Fröhlings Umgang mit unzufriedenem Liendl

Geheime Aussprache im Löwen-Mannschaftsbus

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Fröhling, Trainer des TSV 1860.

München - Auf Michael Liendl angesprochen, versichert Fröhling, er stehe mit ihm immer im Austausch. "Wir haben viereinhalb Stunden Busfahrt. Ich habe das schon so geplant, dass wir reden."

Sandhausen vor den Toren Heidelbergs. 14.500 Einwohner, keine nennenswerte Kriminalitätsrate, dafür ein höchst gefährlicher Fußballklub – zumindest für Profi-Trainer des TSV 1860. Alexander Schmidt wurde am 30. August 2013 ein 0:2 gegen den SV Sandhausen zum Verhängnis, Ricardo Moniz erwischte es fast auf den Tag genau vor einem Jahr am 23. September 2014 nach einem 0:1 im Hardtwaldstadion. Andrew Wooten traf in der 90. Minute mit einem platzierten Flachschuss. Es war ein Dienstag. Und damit genug geunkt. Bei den Sechzigern gibt es schließlich keine Trainerdiskussion, auch wenn ein nicht mehr überall willkommenes Blatt gerade ernsthaft Peter Neururer ins Gespräch brachte und Trainer Torsten Fröhling scherzhaft empfahl, doch besser die erfolgreiche A-Jugend auflaufen zu lassen (oder war’s umgekehrt?).

Höchst schmerzhaft war in jedem Fall die 85-minütige Bankdrückerei des Spielmacher-Einkaufs Michael Liendl, der nach seinem Kurzeinsatz beim 1:1 gegen Kaiserslautern anmerkte, er habe eigentlich „gedacht, dass mich der Trainer auch haben wollte“. Und nicht nur Sportchef Necat Aygün, wie ungesagt mitschwang. Eine spannende Basis für den Rest der Englischen Woche, die heute um 17.30 Uhr in Sandhausen fortgesetzt wird. Mit Liendl in der Start-Elf? Nach den Eindrücken der Abschluss-Pressekonferenz eher nicht. „Wir stehen immer im Austausch“, sagte Fröhling auf den Österreicher angesprochen. „Wir fahren heute ins Hotel, haben viereinhalb Stunden Busfahrt. Ich habe das schon so geplant, dass wir reden. Michael ist alt genug, ist zweifacher Vater. Er weiß genau, was er macht. Ich sehe das nicht als Angriff, was er gesagt hat. Dass man nicht zufrieden ist, das ist doch ganz normal, das gehört sich auch so. Wenn ein Spieler dann aus der Kabine kommt und mal ein falsches Wort herauskommt, ist das doch normal.“

Alles halb so wild also? Abwarten. Fröhling reagierte auf Nachfragen ungewohnt dünnhäutig. „Zurzeit wird das Spiel ein bisschen in den Hintergrund gestellt. Was die Mannschaft gegen Lautern geleistet hat, kommt zu wenig rüber. Da geht es zu viel um meine Person.“ Für Fröhling war die Leistung gegen den FCK durchaus passabel: „Wir haben nach der Pleite in Düsseldorf eine Reaktion gezeigt, das war positiv. Wir waren mit einem sehr starken Gegner, der normalerweise viele Chancen kreiert, auf Augenhöhe. Das müssen wir jetzt weiter verfeinern, eine Schippe Zweikampfhärte und Erzwingen drauflegen.“ Statt Fejsal Mulic durfte am Montag der technisch beschlagene Mittelfeld-Youngster Richard Neudecker (18) mit nach Sandhausen fahren. Ein paar Ideen können schließlich nicht schaden beim Ziel, das Fröhling und Präsident Siegfried Schneider für die Englische Woche ausgegeben haben: Fünf bis sechs Punkte. Ganz sicher nicht scherzhaft.

LK

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