Langzeit-Löwe im Interview

„Ich will mit Sechzig Geschichte schreiben“: Dennis Dressel über Wechselpläne und Löwen-Krise

Zukunft ungewiss: Dennis Dressels Vertrag läuft bis Sommer 2022.
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Zukunft ungewiss: Dennis Dressels Vertrag läuft bis Sommer 2022.

Dennis Dressels Wechselgedanken schlugen im Sommer hohe Wellen. Jetzt spricht der Langzeit-Löwe über die Situation bei 1860 und Michael Köllner als Krisenmanager.

München – Im Sommer sorgte sein Transferwunsch in Richtung Zweitligist Darmstadt 98 für Schlagzeilen, der Deal scheiterte an den Ablöseforderungen der Sechziger, die bei ihrem Unternehmen Aufstieg nicht auf Dennis Dressel (22) verzichten wollten. Elf Spieltage später dümpelt 1860 auf Platz 13 der 3. Liga, beim jüngsten 1:1 gegen Viktoria Berlin durfte Dressel erst in der Schlussviertelstunde aufs Feld. Höchste Zeit für ein Interview mit dem Langzeit-Löwen (seit 2007 im Verein).

Herr Dressel, hat Sechzig das Siegen verlernt?
Die Zahlen lügen nicht, sieben Unentschieden in elf Spielen sind schon eine Menge. Aber das Siegen verlernt? Nein, soweit würde ich nicht gehen. Wir haben ja auch das Fußballspielen nicht verlernt, es fehlen aktuell nur Kleinigkeiten. Gegen Berlin waren wir in der letzten Viertelstunde sehr dominant, haben die hinten reingedrückt. Da müssen wir weitermachen.
Eine wirklich einleuchtende Erklärung für die bislang so ernüchternde Saison hat bislang noch niemand abliefern können. Wie lautet Ihr Ansatz?
Es ist am Ende alles eine Frage des Selbstvertrauens. Wir sind eine gute Mannschaft, der Kern ist derselbe geblieben, wir treten couragiert auf und keiner lässt sich hängen. Was uns fehlt, ist das Erfolgserlebnis, der letzte Funke Überzeugung, damit das Ding wieder ins Rollen kommt. Die große Kunst besteht darin, trotz alledem locker zu bleiben.
Wie erleben Sie Trainer Michael Köllner in dieser Phase?
Er ist positiv und setzt genau an dem Punkt an, die Freude am Fußball wieder reinzukriegen. Bei aller nötigen konstruktiven Kritik darf auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Ich finde, die Art und Weise des Trainers passt zu unserer Mannschaft. Wir werden aus dieser Phase gemeinsam rauskommen.
In der vergangenen Saison spielten Sie nach der Kreuzband-Verletzung von Quirin Moll als alleiniger Sechser, in dieser Spielzeit kamen Sie auch schon auf der Doppel-Sechs und als Achter zum Einsatz. Wo sind Sie am wertvollsten für die Mannschaft?
Schwierige Frage, ich fühle mich im zentralen Mittelfeld eigentlich überall wohl. Als Achter kann ich mich mehr an Offensivaktionen beteiligen und komme leichter zum Abschluss, als Sechser bin ich der Dreh- und Angelpunkt, bekomme mehr Bälle und trage mehr Verantwortung fürs gesamte Spiel. Ich bin in die Sechserrolle reingewachsen und hab viel gelernt. Das macht mir Freude.
Gegen Berlin saßen Sie eine Stunde auf der Ersatzbank, da dürfte sich die Freude in Grenzen gehalten haben.
Alles andere wäre auch ein schlechtes Zeichen. Natürlich spiele ich am liebsten von Anfang an. Und ich denke, dass ich nach meiner Einwechslung gegen Berlin auch zu unserer Dominanz beigetragen habe.
Wenn es nach Ihnen gegangen wäre, würden Sie jetzt bereits in der Zweiten Liga bei Darmstadt 98 spielen. Wie sehr beschäftigt Sie das Thema noch?
Im Sommer hat mich das sehr beschäftigt. Welcher Drittliga-Spieler würde nicht gern in der Zweiten Liga spielen? Aber das ist jetzt rum. Ich denke nicht mehr im „Was-wäre-wenn“-Modus, meine ganze Konzentration gilt Sechzig. Das ist mein zweites Zuhause.
Ihr Vertrag läuft im Sommer 2022 aus. Wie wollen Sie in Giesing in Erinnerung bleiben?
Es ist noch nichts entschieden für 2022, von daher kann ich die Frage nur generell beantworten. Ich will eine Geschichte schreiben mit Sechzig, etwas Besonderes leisten. Wir wollen alle was reißen hier in dieser Saison und es ist noch vieles möglich. Um vorwärtszukommen, müssen wir jetzt aber in kleinen Schritten denken und nicht ständig vom großen Ganzen reden. Das bringt gar nichts.
Aktuell ist die Abstiegszone näher als die Aufstiegsplätze, mit Mannheim und Saarbrücken warten formstarke Gegner nach der Länderspielpause. Wie groß ist Ihre Sorge, unten reinzurutschen?
Natürlich müssen wir unsere Hausaufgaben machen und uns von unten absetzen, alles andere wäre naiv. Trotzdem dürfen wir uns nicht verrückt machen lassen. Es fehlen ja keine Welten zu unseren möglichen Siegen.
Zu den 33 Punkten der vergangenen Hinrunde fehlen sechs Siege und zwei Unentschieden.
Ja, aber was soll das bringen, immer auf die letzte Saison zu schauen? Auch da hatten wir unsere Durststrecken und haben uns rausgezogen.
Mit einem 5:0 gegen Mannheim, dem nächsten Gegner in der Liga.
Ganz genau. Ich sehe das als Ansporn! Keine Ahnung, wie sie in Mannheim darüber denken. In jedem Fall wär’s ein guter Zeitpunkt für uns, den berühmten Bock umzustoßen.
Am Freitag geht’s zum Totopokal-Viertelfinale nach Buchbach. War das Beinahe-Aus im Achtelfinale bei Wacker Burghausen ein Warnschuss zur rechten Zeit?
Ja, das denke ich schon. Buchbach wird mit Sicherheit nicht einfacher als Burghausen. Die sind gut unterwegs in der Regionalliga und werden am Freitag gegen uns nochmal mindestens zehn Prozent mehr draufpacken. Wenn wir da nur ein Prozent weniger reinhauen, dann kann das ganz schnell in die falsche Richtung laufen. Kurz gesagt: Wir wissen, was da in Buchbach auf uns zukommt und werden entsprechend auftreten, um weiterzukommen.

Das Interview führte Ludwig Krammer.

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