Interview

„Dennis will in die Bundesliga“ - Berater Hermann Hummels über Dressels Zukunft

Hermann Hummels berät seinen Sohn Mats Hummels (BVB) und auch den Löwen-Spieler Dennis Dressel.
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Hermann Hummels berät seinen Sohn Mats Hummels (BVB) und auch den Löwen-Spieler Dennis Dressel.

Dennis Dressel ist DER Spieler bei den Löwen. Der Mittelfeldspieler wird beim TSV 1860 gefeiert und scheint nicht zu bremsen. Über seine Zukunft spricht in einem Interview sein Berater Hermann Hummels.

  • Dennis Dressel (22) hat beim TSV 1860 aus der Löwen-Jugend bis in die Profi-Mannschaft gespielt.
  • Der Mittelfeldspieler wird als Viererpack-Schütze des TSV 1860 gefeiert.
  • Über seine Zukunft spricht sein Berater Hermann Hummels jetzt in einem Interview.

München - Hermann Hummels (61) war 17 Jahre lang Nachwuchskoordinator beim FC Bayern, heute berät er seinen Sohn Mats (Borussia Dortmund), zwei Talente aus Burghausen und Ismaning – und Dennis Dressel, den Viererpack-Schützen des TSV 1860.

Herr Hummels, welches Dressel-Tor hat Ihnen am besten gefallen am Samstag?
Hermann Hummels: Ganz klar das vierte. Da war alles drin, was Dennis im Optimalfall auszeichnet: Mut und Durchsetzungsfähigkeit bei seinem Lauf durchs Mittelfeld, die Cleverness, einen Pass anzutäuschen und damit die Tür nach innen zu öffnen – und dann die Technik, den Ball genau dorthin zu schießen, wo es keine Abwehrchance für den Torwart gibt. Ein Super-Tor! Aber Dennis weiß auch, dass er bis zum 1:0 kein überragendes Spiel gemacht hat. Erst danach ist es gelaufen.
Als nomineller Achter liegt seine Hauptaufgabe eher im Gegenpressing und Chancen-Vorbereiten, weniger im Toreschießen.
Hummels: Ja, aber das kann er auch. Wir haben letzte Woche noch gescherzt, wann er seine Sechs-Tore-Marke aus der letzten Saison knacken wird. Dass es so schnell geht, konnte ja keiner ahnen (lacht). Das Wichtigste ist, dass Dennis immer mehr zur Veränderung der Ergebnisse beiträgt, er hat ja nicht nur die sechs Tore auf dem Konto, sondern auch zwei Vorlagen und einige vor- und drittletzte Pässe. Seine Haltung zum Spiel hat sich verändert.
Dennis Dressel schießt sich in den Löwen-Olymp.
Wie meinen Sie das?
Hummels: Die Einstellung, das Energische. Nicht im Sinne von Grätschen und überflüssigen gelben Karten, sondern im unbedingten Willen, an möglichst vielen Aktionen beteiligt zu sein, das Spiel in die Hand zu nehmen, wie es ein Joshua Kimmich vormacht. Das ist nicht leicht, das geht nicht über Nacht, seine Muster zu ändern. Aber ich finde schon, dass Dennis in diesem Jahr mehr in den Wind tritt, mutiger geworden ist und dem Trainer insgesamt mehr von sich anbietet.
Welche Rolle spielt Michael Köllner?
Hummels: Ich will zuerst Günther Gorenzel* nennen, der immer an Dennis geglaubt und ihm den Rücken gestärkt hat. Bei Daniel Bierofka hat er seine ersten Chancen in der Dritten Liga bekommen, nach schwächeren Spielen war er aber auch schnell wieder raus. Mit Michael Köllner haben wir jetzt den Optimalfall, die Rückkopplung aus Leistung und Vertrauen. Ich war selber mal Trainer (in Mainz und Wehen, d. Red.), ich weiß, wovon ich rede. Ziel ist es immer, den Menschen in Einklang zu bringen mit seinem Potenzial. In manchen Dingen wie der Passqualität oder seiner Schusstechnik ist Dennis schon sehr weit, bei der Konstanz, beim Offensiv-Kopfball und bei der Aktionsdichte aber erst bei 30 bis 50 Prozent. Aber er entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Wie weit kann diese Entwicklung noch bei 1860 gehen?

„Dennis hat die Fähigkeiten zwei Klassen höher zu spielen“

Hummels: Ich habe ja schon mal gesagt, dass Dennis die Fähigkeiten hat, zwei Klassen höher zu spielen, das ist auch sein erklärtes Ziel. Spiele wie am Samstag werden sicher Begehrlichkeiten wecken, aber Dennis ist keiner, der bei der ersten Gelegenheit wechselt, dazu würde ich ihn auch nie drängen.
Sein auslaufender Vertrag bei 1860 soll sich nach unseren Informationen bei einer bestimmten Anzahl von Spielen verlängern. Die Löwen dürften im Fall der Fälle also mit einer Ablöse rechnen.
Hummels: Über Vertragsdetails werde ich hier nicht sprechen, aber Günther Gorenzel hat ja vor einiger Zeit schon mal solche Andeutungen gemacht. Die Corona-Situation spielt auch mit rein, gerade in der Zweiten Liga sitzt das Geld nicht mehr locker. Jetzt warten wir mal ab und hoffen, dass Dennis sich und den Löwen weiter viel Freude bereitet.
Wäre ein Verbleib im Aufstiegsfall denkbar?
Hummels: Warum nicht? Ich traue Sechzig in dieser Saison einiges zu. Sie spielen sehr variabel und waren auch bei den Niederlagen gegen Saarbrücken und Duisburg die bessere Mannschaft. Auf das nächste Spiel in Dresden bin ich jetzt schon gespannt, nicht nur wegen Dennis.

Interview: Ludwig Krammer *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Bei den Löwen zählte Dennis Dressel in der vergangenen Saison zu den Lichtblicken. Lesen Sie hier ein Interview mit dem Mittelfeldspieler.

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