Besser waren die Löwen zuletzt vor 13 Jahren

Traumstart!

Toreschießen ist keine Frage des Alters: Kapitän Sascha Mölders (35), Schütze der schnellen Löwen-Führung, feiert mit Juniorchef Dennis Dressel (21), der in der 62. Minute den 2:1-Siegtreffer erzielte.
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Toreschießen ist keine Frage des Alters: Kapitän Sascha Mölders (35), Schütze der schnellen Löwen-Führung, feiert mit Juniorchef Dennis Dressel (21), der in der 62. Minute den 2:1-Siegtreffer erzielte.

Nach Kraftakt von Zwickau grüßt 1860 von Platz drei – und macht Ismaik froh

München/Zwickau – „Seid nett zueinander!“ Ein zeitlos schöner Slogan aus Nachkriegs-Deutschland wird wieder mit Leben gefüllt – ausgerechnet beim TSV 1860, wo jahrelang eher rustikale Umgangsformen an der Tagesordnung waren. Doch jetzt: Hasan Ismaik schwärmt bei Facebook von den neuen Erfolgslöwen. Die Vertragsverlängerung von Michael Köllner wurde unter der Woche mit vielen warmen Worten begleitet. Und auch die Spieler waren nett zu ihrem Trainer: Sie siegten mit 2:1 (1:1) beim FSV Zwickau – was Köllner seinen BR-Auftritt am Sonntagabend versüßte. Als Verlierer hätte er sich sicher nur halb so gern ins Fernsehstudio von „Blickpunkt Sport“ gesetzt.

„Ich gratuliere Euch zu diesem respektablen Start in die 3. Liga“, schrieb der euphorisierte Ismaik in seinem aktuellen Post: „Ich kann mich an keinen besseren Saisonbeginn erinnern.“ Löwen, die länger dabei sind als Ismaik (Einstieg 2011), übrigens auch nicht. Um Vergleichbares zu finden, muss man lange im Archiv zurückblättern – bis man in der Spielzeit 2007/08 landet. Damals sind die Löwen mit neun Punkten in die 2. Liga gestartet, jetzt immerhin mit sieben Zählern in die Spielklasse darunter.

Ismaik, der vor 13 Jahren mit Öl und Immobilien handelte und wohl noch nicht an Investitionen im Fußball dachte, hat den Auftritt am Samstag präzise analysiert. „Das 2:1 in Zwickau hat gezeigt, dass die große Stärke unserer neuen Mannschaft dieser unbändige Wille ist.“ Wille, gepaart mit personeller Flexibilität (Erdmann erstmals auf der Sechs, Neudecker in der Startelf), erzwungenem Spielglück und wilder Entschlossenheit, vom Anpfiff weg.

Bereits nach 37 Sekunden schloss Sascha Mölders eine Kombination über Neudecker und den starken Stefan Lex mit dem Führungstreffer ab. Das 1:1 neun Minuten später dämpfte zwar kurz den Löwen-Mut: Erdmann konnte eine Flanke von Drinkuth nicht verhindern, Salger und Steinhart sprangen zu kurz gegen den unverwüstlichen Ronny König (37 Jahre alt, 1,90 m lang). Nachhaltig unter Druck gerieten die Köllner-Eleven aber nicht.

Erneut Neudecker war es, der das 1:2 auf den Weg brachte: Gelupfter Pass ins rechte Halbfeld, Hereingabe des dynamischen Marius Willsch – den Rest besorgte Dennis Dressel, der somit in die Rolle des Matchwinners schlüpfte. „Mein Schuss wird natürlich noch abgefälscht“, sagte er: „Trotzdem war es ein wichtiges Tor.“ Ebenso wichtig wie die eine oder andere Hiller-Parade (gegen König/68. und Willms/83.) – und der Mut des Drittliga-Novizen Lars Erbst, bei Molls Stolperer gegen Wolfram nicht auf Elfmeter zu entscheiden (56.).

Das vorläufige Resultat ist Tabellenplatz drei, den es am Samstag gegen Lübeck zu verteidigen gilt, höchstwahrscheinlich sogar vor (ein paar tausend) Fans im Grünwalder Stadion. „Am Anfang der Saison ist es wichtig, solche schweren Spiele zu gewinnen“, sagte Köllner und lobte die Seinen ähnlich überschwänglich wie der Investor. „Die Mannschaft hat alles gegeben, alles reingeworfen. Aus Zwickauer Sicht ist es sicher eine schwierige Niederlage. Für uns ist es ein wichtiger Sieg, weil er Kraft gibt.“

2007/08 ebbte der Höhenflug übrigens schnell ab (es folgten zwei Unentschieden), diesmal könnte er länger anhalten – ein Garant dafür ist für Ismaik der Erfolgstrainer Köllner. „Das verleiht uns Stabilität“, sagte er zur Vertragsverlängerung der Oberpfälzers: „Gute Leistung muss immer belohnt werden.“

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