1860-Coach wirft 18-jährigen Außenstürmer ins kalte Wasser

Bierofka und Greilinger - der Trainer und sein Ebenbild

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Flink, frech und klar im Kopf: Fabian Greilinger (l.) legt bei 1860 gerade eine steile Entwicklung hin.

Einst warf Werner Lorant den jungen Daniel Bierofka in der Champions-League-Quali ins kalte Wasser. Ähnlich verfährt Bierofka nun mit Fabian Greilinger.

VON ULI KELLNER

München – Ein bedeutendes Spiel stand an, ein richtig schwerer Brocken: Volles Stadion, Liveübertragung im Fernsehen, das Heimteam bekannt für seine feurigen Fans – es gibt Aufgaben, die sich besser für ein Startelf-Debüt eignen, doch der 1860-Trainer traute sich was: Er folgte seinem Bauchgefühl, warf den jüngsten Spieler seines Kaders ins kalte Wasser und vertraute darauf, dass der Fußballinstinkt des Novizen den Zweikampf mit seiner Nervosität gewinnen würde.

Die Rechnung ging auf. Wie Werner Lorant einst mit Daniel Bierofka verfuhr, der in der Quali zur Champions League bei Leeds United seine Feuertaufe bei den 1860-Profis feierte, so machte es der Trainer Bierofka am Samstag mit Fabian Greilinger, 18. Der talentierte Außenstürmer durfte in Braunschweig von Beginn an ran, nachdem er gerade einmal zwölf Drittligaminuten in den Beinen hatte. „Ein echtes Brett für Fabi, der letztes Jahr noch U 19 hätte spielen können“, kommentierte Bierofka trocken, „aber nur so entwickeln sich junge Spieler weiter.“

Letzte Saison debütierte Greilinger als 17-Jähriger im Bayernligateam der Löwen – am Samstag verdrängte er den zehn Jahre älteren Willsch auf die Reservebank. Zufall ist dieser steile Aufstieg nicht, denn 19 Sommer nach dem Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte glaubt Bierofka, einen besonderen Spieler entdeckt zu haben – einen, der ihn an keinen Geringeren als den jungen Daniel Bierofka erinnert. „Er ist ein Spieler, wie ich ihn mag. Ähnlich wie ich früher“, schwärmt der Trainer schon beim Vorbereitungsstart: „Fabi ist Linksfuß, ich war Rechtsfuß. Er ist ein frecher Hund, der sich nix scheißt. Ich glaube, aus dem Jungen kann man was machen.“

Das ist nun Bierofkas Plan. Es scheint ihm ein Herzensanliegen zu sein, sein Ebenbild auf der Karriereleiter nach oben zu begleiten. Den Löwen imponiert neben Greilingers Talent vor allem dessen Klarheit im Kopf, die Karl Herzog, sein väterlicher Freund und Berater, so beschreibt: „Auf dem Platz ist er erfrischend frech und offensiv. Außerhalb legt er eine gewisse Demut an den Tag, die für einen 18-jährigen Burschen normal sein sollte.“

Greilinger, der aus einem Dorf bei Altötting stammt, verzichtet darauf, sich in den sozialen Netzwerken zur Schau zu stellen. Dafür baute er im Sommer sein Abi – und ließ sich auch nicht den Kopf verdrehen, als manch attraktive Anfrage auf dem Schreibtisch seines Beraters landete. „Auch die Bayern wollten ihn ja einst – damals noch unter Heiko Vogel. Kam für Fabi aber nie in Frage“, so Herzog: „Seine Familie ist tiefblau, und ihm selbst war es egal, dass woanders mehr Geld gezahlt wird. Wichtig war für ihn, dass er sich wohlfühlt.“

Das scheint der Fall zu sein. Wer so beherzt den Flügel entlangflitzt, der spürt, dass sich gerade alles für ihn fügt. Wobei man das auch anders sehen kann. „Im Endeffekt wurden die Löwen zu ihrem Glück gezwungen“, sagt Herzog: „Hätte Hasan Ismaik im Sommer den Geldbeutel aufgemacht, gäbe es jetzt keinen Greilinger bei den Profis.“

Bierofka sieht es so: „Unser Weg wird so aussehen, dass wir auf junge Spieler setzen müssen – und irgendwann ist der Zeitpunkt einfach da. Wenn ich sie auf der Bank lasse, wird’s schwierig.“ Dazu kommt: „Fabi hat mich einfach überzeugt.“

Nach der bitteren, weil relativ unverdienten, Niederlage gegen Braunschweige haben die Löwen nun die nächste Chance auf den ersten Saison-Sieg: 1860 spielt am Mittwoch gegen Zwickau - wir berichten im Live-Ticker.

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