Mitgliederversammlung der Löwen

Poschner bekommt noch einmal drei Monate Gnadenfrist

+
Sportdirektor Gerhard Poschner sitzt bei den Löwen auf einem angesägten Ast.

München- Sportdirektor Poschner erhält nach Abstimmung mit Investor Ismaik eine Bewährungsfrist von drei Monaten. Dann wird seine Arbeit beim TSV 1860 München bewertet.

Der Getränkeumsatz bei der 1860-Mitgleiderversammlung in der Tonhalle war beachtlich an diesem Sonntag. Temperaturen wie im Treibhaus führten zu einer Dauerschlange an der Theke. Und der Durst der Fans beschränkte sich nicht nur auf Flüssiges. Sie wollten vor allem Handfestes - Fakten, wie es weitergehen soll bei ihrem Herzensklub.

Die Degradierung Gerhard Poschners zum bloßen Sportdirektor bei gleichzeitiger Beförderung Noor Bashas zum Co-Geschäftsführer hatte seit Freitag die Diskussionen befeuert. Würde die Rochade auch Vorteile für 1860 haben? Oder sollte es in veränderter Konstellation einfach nur so weitergehen?

Nicht auszuschließen. Schließlich hatte sich der Fast-Absteiger Stand gestern personell noch immer nicht verstärkt. Doch zumindest dürften die Tage von Gerhard Poschner gezählt sein. Wie Interims-Präsident Siegfried Schneider zur Eröffnung der Versammlung berichtete, erhielt der Sportdirektor in Abstimmung mit Ismaik eine Bewährungsfrist von drei Monaten, nach der seine Arbeit bewertet werde. „Wir werden Poschner beobachten und dann entscheiden, ob er bei uns bleibt“, sagte Schneider unter dem Beifall vieler Fans. „Ich weiß, viele von ihnen hätten lieber eine sofortige Trennung gehabt. Aber ich gebe zu bedenken: In dieser Situation kurz vor Saisonstart ist es wenig sinnvoll einen neuen Sportdirektor einzuwechseln. Warten wir die Transferperiode ab.“ Laut Schneider werde die Zusammenarbeit mit Poschner nur dann fortgesetzt, falls beide Gesellschafter dies wünschten. Ob sich der Sportdirektor auf diese Probezeit einlässt? Gegenüber der tz sagte Poschner gestern, dass er erst über die Medien von seiner Gnadenfrist erfahren habe. Weitermachen will er trotzdem. Ob mit oder ohne arbeitsrechtlichen Beistand sei dahingestellt.

„Meine Haltung zu Gerhard Poschner ist bekannt“, erklärte Schneider, der den Sportchef vor Wochen öffentlich zum Rückzug aufgefordert hatte. „Dennoch bin ich an einer professionellen Zusammenarbeit interessiert. Leider wurde von ihm das Stück Loyalität nicht so eingehalten, wie ich es erwartet hatte.“ Schneider sprach den Fall Tim Hoogland an, dessen Transfer zu 1860 laut Poschner am Veto des Präsidiums gescheitert sei. Laut Schneider ebenso eine Unwahrheit wie die angebliche Budgetsperre, von der Poschner vergangene Woche berichtet hatte.

Ingesamt, so Schneider, könne der Sportdirektor für Verstärkungen eine Summe von zwei Millionen Euro ausgeben (Ablöse plus Gehälter). Dazu sei mit Ismaik vereinbart worden, dass weitere 1,2 Millionen Euro für die dringend notwendige Sanierung des Trainingsgeländes (Plätze, Nachwuchsinternat) bereitgestellt werde.

Offen bleibt einstweilen, wie Noor Bashas Posten als Geschäftsführer ausgestaltet wird. Weder der studierte Pharmazeut, der gestern nicht auf dem Podium sprechen wollte, ist mit übermäßiger Fußballkompetenz gesegnet noch sein Mit-Geschäftsführer Rejek, der daraus keinen Hehl macht und auf „internen Gesprächsbedarf“ verweist.

Interkulturellen Gesprächsbedarf gibt es mit Hasan Ismaik. Seit gestern ist bestätigt, dass der angestrengte Anteilsverkauf vor allem am Geld scheiterte. Interims-Vizepräsident Karl-Christian Bay, der sich (nach Red.Schluss dieser Ausgabe) zur Wahl für den neuen Verwaltungsrat stellte, sagte zum zukunftsweisenden Thema: „Herr Ismaik hat betont und geschrieben, dass es ein Angebot gab. Dass die finanzielle Größenordnung unter diesen Gesichtspunkten allerdings nicht attraktiv genug war.“ Tja, was sind diese Löwen noch wert? Auch darum wird es in den nächsten Wochen gehen.

Ludwig Krammer

Riesen Andrang in der TonHalle: Bilder von der Löwen-Mitgliederversammlung

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kommentare