Schlammschlacht hat begonnen

Löwen-Chaos: Fauser kommt, Ismaik tobt

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Hasan Ismaik (l.) ist vom Neu-Geschäftsführer Markus Fauser nicht begeistert.

Der TSV 1860 hat einen neuen Geschäftsführer. Doch Markus Fauser steht nicht auf der Liste von Investor Hasan Ismaik, der prompt darauf reagiert. Der Beginn einer Schlammschlacht?

München - Genau eine Woche war es her, dass die Löwen in der Relegation gegen Regensburg abschmierten. Was folgte, kann getrost als schwärzeste Woche in der Geschichte des TSV 1860 bezeichnet werden. Keine Lizenz für die Dritte Liga, die Rücktritte des Geschäftsführers und Präsidenten. Dazu eine Schlammschlacht zwischen den e.V.-Vertretern und Darlehensgeber Hasan Ismaik, die die Fanszene spaltet. Seit Dienstag sind die Löwen zumindest nicht mehr führungslos in der Krise.

„Wie Sie wissen, befinden wir uns aktuell in einer wirklich schwierigen Situation,“ sagte der neue Interims-Geschäftsführer Markus Fauser bei seiner Vorstellung auf dem Trainingsgelände kurz nach 14 Uhr. Seine Marschroute als Krisenberater ist klar: „Wir wollen in ruhiges Fahrwasser kommen und dann übergeben.“ Der 39 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftler ist Teilhaber beim in Stuttgart und Düsseldorf ansässigen Unternehmen Anchor, das sich auf seiner Homepage als „eine auf Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei mit dem Augenmerk auf wirtschaftliche Zusammenhänge“ vorstellt.

Insolvenz in Betracht? „Nicht im Fokus“

Ob auch bei 1860 eine Insolvenz der KGaA in Betracht gezogen werde? „Das steht überhaupt nicht im Fokus“, antwortete Fauser auf die wenig überraschende Frage. „Es geht um die Fortführung der KGaA. Wir starten am 13. Juli in die Saison – und wir wollen eine gute Mannschaft stellen.“ Mit Fauser arbeitete 1860 schon in der prekären Zeit vor dem Ismaik-Einstieg zusammen. „Ein guter Mann. Der lässt sich von keinem einschüchtern“, sagte ein ehemaliger Funktionär gestern auf tz-Nachfrage.

Das Brisante an der Personalie Fauser ist die Art und Weise der Einsetzung. Da die Vereinsvertreter Robert von Bennigsen und Markus Drees am Pfingstmontag im Geschäftsführungs-Beirat keine Einigkeit mit Hasan Ismaik (telefonisch aus London zugeschaltet) und dessen Bruder Yahya erzielen konnten, wurde Fauser durch Anwendung der 50+1-Regel installiert, mit der die DFL, der DFB und der BFV dem Verein das letzte Wort zusichern. „Wir haben nicht die Zeit, mit unserem Mitgesellschafter über Personen zu diskutieren“, erklärte Übergangs-Präsident Robert Reisinger, der sich auf der Mitgliederversammlung am 2. Juli zur Wahl stellen und die Amtszeit des zurückgetretenen Peter Cassalette zu Ende führen will, die Maßnahme. „Uns läuft die Zeit weg.“ Fauser kündigte an, dass ein Treffen mit der Investorenseite „ganz oben auf der Prioritätenliste“ stünde.

Und wie es mit dem frisch brüskierten Hasan Ismaik generell weitergehen soll? Reisingers Antwort: „Das Leben ist kein Wunschkonzert. Wir haben zwei Gesellschafter. Und das wird auch in Zukunft so bleiben, denke ich.“

Ismaik kontert per Stellungnahme

Dreieinhalb Stunden nach der Vorstellung des neuen Geschäftsführers Markus Fauser folgte die Reaktion von Investor Hasan Ismaik. Der Jordanier wandte sich in seiner an die Medien verschickten persönlichen Stellungnahme um 17.28 Uhr direkt an die Fans. Wortlaut: „Eure Vertreter, Herr Robert von Bennigsen und Herr Dr. Markus Drees haben sich entschieden, nicht für diesen großartigen Club zu kämpfen. Sie haben einen neuen Geschäftsführer ernannt, dessen einzige Expertise die Insolvenz ist! (…) Sie haben sich einfach der 50+1-Regel bedient und bessere Kandidaten ignoriert, die bestens qualifiziert sind und 1860 zurück zu altem Ruhm hätten führen können.“

Wie die tz am Dienstag berichtet hatte, handelte es sich dabei um Ex-Löwen-Stümer Franz Gerber (63) und den Luzerner Treuhändler Philipp Huber. Zweiterer sei laut Ismaik „ein Fußballexperte, der mit zahlreichen deutschen und englischen Clubs zusammengearbeitet hat, gerade auch in der Neuausrichtung und Umstrukturierung dieser Clubs. Außerdem hat er große Erfahrungen und sehr gute Verbindungen zu deutschen und europäischen Fußballverbänden und der FIFA.“

Ismaik appelliert an die Fans

Ismaik ist es „unbegreiflich, wie Herr von Bennigsen und Herr Dr. Drees (e.V.-Vertreter im Geschäfsführungs-Beirat, d. Red.) glauben können, ihr Kandidat sei eine bessere Wahl als Herr Gerber.“ Man müsse dazu wissen, „dass diese Entscheidung nicht die Empfehlung des Interimspräsidenten des Vereins, Herr Robert Reisinger war, der dies in einer Email an den Beirat vor der Sitzung geschrieben hatte. Ich frage mich, ob dieses in einer persönlichen Animosität von Herrn von Bennigsen mir gegenüber begründet liegt, die daher rührt, dass ich mich einmal geweigert habe, mit ihm persönlich Geschäfte zu machen. Ich bitte die Fans dringend, die Herren Bennigsen und Dr. Drees an ihre Verantwortung zu erinnern, gemeinsam im Interesse der Gesellschafter und im Interesse des Vereins zu arbeiten und an ihr Versagen hierbei, indem sie diese Entscheidung gefällt haben, und die 50+1-Regel unter dem Deckmantel des Schutzes des Clubs ausgenutzt haben.“

Ismaiks Appell an die Fans: „Diese Leute wissen nichts von der Bedeutung von Fairplay: Die Anwendung der 50+1-Regel unter diesen Umständen und, noch schlimmer, die Vorbereitung einer Insolvenz sind es sicherlich nicht. Meine Bitte an die Fans ist, dass wir uns ohne diesen Insolvenzspezialisten an einen Tisch setzen und uns gemeinsam an die Arbeit machen, um die Zukunft dieses großartigen Klubs zu sichern.” Bei Facebook ergänzte Ismaik: „Liebe Löwen, bitte geht am 2. Juli zur Wahl und entscheidet, wer es ernst mit Euch meint oder sich auf der Drehscheibe 1860 nur profitieren (sic!) will?“ Die Schlammschlacht hat wohl erst begonnen.

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