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Karriere-Highlight mit 1860 - Ex-Nationalspieler Erich Beer erinnert sich: „Das war der Wahnsinn“

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Von: Claudius Mayer

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Der Unverkennbare damals und heute: Erich Beer als Löwe, hier im Januar 1982 gegen Union Solingen (li.) und kurz vor dem 75. im heimischen Grünwald.
Der Unverkennbare damals und heute: Erich Beer als Löwe, hier im Januar 1982 gegen Union Solingen (li.) und kurz vor dem 75. im heimischen Grünwald. © imago, dpa/Matthias Balk

Erich Beer ist Vize-Europameister, WM-Teilnehmer und Europacup-Finalist. Sein Karriere-Highlight ist aber ein Bayernliga-Spiel mit dem TSV 1860. Zum Geburtstag erinnert er sich.

München – Der Mann hat in seiner vierzehnjährigen Profi-Laufbahn durchaus Beachtliches erreicht. Er war WM-Teilnehmer (1978), Vize-Europameister (1976), stand im Europacup-Halbfinale, in einem deutschen Pokal-Endspiel und er erzielte in 342 Bundesligaspielen 95 Tore. Fragt man Erich Beer allerdings, welche drei Partien er zu den Highlights seiner Karriere zählt, dann ist da ein Spiel aus der damals drittklassigen Bayernliga am Gründonnerstag 1984 dabei.

„Dieses 6:1 seinerzeit vor 32 000 Zuschauern im ausverkauften Sechzger-Stadion gegen Fürth war der Wahnsinn“, sagt Beer, „zur Halbzeit stand’s schon 5:0 für uns, und es war die Vorentscheidung im Kampf um den Titel und zum Einzug in die Aufstiegsrunde. Die Zuschauer drehten fast durch vor Begeisterung.“

37 Jahre war Beer, der Spielmacher, damals bereits alt, um ihn herum beim TSV 1860 viel junges Gemüse wie Wiggerl Kögl und Jürgen Korus oder Andi Löbmann, die durchaus seine Kinder hätten sein können. Lang, lang ist’s her. Heute feiert Beer, der in München hängen geblieben ist und in Grünwald wohnt, seinen 75. Geburtstag. Zu seiner Freude schickte ihm der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder einen Gratulationsbrief. Von Franke zu Franke sozusagen.

Natürlich genießt der gebürtige Oberfranke keinen Legendenstatus wie die Meisterlöwen, das gab die sportliche Situation damals nicht her, aber als Publikumsliebling taugte er immer. Beer: „Es war eine schwierige Zeit. Als ich 1981 nach den zwei Jahren in Saudi Arabien zu den Löwen wechselte, übrigens auf Vermittlung von Max Merkel, hatten wir in der 2. Liga eine tolle Mannschaft mit Rudi Völler und Herbert Waas im Sturm,aber die finanziellen Probleme des Vereins schlugen sich dann auf das Sportliche nieder. Wir Spieler bekamen drei Monate lang im Winter keine Gehälter, da war die Laune natürlich entsprechend. Das Ende ist bekannt: Wir wurden Vierter, der Verein bekam keine Lizenz und musste runter in die Bayernliga.“

Beer blieb noch bis Herbst 1984 als Spieler, sprang danach wieder mal als Trainer ein, bis ihn der damalige Präsident Karl Heckl im Januar kurzerhand vor die Tür setzte. Beer: „Seine Begründung: Mit mir würde man nicht aufsteigen. Ich ging dann zur SpVgg Bayreuth und stieg mit ihr auf ...“

Seine sportlich erfolgreichste Zeit hatte Beer von 1971 bis 1979 bei Hertha BSC erlebt. Mit 83 Treffern war er lange Zeit erfolgreichster Torschütze der Berliner, ehe ihn Michael Preetz ablöste. „Und 1975 wären wir fast Deutscher Meister geworden, aber dann schafften es doch die Gladbacher. Der 2:1-Sieg damals gegen die Borussia vor 91 000 Zuschauern im Olympiastadion war ein weiteres der drei Highlights.“

Und das dritte? Beer: „Mein zweites Länderspiel 1975 in Wien, als ich beim 2:0 gegen Österreich beide Tore schoss.“ 24 Partien (sieben Tore) im DFB-Dress waren es insgesamt, die letzte eine wenig ruhmreiche. Stichwort: Die Schmach von Cordoba. 2:3 verlor Deutschland bei der WM 1978 in Argentinien gegen Österreich und schied aus dem Turnier aus. Beer legt allerdings Wert darauf, „dass es noch 1:0 für uns stand, als ich zur Halbzeit ausgewechselt wurde ...“

Beer, der seine Bundesligakarriere 1968 beim 1. FC Nürnberg unter Max Merkel startete und mit dem Club ein Jahr später abstieg, feiert heute Corona-bedingt nur im Familienkreis mit seiner Frau, den beiden Söhnen, dem Enkelsohn und den drei Enkeltöchtern: „Zwei von den Mädchen spielen übrigens auch Fußball, und zwar richtig gut.“

Seine Frau hat Erich Beer übrigens während seiner Anfangszeit in Nürnberg geheiratet. Mit Hilfe von Max Merkel. Beer: „Ich habe ihn gefragt, ob ich mein Handgeld in Höhe von 10 000 Mark, das erst an Weihnachten ausgezahlt werden sollte, wegen der Hochzeit schon eher haben könnte. Merkel stimmte sofort zu, weil ihm, wie er sagte, „verheiratete Spieler ohnehin lieber seien ...“

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