Mannschaft trotz Punkt unzufrieden

Fröhling erklärt: Deshalb spielte Liendl nicht

Entglittener Erfolg: Trotz ihrer frühen Führung laden die Löwen Lautern zum Ausgleich ein. Auch Torhüter Eicher macht da keine gute Figur. Foto: fishing 4

München - Die Löwen haben kurz vor dem Transferschluss mit Michael Liendl einen Spielmacher geholt. Überraschenderweise saß der "Hoffnungsträger" gegen Lautern zunächst auf der Bank.

Michael Liendl, 30, zog aus allen Lagen ab, er flankte, dribbelte, dirigierte mit grimmiger Miene und stapfte entschlossen zu allen ruhenden Bällen. Der Spielmacher aus Graz ließ viele der Qualitäten aufblitzen, die ihn am Ende des Transfersommers interessant für den TSV 1860 gemacht hatten. Jedoch: Er tat es am Tag nach dem 1:1 (1:0) gegen Kaiserslautern – im Training der Ersatz- und Einwechselspieler. „Naja“, sagte der spürbar unter Strom stehende Neulöwe: „Ist natürlich nicht lustig für mich, wenn ich am nächsten Tag trainieren muss.“

„Jung gegen alt“, hatte Torsten Fröhling das interne Spielchen am Sonntagvormittag genannt, und das waren nun also die Sparringpartner des mit hohen Erwartungen geholten Routiniers: Talente wie Stephané Mvibudulu und Fejsal Mulic. Talente, die noch vor kurzem in der vierten Liga zu Hause waren – die am Samstag aber vor ihm eingewechselt wurden. Auch auf der 10er-Position, seinem natürlichen Lebensraum, war in einem wegweisenden Spiel einer von Fröhlings jungen Wilden aufgelaufen: Korbinian Vollmann. Viele Zuschauer hatte das überrascht. „Mich natürlich auch“, sagte Liendl, der nur die letzten fünf Minuten mitmachen durfte.

„Der Verein wollte mich haben. Dann will ich natürlich auch spielen“, ergänzte Liendl, der glaubt, dass er der Mannschaft in einem zähen Heimspiel durchaus hätte helfen können: „Speziell in der zweiten Hälfte hatten wir eine Phase, in der wir überhaupt nicht rausgekommen sind.“ Fröhling sieht es eher so, dass einer, der „noch nicht komplett akklimatisiert ist“, keine große Hilfe sein kann. Der Trainer verwies auch auf Liendls privaten Stress: „Die Fahrerei nach Düsseldorf, die Familie, das Kinderkriegen.“ Auf die Frage, ob auch dessen Defensivverhalten die Aufstellung beeinflusst habe, sagte Fröhling: „Michael ist natürlich ein kreativer Spieler. Aber jetzt ist auch ein bisschen Kampf angesagt.“

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Das zweifelsohne. Allerdings hat Fröhling nun ein Problem zu moderieren, das ihm in der momentanen Krise auf die Füße fallen könnte. Allem Anschein nach ist nämlich nicht nur Liendl ein wenig irritiert über die sparsame Dosierung seiner Einsatzminuten (zuvor eine Stunde in Bochum, eine Halbzeit in Düsseldorf). Könnte es also sein, dass der Sportchef den Spieler stärker gewollt hatte als der Trainer? „Nein“, sagte Necat Aygün und stellte klar: „Das ist eine Sache, die wir intern besprechen.“ Er jedenfalls sieht es so: „Liendl ist ein Führungsspieler. Deswegen ist er zu uns gekommen.“

Immerhin: In einem Punkt waren sich Fröhling, Aygün und Liendl einig. Ein Sieg gegen schwache Lauterer wäre möglich gewesen, hätte 1860 nach der frühen Führung durch Milos Degeneks Gewaltschuss (15.) nicht zu ängstlich agiert – und sich aus Frust über Vollmanns Pfostentreffer (48.) zu weit zurückgezogen. Der Trainer spricht von „komischen vier, fünf Minuten, in denen wir keinen Zugriff hatten“. Diese Schwächephase nutzten die ebenfalls nicht sehr stabilen Gäste, um durch Ruben Jenssens Distanzschuss zum Ausgleich zu kommen (59.).

„War haltbar. Da muss man nicht drüber reden“, sagte Torhüter Vitus Eicher reumütig00, als er vor die Presse trat: „Irgendwie rutscht mir der Schuss unter den Händen durch. Das ist natürlich extrem bitter, weil wir endlich mal in Führung gegangen sind.“ Dass Eicher später in höchster Not gegen FCK-Joker Görtler rettete, ließ der uneitle Erdinger unerwähnt.

Auch Sechser Degenek, der sein erstes Tor für 1860 erzielt hatte, wollte nicht groß über seinen „Sonntagsschuss“ (Fröhling) reden. „Ich bin nicht glücklich, weil wir nur einen Punkt geholt haben“, sagte der Serbe, der den Blick auf die Tabelle mit einer kreativen Ausrede verweigerte. „Dafür hab ich keine Zeit“, meinte er nach Spielende. Erst müsse er auslaufen, dann in die Kabine, dann essen: „Vielleicht schaue ich am Sonntagabend mal drauf.“

Was Degenek dort nach Abschluss des Spieltags sah, taugt nicht gerade als Mutmacher vor der Englischen Woche mit schweren Auftritten in Sandhausen (morgen, 17.30 Uhr) und gegen Leipzig (Sonntag). Auf Platz 17 liegt 1860 – mit wachsendem Abstand nach oben. „Wenn man die Tabelle betrachtet, dann sieht man, wie die Lage ist“, sagte Aygün zerknirscht: „Hoffnung macht, dass noch genug Spiele zu spielen sind.“ Das Thema Liendl wird er mit Interesse verfolgen, das Thema Fröhling ist für ihn nach wie vor keines: „Wir betrachten alle realistisch die Situation – wir und der Trainer. Es gibt da keine Diskussion.“

Das Spiel im Ticker zum Nachlesen

von Uli Kellner

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