Löwen verhindern Pokal-Pleite

"Bei einer Niederlage hätte Feuer gelodert"

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Rubin Okotie (l.) und Gary Kagelmacher bedanken sich bei den Fans.

Kiel - Nach einer blutleeren ersten Hälfte in Kiel profitieren die Löwen von einem Doppelschlag des coolen Österreichers Rubin Okotie - und verhindern das Lodern von Flammen.

Mit Yannick Stark durfte fünf Minuten vor Schluss sogar einer der sogenannten „Partylöwen“ aufs Feld. Passte ja, denn anders, als das nach der ersten Spielhälfte im zugigen Holstein-Stadion zu erwarten war, hatte der TSV 1860 tatsächlich mal wieder etwas zu feiern. 2:1 nach 0:1-Pausenrückstand bei Holstein Kiel, Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals – mit zwei Treffern (65. und 81./Foulelfmeter) stoppte Rubin Okotie eine Krise, die sich im Falle eines Ausscheidens womöglich verselbstständigt hätte. „Der Sieg war extrem wichtig für uns“, gab Neuzugang Gary Kagelmacher zu: „Bei einer Niederlage hätte das Feuer mit Sicherheit gelodert.“

Zumindest in Ricardo Moniz hatte das Feuer wie gewohnt gelodert. Über weite Strecken des Spiels war der Trainer des TSV 1860 einer der laufstärksten Gäste, und bezeichnenderweise jubelte er nicht, als das harte holsteinische Brett erfolgreich zuende gebohrt war. Seinem ersten Sieg in einem Pflichtspiel für den TSV 1860 ließ der Niederländer eine angemessene Reaktion folgen: Er atmete tief durch, er klatschte sich mit Teammitgliedern ab – und schien dann schon intensiv an die künftigen Aufgaben zu denken. An Heidenheim am Freitag – und an die Heimpartie gegen Darmstadt, einen weiteren Aufsteiger (31. August). Um auch in der Liga zu Erfolgen zu kommen, werden sich die runderneuerten Löwen weiter steigern müssen.

Nach einer ersten Hälfte, die nahtlos an den blutleeren Auftritt gegen Leipzig (0:3) anknüpfte, schwang sich das Moniz-Team wenigstens zu einer vom Willen getriebenen Energieleistung auf. Vor dem Seitenwechsel klappte nichts – danach stimmte zumindest der läuferische Einsatz. Die Einwechslung des flinken Südafrikaners Daylon Claasen (für Moritz Volz) wirkte belebend, aber auch andere, bereits geschmähte Neuzugänge wie Kagelmacher und vor allem Leonardo zeigten sich nun von ihrer besseren Seite. Ohne Okotie jedoch wäre auch das vergeblich gewesen. Nach einer guten Stunde war der Österreicher mit einem Kopfballaufsetzer erfolgreich. 16 Minuten später fädelte er geschickt bei Gegenspieler Herrmann ein, holte einen umstrittenen Strafstoß raus – und jagte diesen mit aller ihm angeborenen Coolness ins Kieler Netz.

Doch war es überhaupt ein Elfer? „Definitiv“, legte sich Okotie fest: „Sonst falle ich nicht hin.“ Clever gemacht war es in jedem Fall, und es spricht Bände, dass die Gäste solch eine Einlage überhaupt nötig hatten. „Kiel war ein eindrucksvoller Gegner“, adelte Moniz den Drittligisten. „Der Gegner hat uns in der ersten Hälfte überrascht.“ Nicht nur mit dem Steilpass von Vendelbo auf Siedschlag, der früh das 1:0 erzielt hatte (8.). Dafür, so der Löwen-Coach, habe sein Team nach der Pause „eine schwierige Situation repariert“. Christopher Schindler, der neue Kapitän, gab zu, „dass wir wenig Selbstvertrauen hatten“ – eine Folge der beiden Auftaktpleiten. Aber, meinte der kampfstarke Innenverteidiger: „Die Reaktion in der zweiten Halbzeit war richtig gut.“

Nur Gerhard Poschner, der Sportchef, wirkte tiefenentspannt wie immer. „An unseren Zielen hat sich nichts geändert“, sagte der Architekt dieser neuen Mannschaft: „Wir wollen das Team entwickeln und besser abschneiden als letzte Saison.“ Viele hatten ja bereits gestern mit dem Schlimmsten gerechnet. Ex-Löwe Manuel Schäffler, gestern Kiels Bester, durfte unwidersprochen behaupten: „Wir hätten zur Pause mit mindestens 3:0 führen müssen.“ Stattdessen steht 1860 wie fast immer in den letzten Jahren in Pokalrunde zwei – und darf darauf hoffen, am Samstag einen attraktiven Gegner zugelost zu bekommen.

Uli Kellner und Andreas Geidel

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