste Reaktion: „Wenn man sich aber im Training reinhängt und versucht, immer dran zu bleiben, dann wird man dafür auch belohnt.“ Am zehnten Spieltag kehrte der frühere Auswahlspieler in diversen DFB-Nachwuchsteams (31 Länderspiele) gegen den VfB Stuttgart (1:2) in die Startelf zurück und profilierte sich sogleich mit einem Freistoßtor. Seither ist er wieder erste Wahl.

Dass es in den letzten Wochen bei den Löwen intern drunter und drüber ging, nahm Aycicek ziemlich stoisch auf. „Ich lese keine Zeitung. Für uns Profis ist es nur wichtig, unsere Leistung auf dem Platz zu bringen.“ Brav gesagt. Und sportlich sieht es ja – nicht zuletzt durch seinen jüngsten Treffer – inzwischen wieder ein klein wenig erfreulicher aus. „Unser Trainer fordert von uns eine sehr intensive Spielweise“, erzählt er, „gegen Dresden hat das schon ganz ordentlich geklappt, wir haben als Team gut funktioniert.“

Aycicek ist von Bremen bis zum Saisonende ausgeliehen, bei seinem Stammverein hat er noch einen Vertrag bis 2018. „Ich habe mir noch keine Gedanken über meine Zukunft gemacht“, meint er. Aycicek konzentriert sich vorerst ganz auf die Gegenwart: „Ich will alles raushauen für den Verein, möchte so oft wie möglich spielen – und Tore schießen.“ Kein schlechter Plan für einen jungen Profi.

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