TSV 1860

Die Löwen sind wieder salonfähig

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Ja, mia san mi’m Radl da: Die Löwen auf ihrer gestrigen Stadtrundfahrt, hier den hippen Gärtnerplatz passierend.

München - Die Löwen bestätigen ihren Aufwärtstrend, hadern aber mit engen Schiedsrichter-Entscheidungen.

Die Sache hätte natürlich auch anders laufen können. Ein gewisses Risiko war dabei, als die 1860-Bosse für gestern eine gut gemeinte PR-Aktion angekündigt und ihre Profifußballer mit gemütlichen Leihfahrrädern durch die Innenstadt geschickt haben. Hätte man das Programm auch durchgezogen, wenn das Spiel am Vorabend beim 1. FC Nürnberg erneut keinen Ertrag gebracht hätte? Hätte man die Route geändert und Hotspots wie das hippe, stark FC-Bayern-affine Gärtnerplatzviertel gemieden?

Daniel Adlung und seinem wuchtigen Ausgleichstreffer zum 2:2-Endstand (75.) war es zu verdanken, dass die Nachhaltigkeitsnummer im Rahmen der „Blauen Woche“ nicht zum Spießrutenradeln wurde. Ganz im Gegenteil. Die Profis lachten in ihren „Think Blue“- Uniformen, sie winkten Fußgängern zu, sie hielten am Viktualienmarkt kurz inne – und sie kamen nach eineinhalb Stunden durchaus beschwingt von ihrem Citybike-Corso zurück.

Mit der Ausbeute im dritten Saisonspiel konnte zwar keiner zufrieden sein, wohl aber mit der Leistung, die noch eine Steigerung war zum imponierenden Pokal-Coup gegen Hoffenheim. 23:6 Torschüsse, 12:1 Ecken, drei Aluminiumtreffer und ein strittiges, nicht gegebenes Abseitstor – damit ist vieles gesagt über den Auftritt der nur zwischen Minute 54 (1:1 durch Burgstaller) und 63 (2:1 durch Stark) wankenden Löwen. Die Erkenntnis, die dieses aufregende bayerische Derby lieferte: Man kann sich wieder sehen lassen als Sechzger! Nicht nur in der Liga, die über den mitreißenden Offensivstil der Torsten-Fröhling-Elf staunt. Auch im Herzen Münchens kann man sich als Radltouristen blicken lassen, wenn man Fans und TV-Zuschauern ein so begeisterndes Montagabendspiel beschert hat.

Werbung für 1860 also? „Ich will jetzt nicht übertreiben“, ließ der Trainer die Steilvorlage eines Reporters ins Leere laufen: „Wir müssen trotzdem realistisch sein. Wir haben einen guten Trend, was das Fußballerische angeht; über das Läuferische brauchen wir gar nicht zu reden – die Jungs sind topfit. In erster Linie freut mich, dass wir eine gewisse Konstanz in unser Spiel reingekriegt haben.“

Fröhling: „Wir haben jetzt genug gelitten“

Nur in die Ergebnisse noch nicht: 0:1 in Heidenheim und gegen Freiburg, jetzt das 2:2 beim Club. Dass Fröhling nach der Rückkehr aus Nürnberg nur schwer zur Ruhe fand („Ich habe nicht gut geschlafen“), hängt auch damit zusammen, dass er Aufwand und Ertrag in einem unangemessenen Verhältnis sieht. „Wir ärgern uns, dass wir erst einen Punkt haben“, sagte er und rechnete laut: „Gegen Freiburg wäre ein Punkt verdient gewesen, am Montag drei. Dann wären wir einigermaßen im Soll gewesen.“ Die schönste Entwicklung nutzt schließlich nichts, wenn sie nicht auch in der Tabelle sichtbar wird. Dass der 2004 abgestiegene Klub ausnahmsweise mal nicht den Aufstieg als Ziel ausgegeben hat, heißt für Fröhling noch lange nicht, dass eine Platzierung nördlich des Relegationsplatzes als Ruhekissen anzusehen ist.

Und überhaupt: Es gibt da noch etwas, das schon länger in ihm arbeitet. Nach dem 0:1 in Heidenheim machte er erstmals eine Andeutung in diese Richtung – jetzt sprach der Trainer ganz offen darüber, dass er Indizien für einen temporären Wettbewerbsnachteil erkennt. Stichwort: Alte Rechnungen. Schiedsrichterentscheidungen, die in dieser Saison gerne mal gegen 1860 ausfallen. So zumindest empfand es Fröhling in Heidenheim, als „eine Masse an Freistößen“ gegen sein Team gepfiffen wurde. So empfand er es im Spiel gegen Freiburg, das durch einen Elfmeter entschieden wurde. Und letztlich sah er es auch am Montag so. Marius Wolf knallte einen Fernschuss ins Tor (53.), Fröhling und Sportchef Necat Aygün lagen sich bereits in den Armen, doch der Treffer zählte nicht, weil Referee Kampka Rubin Okotie im passiven Abseits wähnte. Eine vertretbare Entscheidung, aber auch eine harte, da waren sich alle Experten einig.

Fröhlings These ist, dass der Treffer wohl gezählt hätte, wäre das auf seltsame Weise aberkannte 2:2 beim letzten Aufeinandertreffen von 1860 und FCN nicht so hitzig debattiert worden. Die Löwen gewannen am 17. Mai mit 2:1, obwohl Dave Bulthuis einen regulären Treffer erzielt hatte – und am Ende blieben die Münchner auch wegen dieser Fehleinschätzung von Jochen Drees in der 2. Liga. „Das wurde natürlich sehr stark hochgekocht. Immer wieder und immer wieder“, sagte Fröhling, zeigte aber Verständnis für Kampka: „Das macht ja kein Schiedsrichter mit Absicht, aber vielleicht sind da ein paar Sachen im Hinterkopf. Ich hoffe, dass das jetzt vorbei ist. Ich denke, wir haben genug gelitten.“

Auch das Hadern mit der Punkteausbeute soll ab sofort ein Ende haben. Am Sonntag gegen Union Berlin ist das schöne Spiel ausnahmsweise zweitrangig – da geht es primär darum, endlich den ersten Dreier einzufahren. Fröhling weiß: „Fußball ist ein Ergebnissport, und am Ende zählen eben nur die Punkte.“

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