1860 vor Pokalspiel

Kowarz über Mainz: Das Spiel ist ein "Geschenk"

+
Lang, lang ist’s her: Am 8. August durften die Löwen ihren letzten Sieg bejubeln. Pokalcoup gegen Hoffenheim. An emotionale Szenen wie diese – nach dem 2:0 von Mulic – wollen sie sich in dieser entscheidenden Woche erinnern. 

München - Die Löwen müssen am Dienstagabend beim FSV Mainz 05 im DFB-Pokal ran. Interimscoach Kurt Kowarz erklärt, warum das Spiel ein "Geschenk" sei.

Ein Löwen-Profi blieb auf dem Platz, als Kurt Kowarz gestern den offiziellen Teil des Trainings beendete. Fejsal Mulic hatte offenbar noch nicht genug Bewegung und Frischluft bekommen. Er schnappte sich einen Ball, dazu U 19-Spieler György Hursan – und dann ballerte der Sturmlulatsch munter aufs leere Tor. Zehn Mal, 20 Mal, 30 Mal. Eine Maßnahme aus der Steinzeit des Fußballs, mit der Hobbypsychologen sogenannte „Ladehemmungen“ kurieren wollten. Im Falle Mulic steckte aber vermutlich angeborener Spieltrieb dahinter. Denn: Er war der Spieler, der das letzte Tor beim letzten aktenkundigen Löwen-Sieg erzielt hatte.

Fast drei Monate ist das inzwischen her. Am zweiten Samstag im August war es, als die Löwen überraschend Bundesligist Hoffenheim aus dem Pokal warfen: 2:0 durch Claasen und besagten Mulic. Damals schien die weißblaue Welt noch in Ordnung. Neun Tage später erreichte die Saisonanfangseuphorie ihren Höhepunkt: 2:2 beim 1. FC Nürnberg. Die spielerisch beste Leistung seit Jahren.

1860 München erinnert sich an alte Erfolge

Schnee von gestern? Denkste! Beim TSV 1860 erinnert man sich aus aktuellem Anlass gerne an verblasste Meriten. Die Mannschaft ist seit zwölf Ligaspielen sieglos. Seit Wochen geht es steil bergab. Zuletzt in Fürth schien das Team in seine Einzelteile zu zerfallen. Der Punkt ist erreicht, an dem wenig anderes übrig bleibt, als sich an die schöneren Momente der Vergangenheit zu klammern. Hoffenheim war daher gestern das Thema in der Pressekonferenz. Nürnberg. Kurzzeitig sogar der stark angestaubte 4:1-Sieg bei Union Berlin (November 2014).

Verantwortlich dafür: Aushilfs-Chef Kowarz, der einen sehr langen Vortrag über das kleine Einmaleins des Mannschaftssports hielt. Kernsätze sinngemäß: Nur als Team geht’s. Jeder muss für den anderen kämpfen. Und auch auf diese Idee kam der Vertreter des weiterhin absenten Benno Möhlmann: „Vielleicht müssen wir uns die Bilder von erfolgreichen Spielen zurück in die Köpfe holen.“

Kowarz überlegt, noch einmal den „sehr schönen Zusammenschnitt“ vom erfolgreichen Relegationskampf gegen Kiel zu zeigen. Er sagte: „Das sind natürlich Dinge, mit denen wir arbeiten. Wenn ein Spieler nur mit negativen Dingen bombardiert wird, dann läuft er doch schon wie ein geprügelter Hund auf den Platz. Wenn ich ihm aber zeige, wie wir übereinander liegen und einen Sieg bejubeln, dann ist er emotional in einem ganz anderen Zustand.“

Kowarz spricht für 1860 München von einer "Riesen-Schangse"

Positive Programmierung. Ein Klassiker. Täuschen tun sich folglich auch jene, die glauben, dass den abstiegsbedrohten Löwen der strapaziöse Pokaltrip nach Mainz nicht so recht in den Kram passt. Weil ja am Sonntag gegen Duisburg das vermeintlich wichtigere Spiel ansteht. Stimmt so nicht, widersprach Kowarz. „Das ist eine Riesen-Schangse für uns“, sagte er mit hessischer Einfärbung und verkaufte den Ausflug in seine Fastheimat als willkommene Flucht aus dem trüben Alltag: „Die Spieler müssen das als Geschenk sehen. Sie können mal die Tabelle vergessen, den Punktestand – und sich einfach nur auf den Fußball konzentrieren.“ Seine Erwartungshaltung ist durchaus ehrgeizig: „Wir fahren nach Mainz, um eine Runde weiterzukommen!“

Was Kowarz konkret Hoffnung macht, sind positive Signale aus der Mannschaft. Gewonnen in streng geheimen Kabinensitzungen: „Wir haben neue Ansatzpunkte, die wir gegen Mainz umsetzen und dann gegen Duisburg fortsetzen wollen.“ In den Trainingseinheiten seit Fürth sei bereits „richtig Leben“ auf dem Platz gewesen: „Ich bin guter Hoffnung, dass einiges auf fruchtbaren Boden gefallen ist.“ Kowarz schloss seine Wir-sind-ein-Team-Predigt mit ein paar plakativen Vergleichen: „Wenn ein Haus brennt, müssen alle mithelfen, es zu löschen. Genauso muss nach einem Ballverlust bei allen im Team die Alarmsirene angehen.“ Und: „Auch das kleinste Kind fällt nur fünf, sechs Mal vom Fahrrad und lernt dann aus seinen Fehlern. Warum soll das bei unseren Jungs anders sein?“

Nach dem Mainz-Trip wird dann wieder Möhlmann übernehmen. „Es geht ihm immer besser“, meldete Pressesprecherin Lil Zercher. „Der Benno“, fügte Kowarz hinzu, werde bereits die Analyse des Pokalspiels übernehmen – die Aufstellung stamme sowieso von ihm. Neben dem abgesprochenen Wechsel im Tor (Ortega für Eicher) seien maximal „ein, zwei Änderungen“ vorgesehen. Kräfte sparen für Duisburg kommt für das Trainerteam nicht in Frage. Schade für Mulic. Er wird erneut nicht im Kader stehen.

von Uli Kellner

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Löwen wollen jetzt zusammenhalten - aber wie?
Löwen wollen jetzt zusammenhalten - aber wie?
So sehen Sie Jahn Regensburg gegen TSV 1860 München heute live im Free-TV und Live-Stream
So sehen Sie Jahn Regensburg gegen TSV 1860 München heute live im Free-TV und Live-Stream
Mentalcoach über 1860-Situation: „Menschen scheitern aus zwei Gründen“
Mentalcoach über 1860-Situation: „Menschen scheitern aus zwei Gründen“

Kommentare