David Niedermeier spricht über Löwen-Talent Noel Niemann

Langjähriger Begleiter: „Noel Niemann hat das Potenzial für die Bundesliga“

+
David Niedermeier (kl. Foto) arbeitet mit Junglöwe Noel Niemann seit vielen Jahren zusammen. 

David Niedermeier ist Leiter der Münchner Fußballschule und Begleiter von Noel Niemann. Im Interview spricht Niedermeier über die Fähigkeiten des 20-Jährigen. 

  • David Niedermeier arbeitet seit elf Jahren mit Noel Niemann zusammen.
  • Unter Michael Köllner feierte der 20-Jährige sein Debüt bei den Löwen-Profis.
  • Niedermeier traut seinem Schützling den Sprung in die Bundesliga zu.

David Niedermeier ist Leiter der Münchner Fußballschule und trainiert seit vielen Jahren Löwen-Juwel Noel Niemann. Der A-Lizenz-Inhaber benennt die Stärken seines Schützlings und spricht über dessen Zukunftsperspektive. 

Noel Niemann hat sein Debüt gegen den FC Bayern gegeben. Hat sich die Einwechslung angebahnt? 

Noel konnte schon Daniel Bierofka von Anfang an überzeugen. Seine Kreuzband-Verletzung hat ihn vergangene Saison zurückgeworfen. Die Einwechslung hat er sich durch konstant gute Trainingsleistungen über Wochen und Monate erarbeitet, weshalb sie mich persönlich weniger überrascht hat. Ich habe mich aber natürlich riesig für Noel gefreut, als es dann passiert ist. In der darauffolgenden Woche hat er gegen Großaspach sein Startelf-Debüt gefeiert und eine starke Leistung gezeigt.  

„Noel braucht nur Spielpraxis“

Hat er vom Lex-Ausfall profitiert? 

Das hatte nicht nur damit zu tun. Natürlich kam ihm die Verletzung zugute, aber er hat einfach eine starke Leistung gezeigt. Junge Spieler müssen sich beweisen und das hat Noel geschafft. Gegen Großaspach hat er ein herausragendes Spiel gemacht, trotz mangelnder Spielpraxis. 

Was fehlt ihm noch zu einem Stammplatz? 

Nichts! Was ihm gefehlt hat, hat er letztes Jahr unter Bierofka gelernt: Widerstandsfähigkeit und Kampfbereitschaft. Im offensiven Eins-gegen-Eins ist noch Luft nach oben, aber trotzdem gehört er in diesem Bereich zu den Besten. Noel braucht nur Spielpraxis. Mit mehr Einsätzen kommt das Selbstvertrauen und die Tiefenmuskulatur beginnt sich zu bilden. Dass er vor 15.000 Menschen auftritt, muss zur Routine werden. 

Michael Köllners Spielidee passt besser zu Noel Niemann

Schon unter Bierofka war er einmal im Kader, aber kam zu keinem Einsatz. Woran lag das? 

Das liegt an der Spielweise. Daniel legt sehr viel Wert auf die Defensivarbeit. Er bezeichnet die 3. Liga als eine Kampfliga und damit hat er recht. Damals hatte Noel noch Schwächen im Defensivverhalten. Er hat von seinen wenigen Einsatzzeiten sogar profitiert und konnte sich ein dickeres Fell zulegen. Er geht nun viel aggressiver und entschlossener in die Zweikämpfe. Die Zeit unter Bierofka hat aus ihm einen vollständigen Spieler gemacht. Köllner setzt eher auf die Offensive und spielt in einem anderen System. 

Gegen Preußen Münster hat er den Siegtreffer vorbereitet. Warst du überrascht?

Noel steht bei jedem, der mit ihm arbeitet, hoch im Kurs, weil der Trainer sieht, welche Fähigkeiten der Junge mitbringt. Für mich kam diese Torvorbereitung nicht überraschend. Noel ist prädestiniert, um diese entscheidenden Situationen hervorzurufen. Heute erntet er, was er über viele Jahre gesät hat. Das war der erste kleine Erfolg aber da wird noch viel mehr kommen. 

Niedermeier: Niemann muss sich in der Defensive verbessern

Ihr habt ein inniges Verhältnis. Wie lange kennt ihr euch schon? 

Noel kam mit neun Jahren zu uns ins Fördertraining der Münchner Fußball Schule. Dort war sein Potenzial sofort zu erkennen. Noel wechselte noch im selben Jahr in unser Projektteam bei der DJK Würmtal. Hier trainierten wir dreimal pro Woche, plus Spiel am Wochenende. Noel hatte zusätzlich einmal wöchentlich ein Einzeltraining. Nach circa sechs Jahren endete unser Projekt in Würmtal und Noel ging nach Ismaning. Bis heute begleiten wir ihn mit der MFS. Noel ist für mich wie ein eigener Sohn. 

Was sind seine Stärken, was seine Schwächen? 

Er hat ein unglaubliches Tempo, ist wahnsinnig wendig und dribbelstark. Er ist beidfüßig und hat einen starken Abschluss. Im offensiven Eins-gegen-Eins ist er schon sehr gut, hat aber noch Luft nach oben. Er hat einen sehr tiefen Körperschwerpunkt und ist dadurch sehr beweglich. Jeder Verteidiger hat es schwer gegen ihn. Charakterlich ist er eine Eins. Abgesehen von seinem Defensivverhalten, gibt es keinen Schwachpunkt. Aber auch hier hat er, wie schon erwähnt, große Fortschritte gemacht. Er ist flexibel und kann sowohl auf der Außenbahn als auch im Zentrum spielen. Noel hat das Potenzial für die Bundesliga. 

Köllner macht jungen Spielern Mut

Neben Noel Niemann war auch der 17-jährige Niklas Lang gegen Preußen Münster im Kader. Hat Köllner einen besseren Draht zur Jugend als Bierofka?

Jeder Trainer hat zu jedem Spieler einen anderen Zugang. Sowas kann man nicht am Trainer festmachen, sondern man muss die Gesamtsituation betrachten. Wie sehr steht der Trainer unter Druck oder welcher Spieler passt besser in welches System? Köllner geht auf die jungen Spieler zu und macht ihnen Mut. Immer wenn es gegen eine vermeintlich schwächere Mannschaft ging, hat Köllner jungen Spielern eine Chance gegeben. Er hat in Nürnberg ja damals das NLZ geleitet und setzt auf Talente. Diese Einstellung hat er mit nach München genommen.

Interview: Luca Iannotta

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

13 Löwen mit ungewisser Zukunft: Unsere Prognosen zu Gebhart, Lex, Mölders und Co.
13 Löwen mit ungewisser Zukunft: Unsere Prognosen zu Gebhart, Lex, Mölders und Co.
1860-Trainingslager im News-Ticker: Löwen im Testspiel kaum zu bremsen
1860-Trainingslager im News-Ticker: Löwen im Testspiel kaum zu bremsen
Löwen-Vize Sitzberger kontert öffentliche Kritik von Daniel Bierofka
Löwen-Vize Sitzberger kontert öffentliche Kritik von Daniel Bierofka
Im 1860-Trainingslager: Köllner bittet Spieler zu Gesprächen in besonderer Atmosphäre
Im 1860-Trainingslager: Köllner bittet Spieler zu Gesprächen in besonderer Atmosphäre

Kommentare