„Leichtigkeit zurückbekommen“

TSV 1860: Es ist noch alles möglich - vier Mutmacher für die Löwen

Servus, Kollege: Tim Linsbichler (l.), hier neben 1860-Kapitän Sascha Mölders, erweitert Köllners Sturmrepertoire.
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Servus, Kollege: Tim Linsbichler (l.), hier neben 1860-Kapitän Sascha Mölders, erweitert Köllners Sturmrepertoire.

Der TSV 1860 ließ zuletzt einige Zähler liegen. Der zwischenzeitliche Tabellen-Absturz bedeutet aber noch nicht sehr viel. Köllners „Kopfkino“ bleibt aus.

München – Michael Köllner hat es mit seinem Verweis auf das „Kopfkino“ angedeutet: Ja, sagte er, es könne sein, dass Teile seiner Mannschaft dem Aufstiegsdruck (noch) nicht gewachsen sind. Es gehe jetzt darum, „im Training an unserem Spiel zu feilen“, sagte der Löwen-Coach nach dem 1:1 gegen Meppen – und vor der wegweisenden Woche mit dem Totopokalspiel in Burghausen (Mittwoch, 19 Uhr) und der Drittliga-Bewährungsprobe beim Halleschen FC (Sonntag, 13 Uhr).

Speziell hinsichtlich der Stabilität „müssen wir schauen, dass wir das in den Griff bekommen und eine gewisse Leichtigkeit zurückbekommen“. Köllner weiß: Es ist noch alles möglich, wenn sein Team die Kurve kriegt. Was als Mutmacher für seine Löwen taugt, zeigt unsere Übersicht.

Personelle Lage

Im Frust über den Nichtsieg gegen Meppen ist es fast ein bisschen untergegangen: Tim Linsbichler wurde kurz vor Schluss eingewechselt, erstmals in der 3. Liga, und der Österreicher, der sein erstes Vertragsjahr bei 1860 verletzungsbedingt verloren hatte, schuf durchaus gefährliche Momente. Das Sturmtalent ist aber nicht der einzige Genesene, der Köllners personelle Möglichkeiten erweitert. Nach und nach kehren gerade alle Verletzten und Angeschlagenen zurück. Daniel Wein war gegen Meppen erstmals nach auskurierter Achillessehnen-Reizung im Kader. Semi Belkahia (nach Kapselverletzung) feierte in der Bayernliga ein 60-Minuten-Comeback. Und Marius Willsch (Schambein) befindet sich im Aufbautraining.

Ausgeglichene Liga

Verl sorgt in Halle für ein Torspektakel (4:4) und büßt die Woche drauf eine 3:2-Führung gegen dezimierte Berliner ein (Endstand 3:3). Gegen eben jenen Überraschungsaufsteiger, der kürzlich daheim mit 0:1 gegen Halle verlor. Klingt verrückt, ist aber Alltag in einer 3. Liga, die noch ausgeglichener scheint als je zuvor. „Die Ergebnisse gehen kreuz und quer, wenn man sich die Tabelle anschaut“, staunt einerseits Köllner, der andererseits weiß: Erfolge gegen die Zweitliga-Absteiger (1:0 gegen Würzburg, spät entglittener Sieg in Braunschweig) sollte man genauso wenig überbewerten wie ein 1:1 gegen Meppen. Trotz Platz 11, den 1860 innehat, ist weiter alles möglich. Bestes Beispiel ist Würzburg in der Spielzeit 2019/2020: Nach der Hinrunde belegten die Kickers Platz 12, am Ende stiegen sie als Tabellenzweiter auf – um allerdings postwendend wieder abzusteigen. Die Lehre(n), die Köllner daraus zieht: Den Aufstiegstraum muss man erst begraben, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist. Und, ebenso wichtig: Wenn man hochgeht, sollte das Team eine Mindestreife für die 2. Liga mitbringen.

Krisenmanager Köllner

Der Löwen-Trainer ist ein bekennender Serien-Täter. Seine These: Je länger ungeschlagen, desto breiter die Brust. Schlechte Phasen, die immer vorkommen, sollte man daher so kurz wie möglich halten, dozierte er am Samstag. Und wenn man mal schaut: In seinen bald zwei Jahren bei 1860 ist es Köllner stets gelungen, schnelle Antworten auf Kurzzeitkrisen zu finden. Der Durststrecke im Herbst 2020 (fünf Spiele ohne Sieg) folgte eine Leistungsexplosion vor Weihnachten (5:0 Lautern, 3:0 Waldhof, 2:2, Wehen). Der Durchhänger in diesem Frühjahr mündete in der Fastteilnahme an der Relegation (nach elf Spielen ohne Niederlage). Und dieses Mal? Köllner punktet intern, weil er jeden mitnimmt, konsequent nach Leistung aufstellt und sich auch nicht zu schade ist, Entscheidungen zu revidieren. Vor einem Jahr half, dass er Moll wieder auf die Sechs zog. Kürzlich kassierte er ohne großes Aufhebens sein bei der Mannschaft unbeliebtes 4-2-2-2-System.

Aufbaugegner Halle?

Der Hallesche FC erwies sich vergangene Saison als dankbarer Aufbaugegner. Der Hinrunden-Heimpleite gegen Duisburg (0:2) folgte eine 6:1-Gala gegen Halle nebst Dressel-Viererpack. Und auch nach dem Rückrunden-0:1 in Duisburg, das Köllner nachhaltig ärgerte, kam Halle zum rechten Zeitpunkt: Mit dem furiosen 4:0 beim HFC läuteten die Löwen am 23. März ihren Schlussspurt im Aufstiegskampf ein. Und dieses Mal? Auflösung am Sonntag ab 13 Uhr. (Uli Kellner)

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