tz-Interview zum Start ins Trainingslager

Weigl, Wittek, Wolf: "Ohne Erfolg ist alles nichts!"

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Drei junge ­Löwen: Marius Wolf, Maxi Wittek und Julian ­Weigl (von links) sind vom Klassenerhalt überzeugt.

München/Marbella - tz brachte die 19-jährigen "WWW"-Löwen Julian Weigl, Maximilian Wittek und Marius Wolf zum Auftakt des Trainingslagers in Marbella zu einem Trio-Interview zusammen.

Vom hoffnungsvollen Talent zum Hoffnungsträger im Abstiegskampf – Julian Weigl, Maximilian Wittek und Marius Wolf haben in der turbulent-verkorksten Hinrunde des TSV 1860 erleben dürfen, wie schnell sich die Dinge im Profifußball (und speziell bei Sechzig) ändern können. Die tz brachte die 19-jährigen „WWW“-Löwen zum Auftakt des Trainingslagers in Marbella zusammen.

Julian, Maxi, Marius, seid ihr gerüstet für elf Tage Vorbereitung unter spanischer Sonne?

Julian Weigl: Klar, das Testspiel gegen Grödig war gut für den Kopf. Jetzt geht‘s in die nächste Phase…

Seid Ihr auf einem gemeinsamen Zimmer?

Julian Weigl: Nein, ich bin mit Maxi und Korbi (Korbinian Vollmann) in einem Dreierzimmer.

Marius Wolf: Ich hab ein Vierer-Apartement mit Martin (Angha). Auf der anderen Seite wohnen Tego und Schinds.

Und die Skype-Standleitung in die Heimat steht schon?

Julian Weigl: Ich skype nicht. Ich telefoniere ab und zu mit meiner Familie, Freundin hab ich keine.

Marius Wolf: Ich schon. An den Abenden werden wir sicher skypen und ein paar Fotos von hier durchschicken. Ganz wichtig ist auch mein Opa Rolf. Er mein größter Fan, lässt keines meiner Spiele aus und will alles wissen, was ich hier bei 1860 erlebe.

„Ich spüre auf jeden Fall ein Gemeinschaftsgefühl"

Wer ist der Fußball-König auf der Playstation?

Julian Weigl: Ich!

Marius Wolf: (blickt grinsend zu Weigl) Du?

Maximilian Wittek: Also ich nicht. Da fehlt mir die Übung.

Marius Wolf: Ich spiel mit Martin viel NBA, wir sind beide große Basketball-Fans.

Und mit welchen Teams zockt Ihr bei FIFA?

Marius Wolf: Das wechselt. Ich spiel oft mit Chelsea.

Julian Weigl: Ich viel mit Dortmund.

Maximilian Wittek: Also wenn ich spiele, dann mit Sechzig.

Fühlt Ihr Euch gut getroffen als virtuelle Kicker? 

Julian Weigl(lacht): Meine Frisur ist der Hammer. Alles rundrum wegrasiert, ich schau aus wie ein Boxer!

Marius Wolf: Mich haben sie bei FIFA zum Linksfuß gemacht...

Maximilian Wittek: Und ich hab Schussstärke 32 von 100. Meine schlechteste Eigenschaft (lacht).

Das sah beim linken Hammer zum 1:0 gegen den KSC etwas anders aus. Welche Stärken hättet Ihr gerne von den Kollegen hier in der Runde? 

Maximilian Wittek: Also von Ju hätte ich gern die Ruhe am Ball, seine Übersicht und das Aufbauspiel, da fehlt es bei mir noch ein Bissl. Und von Marius die Schnelligkeit und seine Tricks. Die sind einfach, aber effektiv.

Marius Wolf: Sehr freundlich. Von Dir hätt ich gerne das Zweikampfverhalten und natürlich Deinen Schuss. Von Ju ganz klar die Ballsicherheit und Passstärke.

Julian Weigl: Dann nehm ich vom Maxi die Schusstechnik und vom Marius die Schnelligkeit und seine Zielstrebigkeit Richtung Tor.

Geht’s nach Werner Lorant, wird Euch das alles nichts helfen im Abstiegskampf. 

Marius Wolf: Ich hab’s gelesen. Und ich kann ihm da nicht recht geben. Wir haben genügend erfahrene Spieler, wenn ich nur an Adi (Daniel Adlung) denke, an Valdet (Rama) oder an Rubin (Okotie). Das sind Typen, die einem Halt geben auf dem Platz, die vorangehen und dich pushen.

Julian Weigl: Es hängt nicht immer nur vom Alter ab, sondern auch vom Typ. Ich finde, dass wir genügend Erfahrung auf dem Platz haben. Und ich spüre auf jeden Fall ein Gemeinschaftsgefühl.

"Von Spezln kommen schon mal ein paar Sprüche"

Wie geht Ihr mit den Sprüchen im Bekanntenkreis um? Da dürfte Euch ja einiges um die Ohren geflogen sein während der Hinrunde.

Marius Wolf: Klar. Wenn du mit Spezln unterwegs bist, dann kommen natürlich die Sprüche, so in die Richtung: Wolltet ihr nicht eigentlich aufsteigen...?

Julian Weigl: Im Grunde ging’s schon nach dem verlorenen Heimspiel gegen Leipzig los. Und wir haben ja auch genügend Stoff zur Kritik geliefert mit unseren Spielen. Mit der Zeit bekommst du ein dickeres Fell, was Kritik von Außen angeht. Was nicht heißt, dass alles an einem abprallt.

Die Saison hätte mit nur einem einzigen Heimsieg bislang kaum enttäuschender laufen können. Wie geht’s Euch, wenn Ihr nach Niederlagen wie gegen den KSC in die Gesichter der Nordkurve schaut?

Marius Wolf: Gegen den KSC war’s besonders schlimm. Wir führen 1:0, spielen eigentlich gut, plötzlich steht’s 1:3. Dann kommen wir nochmal ran, bekommen das 3:3 abgepfiffen und verlieren auch dieses Spiel wieder.

Julian Weigl: Grundsätzlich ist das Wochenende nach Niederlagen gelaufen. Und der Frust der Fans gibt dir natürlich nochmal einen Stoß.

Winter-Löwen-Gehege: Hier bereitet sich 1860 auf die Rückrunde vor

Winter-Löwen-Gehege: Hier bereitet sich 1860 auf die Rückrunde vor

Welcher Spieler baut einen in solchen Situationen wieder auf?

Maximilian Wittek und Marius Wolf: Der Adi.

Julian Weigl: Ja, der Adi mit seiner ganzen Erfahrung hilft dir aus dem Ärgsten raus. Er geht einfach voran.

Was ist mit Rubin?

Marius Wolf: Er pusht uns vor allem vor den Spielen. Nach Niederlagen ist er oft mit sich selbst beschäftigt weil er sich dermaßen ärgert.

Schauen wir ein Jahrzehnt zurück. Beim Abstieg 2004 wart Ihr knapp neun Jahre jung. Wie schwer fällt es da, Sechzig heute noch mit der Bundesliga in Verbindung bringen?

Julian Weigl: Mir fällt’s nicht schwer. Klar ist Sechzig jetzt nicht erst seit einem Jahr in der Zweiten Liga, von daher hat die Frage schon ihre Berechtigung. Aber für mich ist der Verein eigentlich immer noch ein Erstligist mit dem Namen und dem Stadion.

"Es liegt an uns, die Fans stolz zu machen"

Für die heute Acht- bis Neunjährigen sicher nicht mehr...

Maximilian Wittek: Ja, so schaut’s leider aus. Das hat der Fan in der Sky-Doku (Wittek meint Allesfahrer Fritz Fehling, die Red.) gut gesagt: Warum soll ein Kind heute noch Sechzgerfan werden? Ohne sportlichen Erfolg ist alles nichts.

Ein klarer Auftrag an jeden Löwen-Profi.

Maximilian Wittek: Ja, da fühle ich mich auch in der Pflicht. Es liegt an uns allen, so zu trainieren und zu spielen, dass die Kinder wieder stolz das Löwen-Trikot anziehen und damit in die Schule gehen können, ohne dass es heißt: Ui, schau hin, der hat ein Sechzig-Trikot an.

Marius Wolf: Gegen Dortmund im Pokal hat man doch gesehen, was hier bei Sechzig immer noch möglich ist. Ich bin mir sicher, dass wir in der Ersten Liga regelmäßig über 40000 Zuschauer hätten. Aber da müssen wir erstmal hinkommen.

Erstmal in der Zweiten Liga bleiben...

Julian Weigl: Ich gehe fest davon aus, dass wir das packen und mit viel Erfahrung aus der Saison gehen werden. Ich sehe täglich beim Training, was in uns steckt. Und auch in den Spielen war ja nicht alles schlecht, wenn ich an die erste Halbzeit gegen den KSC denke, das Heimspiel gegen Kaiserslautern oder auch das letzte Spiel jetzt in Leipzig. Wir müssen unser Spiel halt konstant 90 Minuten durchziehen und keine leichten Fehler machen.

Kingt irgendwie bekannt...

Julian Weigl: Aber so ist es. Keiner hier will absteigen!

Marius Wolf: Das hängt dir deine ganze Karriere lang nach. Dann bist du abgestempelt.

Maximilian Wittek: Wird nicht passieren.

Interview: lk

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