Neuzugang vor Rückkehr nach Magdeburg

Dennis Erdmann über Kritik: „Müsste mich jeden Tag in die Isar stürzen“

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Der Blick fürs Wesentliche: Dennis Erdmann rechnet beim Gastspiel bei seinem Ex-Club mit einem unfreundlichen Empfang.

Der TSV 1860 in Magdeburg – für die meisten ist diese Partie am Samstag ein Allerweltsspiel in der 3. Liga – doch für Dennis Erdmann (28) wird es der emotionale Höhepunkt seines noch jungen Löwen-Daseins.

Dennis, mit welchem Empfang rechnen Sie in Magdeburg am Samstag?

Mit keinem freundlichen, obwohl ich das eigentlich verdient hätte. Ich hab zwei Jahre lang alles gegeben für den FCM. Aber ich schätze, dass es mir immer noch viele Leute übel nehmen, dass ich meinen Vertrag nach dem Abstieg nicht verlängert habe.

Was war der Grund?

Wir sind uns über die Konditionen nicht einig geworden. Und dann trennt man sich. Es gab kein böses Blut. Ich kann jedem Verantwortlichen in die Augen sehen und freue mich auf das Spiel, die vielen Bekannten und Freunde.

Der letzte Auswärtssieg gelang 60 vor über fünf Monaten …

Ja, es wird echt Zeit, dass wir was holen. Insgesamt sind fünf Punkte in fünf Spielen natürlich nicht ausreichend. Unsere Torausbeute könnte besser sein. Aber wer die Spiele gesehen hat, der weiß, dass es die Schiedsrichter nicht immer gut mit uns gemeint haben, um es mal vorsichtig auszudrücken. In Braunschweig müssen wir gewinnen, da waren wir besser – auch gegen Münster und Meppen war mehr drin.

„Manchmal kannst du dich nur wundern“

Sie stehen bei drei Gelben Karten – alles im Soll?

Gegen Münster hab’ ich den Ball gespielt, gegen Braunschweig angeblich gemeckert, obwohl ich gar nichts gesagt habe. Manchmal kannst du dich nur wundern.

Woran liegt’s?

Der Fußball ist empfindlicher geworden – wie die ganze Gesellschaft. Alles wird auf die Goldwaage gelegt. Vor 20, 30 Jahren wären meine Fouls gar nicht gepfiffen worden! Manchmal denk’ ich: Vielleicht bin ich in der falschen Zeit Fußballer geworden.

Oder im falschen Land…

Oder so. Für mich ist Fußball ein Kontaktsport. Dass es da mal rumpelt, gehört dazu. Wenn ich sehe, dass einer technisch besser ist als ich, dann nutze ich alles, verbal und nonverbal, damit er das nicht zeigen kann. Härte ist nicht gleich Unfairness.

„Wir müssen uns vor niemandem fürchten“

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Sachliche Kritik hilft mir weiter. Und der Rest juckt mich nicht. Wenn ich alles auf die Goldwaage legen würde, was ich an Nachrichten kriege – da müsste ich mich jeden Tag in die Isar stürzen.

Wird bei Sechzig zu schnell gepfiffen?

Auf der Haupttribüne wird’s schneller unruhig als im Rest des Stadions, aber insgesamt ist die Unterstützung schon top. Bei Traditionsvereinen ist es immer so eine Sache mit den Erwartungen. Wir sind eine Mannschaft ohne große Erfahrung, das müssen die Leute berücksichtigen, die uns bewerten. Es bringt niemandem was, Maßstäbe aus Zeiten anzulegen, wo die Typen hier das Geld säckeweise rausgeschleppt haben.

Welche Tipps können Sie Ihren Mitspielen für Magdeburg geben?

Das kann ich hier nicht verraten. Nur eines: Magdeburg ist nach Dortmund wahrscheinlich das lauteste Stadion in Deutschland, darauf muss sich jeder einstellen. Aber wir haben alle Bartwuchs – okay, bis auf Greilinger (lacht) – wir müssen uns vor niemandem fürchten!

Interview: Ludwig Krammer

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