Defensiv-Werte akzeptabel

Chancenverwertung bodenlos: Darum steht 1860 ganz unten

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Auch Valdet Rama (l.) blieb in Düsseldorf glücklos.

München - Nur "ein schlechtes Spiel" - aber der schwächste Saisonstart aller Zeiten. Steht der TSV 1860 München zu Unrecht ganz unten? Wir analysieren die Daten der Löwen-Saison.

Der TSV 1860 München hat den schlechtesten Saisonstart seiner Geschichte hingelegt. Zwei Punkte und Platz 17 nach sechs Spielen - am Montagabend drohen die Blauen sogar auf den letzten Platz abzurutschen - und zwar dann, wenn der MSV Duisburg beim FC St-. Pauli punkten sollte. 

Das 0:3 in Düsseldorf, das mit Abstand schlechteste Saisonspiel der Löwen, war dabei ein Rückschritt in dunkle Zeiten. Zuvor holte der TSV zwar auch keine Punkte, aber spielte zumindest ordentlich. Das meinte auch Trainer Torsten Fröhling: Der Coach versuchte, die Anhänger zu beschwichtigen.

"Fans müssen sich keine Sorgen machen" - wirklich?

"Die Löwen-Fans müssen sich keine Sorgen machen, irgendwann gibt es immer mal ein schlechtes Spiel", so Fröhling nach dem Spiel im Interview bei Sky. Wir haben einen Plan, aber solche Spiele wie in Düsseldorf dürfen wir uns nicht mehr oft erlauben."

Mit dieser Aussage zog Fröhling den Zorn einiger TSV-Anhänger auf sich. Aber stehen die Löwen nach diesem "einen" schlechten Spiel wirklich zu Unrecht ganz unten?

Grausame Chancenverwertung

Zumindest die Offensive ist derzeit nicht zweitligareif. 1860 stellt mit zwei mickrigen Törchen die harmloseste Offensive der Liga. In fünf von sechs Spielen blieb das Team sogar ganz ohne Treffer. Lediglich beim Derby in Nürnberg netzte 1860 ein.

Immerhin schossen die Löwen 79 Mal aufs Tor, was einen ordentlichen Wert bedeutet. Umso grausamer liest sich dadurch die Chancenverwertung: Von diesen 79 Versuchen kamen nur 27 überhaupt auf das gegnerische Tor - das ist gerade einmal ein Drittel. Zwei Tore bei 79 Torversuchen bedeutet eine Erfolgsquote von unterirdischen 2,5 Prozent! Zum Vergleich: Das offensivstärkste Team, der SC Freiburg, hat seltener aufs Tor geschossen als die Löwen, machte aber aus 74 Schüssen 16 Tore (21,9 Prozent).

Auch gegen Düsseldorf versagten beispielsweise Valdet Rama (5.), Daylon Claasen (7.) und Stefan Mugosa (28.) die Nerven. Auf ein Stürmertor wartet 1860 übrigens noch, die bisherigen Torschützen heißen nämlich Daniel Adlung (Mittelfeld) und Kai Bülow (Abwehr). Rubin Okotie, immerhin der Top-Torjäger der Hinrunde der abgelaufenen Saison und der nun wohl auch noch ausfällt, ist seit mittlerweile über sieben Monaten (!) ohne Treffer.

Immerhin: Sechzigs Defensiv-Werte akzeptabel

Die Defensivstatistiken dagegen lesen sich erfreulicher. 1860 hat nur acht Gegentore kassiert, was im Vergleich zur Zweitliga-Konkurrenz einen Mittelfeldplatz bedeutet. Sieben Teams mussten noch mehr Gegentreffer schlucken. Auch die Zweikampfstatistik (49,9 Prozent - Rang 9) ist akzeptabel. Ebenso reihen sich die Löwen bei den Fouls (96 begangen - Rang 8) und den Ballkontakten (48,5 Prozent - Rang 11) im gesicherten Mittelfeld ein.

Neuzugänge helfen den Löwen noch nicht

Glaubt man den Daten, besteht für die Löwen also tatsächlich Grund zur Hoffnung. Fröhlings viel zitierter "Plan" könnte auf lange Sicht aufgehen - wie er es in den ersten fünf Partien über große Teile der Spiele ja bereits tat. Nutzen wird das Fröhling allerdings wenig, wenn vorne weiter gähnende Leere herrscht und weiterhin zu wenige Punkte eingefahren werden.

Auch Interims-Sportchef Necat Aygün hatte erkannt, dass vorne der Schuh drückt. Doch die kurzfristig verpflichteten Neuzugänge Michael Liendl und Stefan Mugosa gingen in Düsseldorf mit unter. Ob sie langfristig helfen können, wird sich noch zeigen.

Bleibt es bei der Offensiv-Flaute, wird es zeitnah sehr ungemütlich werden für Fröhling, den umjubelten Retter der Vorsaison. Will er das verhindern, sollte die Devise für seine anstehenden Übungseinheiten vermutlich lauten: Torschusstraining bis zum Abwinken.

Was meinen Sie? Steht der TSV zu Unrecht auf einem Abstiegsplatz? Diskutieren Sie in den Kommentaren mit!

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