Die „Löwen“ und ihre Rivalen

Denkwürdiges Schneckenrennen um den Aufstieg: Analyse zum Zehnkampf zwischen 1860 und Co.

„Wir haben richtig Bock!“: Sascha Mölders zum Lauf der Löwen und den Zielen für die letzten zwölf Saisonspiele
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„Wir haben richtig Bock!“: Sascha Mölders zum Lauf der Löwen und den Zielen für die letzten zwölf Saisonspiele.

Die beste Form in der 3. Liga hat Bayern II vorzuweisen. Ein Aufstieg ist aber nicht möglich. Neben dem TSV 1860 dürfen neun weitere Klubs hoffen.

  • In der 3. Liga scheint das Aufstiegsrennen zwölf Spieltage vor dem Saisonende völlig offen.
  • Zehn Vereine besitzen bis dato noch eine realistische Chance.
  • Wie ist die Lage bei den Rivalen des TSV 1860? Wir beleuchten die Situation.

München – Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Im denkwürdigen Schneckenrennen um den Aufstieg in die 2. Liga dürfen die Ambitionierten und Arrivierten rund um den TSV 1860 München einen neuen Mitbewerber begrüßen: den SV Meppen. Die Emsländer schoben sich mit einem furiosen Zwischenspurt auf Platz vier, was wenig über den SV Meppen aussagt, aber sehr viel über die Liga, in der Unentschieden und Überraschungen zum Markenzeichen werden. Ausgenommen: Rückrundenprimus FC Bayern II, der aber nicht aufsteigen darf. Ergebnis ist ein Zehnkampf um die vorderen drei Plätze, denn bis runter zum Elften (Uerdingen) darf jeder Verein träumen. 

Video: 3 Drittligisten in München - dann könnte es eng werden

Unsere Übersicht:

Aufstiegsaspiranten in Liga drei: „Es kotzt mich an“

Duisburg (1./44 Punkte): Das beste Team der Hinrunde (38 Punkte) ist noch nicht im Jahr 2020 angekommen. „Seit dem Winter gelingt nichts mehr“, bringt Reporter Dirk Retzlaff die Lage auf den Punkt und führt an: Formkrisen der besten Hinrunden-Zebras (Moritz Stoppelkamp, Lukas Daschner), dazu sei Duisburg bei Standards extrem anfällig, während selber erst zwei Tore nach ruhenden Bällen gelangen. „Es kotzt mich an“, tobte Stoppelkampf nach dem 0:1 in Meppen. Seine Vermutung: „Wahrscheinlich haben wir in der Hinrunde über unsere Qualität gespielt.“

SpVgg Unterhaching (2./44 Punkte): Über die Saison gesehen wirkt kein Team gefestigter als der Börsenklub aus der Münchner Vorstadt. Haching hat die beste Defensive (30 Gegentore) und ist generell schwer zu bezwingen. Erst vier Niederlagen stehen zu Buche: aus zwei Derbys und den ganz wenigen Spielen, in denen einfach nichts zusammenläuft (jeweils 0:3 gegen Halle und in Magdeburg). Kader, Konzept und Stimmung sind schon jetzt annähernd zweitligareif, daher dürfte mit der Schwabl-AG bis zum Ende oben zu rechnen sein.

SV Waldhof Mannheim (3./43 Punkte): Der Aufsteiger ist eines der Überraschungsteam dieser Saison: Gefällige Spielanlage, stabile Defensive und vor allem auswärts eine Macht (ungeschlagen seit März 2018). Ein Verdienst auch von Trainer Bernhard Trares, dem ein weiterer Aufstieg jederzeit zuzutrauen ist. Damit kennt er sich aus seit seiner Zeit als Kapitän und Durchmarsch-Held beim TSV 1860.

SV Meppen (4./41 Punkte): So schnell kann’s gehen in dieser 3. Liga: Zehn Punkte aus vier Spielen – schon ist man ein Aufstiegsanwärter. Uli Mentrup von der Tagespost erklärt das Meppener Hoch mit dem „Außenseiter-Konzept“, das der SVM erfolgreich pflegt: „Der Druck, irgendetwas zu müssen, ist einfach nicht da.“ Die Rückkehr in die 2. Liga nach 22 Jahren würde man trotzdem gerne mitnehmen. Größter Hoffnungsträger auf diesem Weg ist Torjäger Undav, 23 den Trainer Christian Neidhart (seit 2013 im Amt) beim TSV Havelse entdeckt hat.

FC Ingolstadt (5./41 Punkte): Wenn schon Krise, dann richtig. Nach 13 Spielen ohne Niederlage verlor der FCI zuletzt viermal in Folge. Das letzte Tor in der Liga liegt auch schon länger zurück (genau: 355 Minuten), doch was soll da erst Stefan Kutschke sagen? Der Kapitän wartet noch immer auf sein erstes Saisontor und ist zum Verdruss vieler Fans trotzdem gesetzt. Wenig erfolgreich verlief auch der Versuch von Jeff Saibene, eine Mittelfeldraute zu etablieren – als Reaktion auf die vielen verletzten Sechser. Immerhin: Der Trainer selbst darf weiter in Ruhe arbeiten. Der Wiederaufstieg ist offiziell das Ziel, aber kein Muss.

TSV 1860 führt inoffizielle Statistik an - unter 56 Profiklubs

Eintracht Braunschweig (6./41 P.): Seit dem verpatzten Start ins neue Jahr (1:4 bei 1860) läuft es wieder besser für die Braunschweiger Löwen, wobei die Wahrheit zwischen dem 1:3 von Würzburg und dem 4:1 gegen Uerdingen liegen dürfte. „Man weiß nicht so recht, wohin die Reise geht“, sagt Thomas Fröhlich von der Braunschweiger Zeitung. Gilt auch für Marco Antwerpen, den zweiten Trainer in dieser Saison und vierten nach Vereinslegende Torsten Lieberknecht (2003 bis 2018).

Kickers Würzburg (7./40 Punkte): Neue Qualität dank Quälix? Seit Felix Magath als externer Berater eingestiegen ist, läuft es noch besser für Würzburg. Die Kickers leben Sturm und Drang aus (6:0 in Großaspach), bestehen aber auch dort, wo’s weh tut (2:2 in Zwickau) – so kann’s weitergehen für Flyeralarm-Felix.

TSV 1860 München (8./39 Punkte): Inoffizieller Titel für den Meister von 1966: Im Konzert der 56 deutschen Profiklubs ist 1860 München der aktuell beständigste, da seit 13 Spielen unbesiegt. Offiziell wollen die Löwen ja nur „stabil und sorgenfrei“ ins Ziel kommen, aber jetzt, da sogar Platz eins in Reichweite ist . . . Für eine spannende Restsaison sprechen Wille und Geschlossenheit der Mannschaft, das Händchen von Taktikguru Michael Köllner und die angeschwollene Löwen-Brust. Wie sagte TSV-1860-Kultstürmer Sascha Mölders nach dem 4:3 gegen Chemnitz? „Wir haben richtig Bock!“ Das werden sie auch gegen Jena wieder zeigen wollen. 

Beste Stimmung beim TSV 1860 nach dem knappen 4:3-Heimsieg über Chemnitz.

Hansa Rostock (10./38 Punkte): Der sturmerprobte FC Hansa war schon vor dem Montagabendspiel eines der besten Rückrundenteams – warum das so ist, erklärt Sönke Fröbe von der Ostseezeitung: „Gefühlt ist endlich mal Ruhe. Trainer Jan Härtel und Sportvorstand Martin Pieckenhagen scheinen wirklich einen Plan zu haben.“ Kluge Transfers, nur zwei Gegentore in den ersten fünf Spielen 2020 – fertig ist das Hansa-Hoch.

KFC Uerdingen (11./36 Punkte): Seit dem 1:4 in Braunschweig richten sich die Blicke beim KFC eher nach unten als nach oben. Sturmkrise, lustlose Altstars und ein schleppender Umbau des Grotenburg-Stadions – Probleme gibt es zuhauf, die sich weder von einer stolzen Vita (Sportmanager Stefan Effenberg) noch von einem dicken Konto (Präsident Ponomarew) lösen lassen.

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