Löwen waren nie jünger

Leistungstests beim TSV 1860 München - Fragezeichen in der Abwehr

Leistungstest mit gängigem Outfit in diesen Zeiten: Stefan Lex auf dem Laufband – mit Sauerstoffmaske.
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Leistungstest mit gängigem Outfit in diesen Zeiten: Stefan Lex auf dem Laufband – mit Sauerstoffmaske.

Der TSV 1860 München ist mit den Leistungstests in die Vorbereitung gestartet. Fragezeichen im Kader gibt es vor allem noch im Abwehrzentrum.

  • Der TSV 1860 München hat in der Sportschule Oberhaching die obligatorischen Leistungstests durchgeführt.
  • Der Kader der Löwen ist mit 22,2 Jahren im Schnitt der jüngste der Vereinsgeschichte.
  • Nach dem Abgang von Aaron Berzel hat der TSV 1860 eine Lücke im Abwehrzentrum.

München – Sportschule Oberhaching, Werner-von-Linde-Halle. Bei Generationen von 1860-Profis standen die genannten Sportstätten für das Grauen einer jeden Vorbereitung, den Laktattest. Michael Köllner geht diesbezüglich neue Wege, entstaubte den Leistungs-Check und verlegte ihn in den vereinseigenen Kraftraum, wo Laufbänder und Sauerstoffmasken zum Einsatz kamen. Beim gestrigen Dauerregen nicht die schlechteste Idee. Wobei viele im blutjungen Kader stolz waren, überhaupt bei den Drittliga-Profis dabei zu sein.

TSV 1860 München: Köllner muss eigene Talente fördern

Die meiste Zeit in seinem Trainerleben war Köllner für Talententwicklung und Nachwuchsförderung zuständig. In Hof, Regensburg, Fürth und Nürnberg war das der Fall, ebenso beim DFB – und künftig umso mehr auch beim TSV 1860. Auf dem Papier bleibt Köllner Cheftrainer der Drittligaprofis, ein Blick auf den aktuellen Kader legt jedoch nahe, dass die Löwen verstärkt auf die ursprüngliche Kernkompetenz des Oberpfälzers vertrauen. Getreu dem Motto: Wer kein Geld für Verstärkungen hat, macht sich eben selber welche. Ein Projekt, das viel Zeit und Geduld erfordert. Wie das mit Köllners Zweitliga-Ambitionen zu vereinbaren ist, steht auf einem anderen Papier. Aufschlüsse darüber könnte die morgige Zoom-Pressekonferenz geben.

TSV 1860 München: Tallig einziger externer Neuzugang - kommen noch Leihspieler?

Ein externer Zugang, viele Talente aus dem eigenen Stall, die den vorläufigen 23-Mann-Kader so auffüllen, dass Köllner im Training elf gegen elf spielen lassen kann. Es wäre ein Wunder, wenn nicht sogar ein großes Risiko, mit diesem unerfahrenen Kader in die Saison zu gehen. Denkbar ist, dass die Löwen bis zum Ende der Transferperiode (5. Oktober) nachlegen, womöglich mit Leihgeschäften wie in den vergangenen beiden Jahren (Lorenz, Owusu, Rieder). Externe Hilfe über Gönner wie zuletzt bei Aaron Berzel und Timo Gebhart funktioniert nicht mehr beim aktuellen Finanzierungsmodell, dem Ismaiksche Sicherungsdarlehen zugrunde liegen.

TSV 1860 München: Wer ersetzt Berzel im Abwehrzentrum?

Nie waren die Löwen jünger als im Corona-Sommer 2020: 22,2 Jahre im Schnitt, wenig Drittligaerfahrung (13 Profis), selbst der einzige externe Zugang, Erik Tallig, ist gerade mal 20. Die Schwächen im aktuellen Gebilde: Kein Ersatz für Torjäger-Oldie Sascha Mölders, 35, zwei andere zentrale Positionen sind zwar besetzt, aber kann der Ex-Chemnitzer Tallig auf Anhieb Efkan Bekiroglu ersetzen? Und der bei Köllner zuletzt unglückliche Quirin Moll den Schlüsselsechser Tim Rieder? Schwierig die Situation im Abwehrzentrum: Aaron Berzel war eine Bank (Platz zwei in der kicker-Rangliste, Kategorie „Herausragend“), hält seit Samstag aber für Türkgücü die Knochen hin. Defensivtalente wie Semi Belkahia, 21, und Niklas Lang, 18, sollen künftig vom nicht immer sattelfesten Dennis Erdmann angeleitet werden.

TSV 1860 München: Wird der Umbruch nach dem Gesellschafterstreit zur Gefahr?

Naheliegend wäre gewesen, den Rückenwind aus dem ersten Köllner-Halbjahr (Platz 8, Aufstiegschance bis zum letzten Spieltag) mitzunehmen, die Erfolgsachse (Mölders plus Berzel-Rieder-Bekiroglu) zu halten und 2020/21 groß anzugreifen. Zweite Liga wäre für Hasan Ismaik auf Dauer günstiger, als jede Saison neue Finanzlöcher zu stopfen. Jedoch: Der ewige Gesellschafterstreit zwingt 1860 zu einem radikalen Umbruch, der schnell in die Abstiegszone führen könnte. Was das für eine so junge Mannschaft bedeutet, kann sich jeder selber ausmalen. (ULI KELLNER)

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