Klare Köpfe für die direkten Duelle

Möhlmann: "Sind vom Kopf her noch nicht clever genug"

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Benno Möhlmann.

München - Der TSV 1860 geht in entscheidende Wochen. Die Löwen haben an den nächsten Spieltagen einige direkte Duelle im Abstiegskampf. Das fordert Coach Benno Möhlmann.

Irgendwann im Gespräch war der Punkt erreicht, an dem Benno Möhlmann die Rolle wechselte und vom Ankläger zum Anwalt seiner Spieler wurde. Eben hatte er noch umfassende Einzelkritik geäußert, an fast allen Spielern, die sich beim 1:2 in Leipzig eines oder mehrerer Fehler schuldig gemacht hatten. An Sechser Milos Degenek, der vor dem Ausgleich das Zentrum verlassen hatte: „Was dribbelt der da außen rum?“ Am eingewechselten Nico Karger, der vor Klostermanns Siegtreffer einen fest vereinbarten Laufweg verweigert hatte: „Wenn ich in meinem Alter mal was vergesse, ist das was anderes . . .“ Pauschal schimpfte der Löwen-Trainer: „Wir sind vom Kopf her noch nicht clever und diszipliniert genug.“ Doch dann, beim Blick auf die eifrig mitschreibenden Reporter, legte er plötzlich den verbalen Rückwärtsgang ein.

Möhlmann vermeidet negatives Echo

Geknickt, aber nicht gebrochen: Nico Karger nach der 1:2-Niederlage in Leipzig.

Ein allzu negatives Echo wollte Möhlmann doch lieber vermeiden. „Nagelt lieber mich an die Wand“, empfahl er: „Ich hab die Spieler ja aufgestellt. Und ich könnte jetzt auch sagen, was die Jungs alles klasse gemacht haben.“ Danach schaltete er um auf eine etwas differenziertere Betrachtung. Leipzig sei für ihn eine unnötige, aber keineswegs eine unglückliche Niederlage gewesen, sagte er. „Wir sind ja in der Spur“, glaubt Möhlmann weiterhin. „Vor drei Wochen haben wir gedacht: Wenn am letzten Spieltag noch die Relegation rauskommt, dann können wir alle zufrieden sein.“ Jetzt sagt er: „Wichtig ist, dass wir nicht nervös werden. Und wir müssen zusehen, dass wir in der Saison-Endphase solche einfachen Fehler vermeiden.“

Ein sehr einfacher Fehler wäre zum Beispiel, sich vom Zwischenhoch mit drei Siegen blenden zu lassen und die Lage im Abstiegskampf auf die leichte Schulter zu nehmen. Die ist nämlich weiterhin tückisch, wie Möhlmann direkt nach dem Schlusspfiff in Leipzig festgestellt hatte. „Ich hab den Jungs gesagt: Letztlich haben wir keinen Punkt, und das Torverhältnis hat sich um einen Treffer verschlechtert – das ist, was übrig bleibt.“ Positiv aus Sicht der Löwen ist nur, dass das Feld der bedrohten Klubs größer geworden ist, weil auch Frankfurt und Bielefeld in Reichweite sind. Weniger positiv ist, dass Paderborn ohne Stefan Effenberg einen Befreiungsschlag landete (4:3 in St. Pauli) – und dass Düsseldorf mal wieder einen erfolglosen Trainer entlassen hat.

Ex-Löwen-Coach Funkel übernimmt bei Konkurrent Düsseldorf

Für den Ex-Löwen Marco Kurz soll es fortan der Ex-Löwe und Zweitliga-Rekordtrainer Friedhelm Funkel richten. „Er hat mir vor einem halben Jahr gesagt, dass er auch noch mal anfangen möchte, sonst überhole ich ihn irgendwann von den Einsätzen her“, scherzte Möhlmann zunächst, um dann mit etwas ernsterem Ton anzumerken: „Trainerwechsel bewirken immer etwas. Und wenn man sich die Kader von Düsseldorf und Paderborn mal anschaut: Da sind lauter gute Einzelspieler drin. Spieler, die schon in der Bundesliga zurechtgekommen sind.“ Und selbst die Duisburger geben nicht auf. Der Tabellenletzte schöpft nach dem Sieg gegen Union neue Hoffnung und reist am Freitag zum Kellerduell nach Paderborn

Viele von diesen direkten Duellen kommen auch noch auf die Löwen zu. Los geht’s mit Bielefeld am Sonntag. Mitte April muss 1860 dann nach Duisburg, ehe auf den letzten Metern der Saison mit Paderborn (daheim) und Frankfurt zwei womöglich entscheidende Duelle um den Klassenerhalt anstehen.

Möhlmann: "Auf uns kommen schöne Spiele zu"

Sechs-Punkte-Spiele? Möhlmann schüttelt den Kopf, weil er den Begriff nicht mag. Den Nervenkitzel, den solche Hopp-oder-top-Partien mit sich bringen, den mag er aber sehr wohl. „Das wollten wir doch“, sagt er. „Wir dürfen jetzt nicht meckern, dass da ein paar schöne Spiele auf uns zukommen, mit denen wir aus eigener Kraft entscheiden können, wo wir landen werden. Generell ist mir das lieber, als wenn wir noch fünf Punkte hinterherhecheln. Wir müssen nur vernünftig damit umgehen – aber das kriegen wir schon hin.“

Vorausgesetzt, die Spieler halten sich an seine Empfehlungen. Nämlich: Fehler vermeiden, klar im Kopf bleiben, nicht nervös werden. Möhlmann sieht es so: „Die Lage ist nach wie vor sehr schwierig, aber sie ist machbar. Und ich glaube nicht, dass sich unser Zutrauen durch das Spiel in Leipzig verringert hat.“

Bilder und Noten: Degenek war der beste Löwe

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