Duell um die Nummer 1

„Ich coache die Abwehrkette“ - Löwen-Keeper Hiller über seine Rolle im Team und Rivale Bonmann

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Am Montagabend, im Drittliga-Heimspiel gegen den VfR Aalen, wird wieder Marco Hiller das Löwen-Tor hüten.

Das Testspiel des TSV 1860 gegen Regionalligist SSV Ulm sah sich Marco Hiller von der Bank aus an. Nach dem Sieg sprach er mit uns über die sportliche Situation und das Duell um die Nummer eins.

München - Am Mittwoch erst hat Marco Hiller (21) mal wieder ein Spiel des TSV 1860 aus einer Perspektive verfolgt, die er zuletzt nicht mehr kannte: von der Ersatzbank aus. Beim Testspielsieg gegen den SSV Ulm durfte Hendrik Bonmann das Tor der Löwen hüten. Am Montagabend, im Drittliga-Heimspiel gegen den VfR Aalen, werden die zwei Keeper wieder tauschen - nicht zum ersten Mal in dieser Saison. 

Im Anschluss an das Ulm-Spiel hat sich Hiller, der seit 2008 für die Löwen spielt und noch bis 2021 unter Vertrag steht, Zeit genommen, um zu sprechen: über das Torhüter-Duell im Verein, die Herausforderungen in der 3. Liga - und seinen Einfluss als Schlussmann auf die Feldspieler.

Herr Hiller, wissen Sie auswendig, wie oft Sie in dieser Drittliga-Saison schon zu Null gespielt haben?

Marco Hiller: Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht.

Viermal – wenn man den 2:0-Sieg gegen Cottbus mitzählt, als Sie eingewechselt wurden. Zufrieden?

Hiller: Es ist die erste Saison in der 3. Liga, da hat man keinen Vergleichswert. In der Regionalliga waren es deutlich mehr, aber da war auch die Qualität der Gegner ganz anders. Ich sag’ mal so: Mehr geht immer.

Was hat sich für Sie in der 3. Liga verändert?

Hiller: Das Tempo an sich. Und wenn der Gegner mal vor dem Tor ist, kannst du nicht fünfmal den Ball halten. Da braucht der Stürmer ein, zwei Aktionen, dann trifft er auch. Die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ist anders. Und natürlich hat auch der Abschluss eine ganz andere Qualität.

Lockere Rivalität: Hendrik Bonmann (li.) und Marco Hiller können gut miteinander.

Mussten Sie etwas in Ihrem Spiel umstellen?

Hiller: Im Spielaufbau habe ich noch weniger Zeit, weil ich jetzt schneller angelaufen werde. Der erste Kontakt ist entscheidend.

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Sie gehören zu jenen Spielern, die als Aufstiegshelden gefeiert werden. In der Relegation hüteten Sie das Tor. Im Sommer aber hat Daniel Bierofka Hendrik Bonmann zur Nummer eins gemacht. Wie haben Sie das aufgenommen?

Hiller: Natürlich war ich enttäuscht. Aber es bringt nichts, sich daran aufzuhängen. Du kannst eine Woche sauer und traurig sein, dann musst du aber weiter Gas geben. Man sagt ja immer, dass es schnell gehen kann im Fußball – und so war es auch. Es war ein kurzer Dämpfer, lange habe ich mich damit aber nicht befasst.

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Am sechsten Spieltag verletzte sich Bonmann, seitdem sind Sie die Nummer eins, obwohl er wieder fit ist. Glauben Sie, das bleibt so?

Hiller: Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Ich versuche, gute Leistungen zu bringen und dem Trainer keinen Grund zum Wechseln zu geben.

Neulich haben Sie und Hendrik Bonmann im Training gegeneinander aufs Tor geschossen, Eins-gegen-Eins. Sie haben viel gelacht. Wie verstehen Sie sich?

Hiller: Das ist eine geile Spielform, die wir im Torwarttraining machen. Jeder will gewinnen, aber da ist auch viel Spaß dabei. Wir verstehen uns sehr gut – das merkt man auch, denke ich.

Als Torwart sehen Sie das Spiel aus einer anderen Perspektive. Was könnte besser sein?

Hiller: Defensiv standen wir im letzten Spiel (1:1 in Uerdingen; d. Red.) wieder stabiler, jeder ist in die Zweikämpfe reingeflogen. Vorne ist es oft der letzte Pass, der fehlt. Daran müssen wir arbeiten. Dann schießen wir auch wieder mehr Tore.

Wie können Sie Einfluss nehmen auf das Spiel – außer mit Paraden?

Hiller: Ich coache die Abwehrkette. Wenn ein Gegner von mir aus gesehen auf der rechten Seite reingelaufen kommt, sage ich: „Rechte Schulter“. Wenn mir etwas auffällt, kann ich Kommandos an die Kette geben, die geben das dann weiter an die Sechser. So geht das bis zum Stürmer. 

Interview: Christopher Meltzer

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