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Löwen wählen neuen Verwaltungsrat - Das planen die Kandidaten: Interview

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Von: Ludwig Krammer

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Am 22. Juli wählt die Mitgliederversammlung des TSV 1860 einen neuen Verwaltungsrat.
Am 22. Juli wählt die Mitgliederversammlung des TSV 1860 einen neuen Verwaltungsrat. © sampics / Stefan Matzke / Stefan Matzke

Der Countdown läuft. Am 22. Juli im Freimanner „Zenith“ wählt die Mitgliederversammlung des TSV 1860 einen neuen e.V.-Verwaltungsrat. Der Wahlkampf ist in vollem Gange, das neunköpfige „Team Profifußball“ strebt nach der Mehrheit im Kontrollgremium.

München - Einen Monat vor der Wahl sprach die tz mit Oppositionsführer Klaus Ruhdorfer (FE-Beteiligungsgesellschaft) und Schauspielerin Senta Auth (Dahoam is dahoam) über Pläne und Ziele der umtriebigen Gruppierung.

Frau Auth, warum treten Sie zur Wahl an?

Auth: Ich bin mit den Sechzigern aufgewachsen und hab auch noch die guten Zeiten erlebt. Es tut in der Seele weh, wie dieser ehemals stolze Verein zur Lachnummer verkommen ist. Vielleicht kann ich in meiner bescheidenen Funktion als öffentliche Person dazu beitragen, das Image wieder etwas aufzupolieren. Ich glaube schon, dass sich mir die eine oder andere Tür leichter öffnet als jemandem, der gar nicht bekannt ist.

Was glauben Sie im Verwaltungsrat bewirken zu können?

Ruhdorfer: Der Verwaltungsrat hat relativ weitreichende Kompetenzen wie das Vorschlagsrecht und Kon-trollrecht für das Präsidium. Und er entsendet einen Vertreter in den Aufsichtsrat der Profi-KGaA. Kurz gesagt: Der Verwaltungsrat setzt die Rahmenbedingungen. 

Wie steht Ihr „Team Profifußball“ zu Investor Hasan Ismaik?

Ruhdorfer: Wir sind der Überzeugung, dass es auf Dauer nichts bringt, wenn man den Hauptgesellschafter eines Unternehmens bekämpft. Unser Ziel ist es, die Blockade zu lösen. Aber es gibt Grenzen, die wir verteidigen müssen. Sechzig darf seine Identität nicht verlieren.

Ist die Blockade nicht bereits gelöst? Ismaik hat das Budget um zwei Millionen Euro aufgestockt.

Ruhdorfer: Ja, wegen Daniel Bierofka. Aber das Verhältnis zwischen den Gesellschaftern ist sicherlich nicht von Vertrauen geprägt. Wir sind unbelastet, größtenteils als Unternehmer tätig und wir glauben, dass wir auf Augenhöhe mit Ismaik dieses Vertrauen wiederherstellen könnten.

Auth: Man muss zusammenarbeiten, da führt kein Weg dran vorbei. Wir sind nicht der FC Bayern, wir werden im Profifußball immer einen zweiten Gesellschafter brauchen.

Ist Robert Reisinger der richtige Präsident für 1860?

Ruhdorfer: Das Präsidium hatte keinen einfachen Job bislang und steht im Juli auch nicht zur Wahl. Wenn wir in den Verwaltungsrat kommen, werden wir die Zusammenarbeit fortsetzen. Aber der Verwaltungsrat setzt wie erwähnt die Rahmenbedingen. Wenn hier die Zusammenarbeit klappt, dann gibt es keinen Grund, über ein anderes Präsidium nachzudenken.

Mit wie vielen Sitzen im Verwaltungsrat wären sie zufrieden?

Ruhdorfer: Es wäre wünschenswert, vier oder fünf Sitze zu erlangen, damit wir vernünftige Dinge umsetzen können. Einer allein kann nichts bewegen.

Auth: Entscheidend ist, dass dieses Bild der Zerrissenheit korrigiert wird. Das schlägt nicht nur auf die Mannschaft durch, es wirkt auch abschreckend für Sponsoren und Businesskunden.

Ruhdorfer: Die Spaltung beginnt bei den Gesellschaftern und zieht sich durch bis auf die Fan-Ebene. Wenn wir endlich die Kräfte bündeln statt uns gegenseitig aufzureiben, dann gehört 1860 tatsächlich zu den Top 25 Vereinen in Deutschland, wie es Günther Gorenzel kürzlich gesagt hat.

Spüren Sie aktuell eher Rücken- oder Gegenwind?

Ruhdorfer: Bei unseren Info-Veranstaltungen ganz klar Rückenwind. Wir wollen die Fans dazu bringen, zur Versammlung am 22. Juli zu kommen. Die Wichtigkeit dieses Tages kann gar nicht unterschätzt werden. Es ist beileibe nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen bei 1860.

Wie ist Ihre Haltung beim Thema Stadionzukunft?

Ruhdorfer: Wir brauchen ein Stadion für 30 000 Zuschauer. Aktuell sind keinerlei Vorkehrungen für einen weiteren Aufstieg getroffen. Darum werden wir, sollten wir gewählt werden, sofort nach der Wahl das Gespräch mit der Stadt suchen. Bis Ende 2018 müssen eindeutige Belege da sein, ob das Grünwalder Stadion auf 30 000 Plätze ausgebaut werden kann. Falls nicht, wäre die Stadt in einer gewissen Bringschuld und müsste mit uns über ein Grundstück sprechen.

Auth: Es muss eine verbindliche Aussage getroffen werden. Das Thema muss endlich auf eine nicht mehr interpretierbare Basis gestellt werden.

Hätten Sie eine Perspektive in der Allianz Arena gesehen?

Ruhdorfer: Die Arena war ab dem Zeitpunkt ein Problem, wo man die Anteile billigst an den Nachbarn aus der Säbener Straße abgegeben hat. Von der Vermarktung her ist das Stadion sicherlich gut, aber für die Identifikation war es nicht mehr tragbar.

Welche Hoffnungen haben Sie für die anstehende Drittliga-Saison?

Auth: Die Voraussetzungen sind sehr gut, finde ich. Die Kaderplanung ist weit fortgeschritten. Da wünscht man sich, dass der nächste Schritt gemacht werden kann. Ich bin sehr optimistisch und freue mich auf die Saison.

Ruhdorfer: Meine große Hoffnung heißt Daniel Bierofka. Wir befinden uns in der glücklichen Situation, einen Trainer zu haben, der sich komplett mit dem Verein identifiziert, fachlich qualifiziert ist und einen extremen Ehrgeiz hat. Er wird als Trainer Karriere machen. Und solange wir dieses Pfund nutzen können, umso besser. Keiner erwartet den Aufstieg in der kommenden Saison, aber innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre sollte 1860 wieder in der Zweiten Liga sein.

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