Novum für 1860: Gegner aus der 8. Liga

Birkenfeld-Trainer vor Totopokal-Duell: „Ein 0:17 wäre schade...“

Tim Linsbichler vom TSV 1860 bei einem Kopfball.
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Spielpraxis sammeln im Totopokal: Stürmer und Rekonvaleszent Tim Linsbichler.

Auftaktrunde im Totopokal - mit zwei Extremen für den TSV 1860. Selten war eine Reise im BVF-Cup länger und nie hat ein Gegner tieferklassig gespielt...

Selbst Franz Hell, das wandelnde 1860-Archiv, legt sich fest: Der SV Birkenfeld, aktueller Tabellenführer der Kreisliga Würzburg 2 – er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der niederklassigste Gegner, mit dem es ein Profiteam des TSV 1860 je zu tun hatte. Sicher, in den 80ern gab es Duelle mit Vereinen wie Himolla Taufkirchen/Vils oder SV Langengeisling, aber damals sei der BFV-Pokal anders strukturiert gewesen (die Bayernligisten stiegen viel später ein), und deswegen sagt Allesfahrer Hell, 67, der überall mit den Löwen war und alles gesehen hat: „Wenn ich mich nicht sehr täusche, müsste ein Gegner aus der 8. Liga selbst für uns ein Novum sein.“

Köllner: Kretzschmar im Tor gesetzt, Linsbichler soll stürmen

Wie auch immer: Für 1860 ist das Totopokal-Spiel einerseits ein logistischer Störfaktor: 350 km Anreise, kurze Erholung bis zum Derby gegen Türkgücü (Samstag, 14 Uhr). Andererseits sagt Trainer Michael Köllner mit seinem großen Herz für den Amateurfußball: „Es ist Pokal, das gehört dazu. Das Tolle ist: So wie wir uns letztes Jahr gefreut haben, mit Frankfurt einen prominenten Gegner zu bekommen (erste Runde DFB-Pokal/Red.), so freut sich jetzt eben ein Kreisligist, dass er eine große Nummer zieht.“

Für Köllner ist das ungleiche Duell eine willkommene Gelegenheit, Spielern aus der zweiten Reihe Matchpraxis zu geben. Tom Kretzschmar etwa, dem in drei Ligaspielen auf den Geschmack gekommenen Ersatztorwart. Oder Stürmer Tim Linsbichler, der nach einem Verletzungsjahr herangeführt werden soll. Köllner sagt: „Für uns ist das ein super Wettbewerb, weil wir viele junge Spieler haben, die im BFV-Pokal ihren Mann stehen können. Für Tim Linsbichler ist so ein Spiel doch etwas anderes, als wenn er in der U 21 auflaufen würde, einer in Anführungszeichen fremden Mannschaft.“

Das Spiel ist für die ganze Region ein wahnsinniges Geschenk - mit Sicherheit das größte Spiel der Vereinsgeschichte.

Birkenfelds Spielertrainer Benedikt Strohmenger (33).

Fremd im Sinne von ungewohnt wird vor allem das Drumherum sein. Volksfestambiente, die Feuerwehr weist den Anreisenden den Weg, ein ganzes Dorf (2157 Einwohner) im Löwen-Fieber. Spielertrainer Benedikt Strohmenger (33) berichtet, dass am Freitag erstmals Zuschauer beim Training aufgetaucht seien, die Konzentration auf das Heimspiel am Sonntag schwergefallen sei: „Alle mussten nebenbei aufbauen und mithelfen.“ Trotzdem reichte es für einen 2:0-Heimsieg gegen Retzbach.

„Das Spiel ist für die ganze Region ein wahnsinniges Geschenk“, sagt Strohmenger, „mit Sicherheit das größte Spiel der Vereinsgeschichte. Hier wohnen unheimlich viele eingefleischte Löwen-Fans, die nach Karten geiern.“ Los geht’s auf dem Birkenfelder Sportgelände um 18 Uhr. Das Landratsamt Main-Spessart bewilligte 944 Zuschauer.

Strohmengers große Hoffnung ist, dass Köllner auch Spieler aufbietet, „die man kennt“ – und dass das Ergebnis im Rahmen bleibt: „Ein 0:17 wäre schade. Cool wäre, wenn bei sieben, acht Gegentoren Schluss wäre.“

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