Mit FCK im Grünwalder

Ex-Löwe Rieder vor Wiedersehen: Vor einem Münchner zieht er seinen Hut - und gibt Tipp im Aufstiegsrennen ab

Tim Rieder (r.) kämpft gegen Richy Neudecker um den Ball
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Szene aus dem Hinspiel: Auf dem Betzenberg balgten sich Lauterns Tim Rieder (r.) und Löwen-Rückkehrer Richy Neudecker um den Ball.

Tim Rieder kehrt nach Giesing zurück - für das Auswärtsspiel mit dem 1. FC Kaiserslautern bei den Löwen. Vorher spricht er über die neue Stärke der „Roten Teufel“ und seinen Platzierungstipp für Sechzig.

München - In der vergangenen Saison war er noch eine der Stützen im Löwen-Mittelfeld, seit Sommer 2020 hat Tim Rieder (27) die Aufgabe, das Spiel des 1. FC Kaiserslautern zu ordnen. Die als Aufstiegs-Mitfavorit gestarteten Pfälzer haben in dieser Spielzeit alle Tiefen des Geschäfts ausgelotet, vier Spieltage vor Schluss sieht es so aus, als ob  der FCK zumindest den Sturz in die Viertklassigkeit abwenden könnte. Für die tz nahm sich Rieder vor dem Duell am Dienstag gegen den TSV 1860 (ab 19 Uhr bei uns im Live-Ticker) Zeit für ein Gespräch.

Herr Rieder, nur noch ein paar Tage bis zur Rückkehr ins Grünwalder Stadion. Wie sehr kribbelt’s schon?
Rieder: Es hat jedenfalls schon angefangen (lächelt). Ich freu mich, mal wieder in die Heimat zu kommen. Und gegen Sechzig im Grünwalder - das ist natürlich ein spezielles Spiel für mich. Schade, dass keine Fans reindürfen. Ich kann mich einfach nicht an diese leeren Stadien gewöhnen. Hier auf dem Betze in unserem Koloss ist es ja fast noch schlimmer. Erst bei den Derbysiegen gegen Mannheim und jetzt Saarbrücken, wo uns die Fans draußen gefeiert haben, konnte ich mal erleben, was da beim FCK für eine Power dahintersteckt.
Lautern kommt nach sechs ungeschlagenen Spielen mit drei Siegen nicht als Außenseiter nach Giesing. Oder sehen Sie’s anders?
Rieder: Nein, das kann man schon so sagen. Wir gehören mit Sechzig, Viktoria Köln und Magdeburg zu den formstärksten Mannschaften der Liga. Unser Selbstvertrauen ist zurück. Und so wollen wir am Dienstag auch auftreten. Das wird ein Spiel auf Augenhöhe mit ordentlich Feuer drin.
Ans 0:3 im Hinspiel dürften Sie keine guten Erinnerungen haben.
Rieder: Das war ein übler Auftritt von uns allen, nach dem 0:1 waren wir praktisch chancenlos. Aber unser Fußball von jetzt ist mit dem von damals nicht mehr zu vergleichen. Da waren wir passiv und abwartend, jetzt sind wir aktiver und wollen das Geschehen bestimmen.
Was macht Marco Antwerpen anders als seine Vorgänger Boris Schommers und Jeff Saibene?
Rieder: Er fordert dieses aggressive Pressing permanent, jeder Spieler hat einen ganz klaren Plan. Mit ihm ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen, das kann man nicht anders sagen. In der Situation, in der wir waren, haben wir genau so einen Trainer gebraucht, der auch mal auf den Tisch haut. Es hat gedauert, bis hier jeder verstanden hatte, dass es in dieser Saison nur noch um den Klassenerhalt geht. Vor der Saison waren die Ziele ja ganz anders definiert.
Stimmt es, dass Sie im Winter über eine Rückkehr zu 1860 nachdachten?
Rieder: Ich will mich dazu nicht mehr groß äußern. Ich habe hier beim FCK für drei Jahre unterschrieben und mit meiner Freundin und unserem Hund eine schöne Wohnung gefunden - direkt am Betzenberg mit Blick aufs Stadion. Ich habe Ziele mit dem Verein, die Mannschaft ist stark.
Hätten Sie es den Löwen zugetraut, nach Ihrem Abgang und dem von Efkan Bekiroglu so eine Saison hinzulegen?
Rieder: Es ist ja nicht so, dass sie keinen Ersatz geholt hätten. Der Kader ist qualitativ immer noch sehr gut. Trotzdem war Sechzig vor der Saison keiner der Favoriten, auch für mich nicht. Umso beeindruckender, wie sie bis jetzt performt haben. Sie sind als eine der wenigen Mannschaften in dieser Liga konstant. Und Sascha (Mölders) spielt wieder eine überragende Rolle, davor kann man echt nur den Hut ziehen.
Mit wem sind Sie noch in regelmäßigem Austausch?
Rieder: Mit einigen. Sascha, Vino (Daniel Wein, d. Red.), Semi (Belkahia), Erde (Dennis Erdmann), Fatih Aslan (Teammanager), Anthony Power…
Schon Wetten am Laufen für Dienstag?
Rieder: Keine Wetten, nur ein paar Frotzeleien. Aber jetzt ein paar Tage vor dem Spiel gibt’s eigentlich keinen großen Kontakt mehr. Wir sind Profis, jeder will für seine Farben alles geben. Nach dem Abpfiff sind wir dann wieder Freunde.
Wer braucht den Sieg dringender am Dienstag?
Rieder: Also wenn Sie mich fragen: natürlich wir! Wir wollen die letzten vier Spiele gewinnen, um positiv aus der Saison gehen zu können. Es liegt in unserer Hand. Das war vor ein paar Wochen noch anders, als wir sieben Punkte unter dem Strich standen. Zum Glück hab ich schon einiges erlebt in meiner Karriere, mit Darmstadt gegen den Abstieg gespielt. Da konnte ich den jüngeren Spielern hier helfen, weiter aufrecht zu bleiben.
Packen die Löwen den Aufstieg?
Rieder: Ich würd’s ihnen gönnen und - Stand jetzt - auf die Relegation tippen. Das wäre dann eine 50:50-Geschichte. Aber vielleicht sind wir am Dienstagabend ja schon ein bisschen schlauer, wenn auch Rostock gegen Ingolstadt gespielt hat.

Interview: Ludwig Krammer

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