Drei Punkte gegen Würzburg

Traumstart dank Frühstarter Bär: Der neue Mölders-Partner sichert 1860 den Aufstaktsieg

Alle 1860-Profis drängten sich auf die Torlinie beim Freistoß in der 72. Minute, zu dem es nach einer kuriosen Szene kam.
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Alle 1860-Profis drängten sich auf die Torlinie beim Freistoß in der 72. Minute, zu dem es nach einer kuriosen Szene kam.

Der TSV 1860 München hat sein erstes Spiel in der neuen Saison gewonnen. Neuzugang Marcel Bär erzielte das entscheidende 1:0 gegen Würzburg.

München – Als die letzte Würzburger Chance mit dem stürmenden Ex-1860-Torwart Hendrik Bonmann verpufft war, boxte Michael Köllner mit beiden Fäusten in die Luft – und 3736 auf den Rängen machten einen Lärm, als würden sie für die nicht zugelassenen 11 264 Fans mitjubeln. „Schon beim Einlaufen ins Stadion hätte ich weinen können“, sagte der Löwen-Coach und wirkte nach dem 1:0-Auftaktsieg ähnlich ergriffen wie seine beiden starken Neuzugänge. Der Ex-Lübecker Yannick Deichmann vergaß das Nordlicht in sich, als er sagte: „Geiles Gefühl, mal wieder vor Fans zu spielen. Absolut Gänsehaut für mich.“ Siegtorschütze Marcel Bär meinte: „Gutes Wetter, ein Sieg vor Fans am ersten Spieltag – plus eigenes Tor. Besser kann’s nicht laufen.“

1:0-Sieg im Grünwalder 511 Tage nach dem letzten Heimspiel vor Publikum

511 Tage nach dem letzten Heimspiel vor Publikum hatten die Löwen ein Spiel geboten, das es den Fans leicht machte, sich wieder zurechtzufinden in der intensiven Gefühlswelt des Fußballs. Auf gut Deutsch: In den 94 Minuten war alles drin, was ein bayerisches Derby ausmacht. Eine Anfangsphase, in der die Löwen zeigten, dass sie spielerisch gereift sind und nicht mehr jeder Angriff über Zielspieler Sascha Mölders, 36, laufen muss. Eine Schrecksekunde, als Moritz Heinrich alleine aufs Tor von Tom Kretzschmar zulief, aber vom herauseilenden Hiller-Ersatz zu einem überhasteten Abschluss gezwungen wurde (8.). Fünf Minuten danach folgte der Moment des Jubels, dem Bär später noch einen zweiten Treffer hätte folgen lassen können (37.).

Es gab Momente des Haderns, als der umtriebige Biankadi per Fernschuss scheiterte (25.) und Mölders bei seinem Tor nicht im Abseits stand (58.). Und was es zwischendurch auch immer wieder gab: Momente des Kopfschüttelns, nicht nur bei strittigen Elfmeterszenen.

Kuriose Szene in der 72. Minute: „Man erlebt immer wieder neue Sachen“

Irritation löste vor allem jene Szene in der 72. Minute aus, über die Köllner später sagte: „Also, ich bin ja seit 20, 30 Jahren viel auf Fußballplätzen unterwegs, aber man erlebt immer wieder neue Sachen. Es war kurios, wie einige andere Dinge auch.“ Das war passiert: In der Wahrnehmung von Referee Franz Bokop hatte Startelf-Debütant Kretzschmar den Ball beim Abstoß doppelt berührt. Die Folge: Indirekter Freistoß am Fünfmeterraum. Sämtliche 1860-Profis drängten sich auf die Torlinie, doch Würzburgs Idee, den Ball querzupassen und am entfernten Pfosten von Strohdiek verwandeln zu lassen, scheiterte kläglich. „Da hat von oben jemand zugeschaut und das Ding übers Tor gedrückt“, sagte Köllner verschmitzt. Kretzschmar fand die Szene nicht ganz so lustig: „Ich hab zu allen Spielern gesagt: Ihr bleibt auf der Linie, ich renn’ alleine raus – ein kurzer Schock, aber zum Glück ist ja nichts passiert.“

Beide Trainer kamen zum Schluss, dass 1860 ein glücklicher, aber nicht unverdienter Sieger ist. „Ich glaub’, es war ein typisches erstes Spiel“, sagte Kickers-Coach Torsten Ziegner: „Der Unterschied war die Kaltschnäuzigkeit von Bär beim Torabschluss.“ Ex-Löwe Heinrich habe in einer „identischen Situation“ Nerven gezeigt. Köllners Urteil: „Beide Mannschaften haben um jeden Zentimeter gefightet – bei schwülen Temperaturen. Wichtig war, dass wir gewonnen haben, denn nach der Vorbereitung ist man immer so ein bisschen auf der Suche: Passt das alles so, wie wir spielen? Können wir damit erfolgreich sein?“

Am Samstag konnten beide Fragen bejaht werden, wobei das Ergebnis beim Neustart mindestens so wichtig war wie das Erlebnis. Schlusswort Köllner: „Den Sieg haben wir den Fans zu verdanken – die haben wie meine Spieler alles gegeben.“ Weiter geht’s am Samstag in Wiesbaden. Kretzschmar ahnt: „Die sind auch eine Topmannschaft.“

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