Nicht reich, aber reif!

Bierofka-Elf profitiert in zweiten Drittliga-Jahr von mehr Erfahrung

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Auch beim Jubeln eine Einheit: Die Löwen um Kämpfer Berzel (o.) feierten gegen Zwickau ihren ersten Saisonsieg. 

Nach ihrem ersten Saisonsieg kassierten die Löwen ein dickes Lob von Trainer Daniel Bierofka für ihren Zusammenhalt und Reifeprozess im Zeitraffer.

München – Nicht nur Doppeltorschütze Efkan Bekiroglu, auch Aaron Berzel war am Tag danach noch erfüllt vom Glück des ersten Saisonsiegs, der Feier danach mit den Fans – und Tabellenplatz 7 als feiner Momentaufnahme. Dazu kam das Lob von höchster Stelle, das der Vertreter des gesperrten Kapitäns Felix Weber eingeheimst hatte. 1860-Trainer Daniel Bierofka hatte nicht Zauberfuß Bekiroglu in den Mittelpunkt seiner Analyse gestellt, sondern Berzel, über dessen Wirken beim 3:0 gegen Zwickau er sagte: „Man hat gesehen, warum ich den Jungen unbedingt zurückhaben wollte.“ Berzel selbst sagte auch einiges, ließ aber vor allem sein von Stolz erfülltes Gesicht sprechen. Er haute sich in jeden Zweikampf, hielt bis zum Schluss durch, obwohl er erst seit Kurzem zurück ist. Mit Allzweckwaffe Aaron, schwärmte Bierofka, „habe ich einfach viel mehr Möglichkeiten“.

Löwen-Neuzugänge erweisen sich als Segen für die Mannschaft

Berzel, Dennis Erdmann und Timo Gebhart, der andere Rückkehrer. Nur weil Bierofka die präsidiale Empfehlung, kreativ zu sein, wörtlich nahm und sich zudem um externe Gönner bemühte, konnte der Konsolidierungskader überhaupt um drei Optionen erweitert werden. Dazu kommen vier Ergänzungen aus den eigenen Reihen, die allesamt noch jugendliche Gesichtszüge haben. Fabian Greilinger hat sich bereits in die erweiterte Stammelf gespielt, Leon Klassen am Mittwoch sein Debüt gefeiert (gleich mit einem Assist für Herbert Paul).

Dem 1860-Coach war klar, dass ein Club, der nicht reich ist, wenigstens dafür sorgen muss, dass Ressourcen maximal ausgeschöpft werden und Talente im Zeitraffer reifen. So wie Bekiroglu, der erstaunlich abgeklärt zwei Tore erzielte. Wie Herbert Paul, der konzentriert spielte und auf bestem Weg ist, sein altes Image („Pannen-Paul“) hinter sich zu lassen. Oder eben wie Berzel, der an der Seite von Rocker Erdmann einen Vorzeigekämpfer verkörperte.

Aktuell bilden die Löwen eine kämpferische Einheit

Im Raum steht Bierofkas Ankündigung, den vorhandenen Kader auszupressen „wie eine Zitrone“. Dieser Plan scheint aufzugehen, wenn man die drei ersten Saisonspiele zum Maßstab nimmt. Die Löwen glänzten zwar selten, überzeugten aber als kämpferische Einheit. Stichwort Mentalität. „Man sieht, dass wir körperlich in einer sehr guten Verfassung sind“, stellte Bierofka fest: „Selbst in Braunschweig mit zehn Mann haben wir noch zwei Chancen gehabt. Also, die Jungs können marschieren. Das ist schon mal positiv.“

Bekiroglu ist das aktuellste Beispiel für Bierofkas These, dass jeder Spieler in seinem zweiten Drittligajahr ein paar Prozent draufsatteln werde. „Es ist mein zweites Jahr“, sagte er: „Ich merke es sowohl körperlich als auch vom Kopf, dass ich angekommen bin.“ Bierofka erklärte: „Man sieht, dass wir peu à peu besser werden. Letztes Jahr hatten wir gegen Zwickau in beiden Spielen Probleme. Wir haben den Drittligafußball sehr gut angenommen.

TSV 1860: Zusammenhalt steigert die Motivation

Auch das Beispiel, wie die Löwen ihre Tore bejubeln, zeigt, dass der Teamgeist sehr intakt sein muss. Bekiroglu eilte nach seinem Bilderbuch-Freistoß zu Timo Gebhardt, seinem Positionsrivalen, der (noch) den Status eines Ergänzungsspielers hat. „Timo und ich verstehen uns sehr gut“, sagte der aktive Spielmacher auf die Frage, ob ihm der Backup-Spielmacher Beine mache. „Ich war mit der Glücklichste, dass Timo gekommen ist. Ich kann so viel von ihm lernen.“ Der Trainer registriert’s mit sichtlicher Freude. „Letztes Jahr waren wir schon eine Mannschaft“, sagte er: „Aber es ist noch mal intensiver geworden. Man hat das Gefühl, dass die Jungs zeigen wollen, dass sie besser sind, als sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das ist natürlich eine Riesenmotivation.

Und mit dem ersten Sieg im Rücken dürften die Löwen am Montag nicht nur motiviert, sondern auch halbwegs entspannt nach Mannheim reisen. „Man hat gesehen. dass wir konkurrenzfähig sind und vor niemandem Angst haben müssen“, sagte Bierofka: „Das gibt uns noch mehr Selbstvertrauen.“ Gleichzeitig warnte er: „Zufriedenheit ist Rückschritt. Wer satt ist, will sich nicht mehr weiterentwickeln. Ich lobe meine Spieler, sage aber auch knallhart, was mir nicht gepasst hat.“ Zumindest am Mittwoch fiel die Mängelliste erfreulich kurz aus.

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Der TSV 1860 München kann gegen den FSV Zwickau den ersten Saisonsieg feiern. Aber wer war der beste Löwe auf dem Platz? Jetzt mit abstimmen!

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