Nach Biero-Kritik

Ex-Schiri Rafati: „1860 wird oft benachteiligt“ - Er verrät auch den Grund

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Schiri Fritsch schickte 60-Kapitän Weber (r.) gegen Uerdingen mit Gelb-Rot vom Feld

„Es werden tatsächlich sehr viele Fehler gemacht in der 3. Liga“, sagt Ex-FIFA Schiedsrichter Babak Rafati und nimmt zur Schiri-Kritik von Löwen-Coach Bierofka Stellung.

München - Früher war er einer von ihnen, heute zeigt er den Pfeifenmännern auch mal (verbal) die Gelbe oder Rote Karte: Babak Rafati (49), Experte bei liga3-online.de. Wir sprachen mit dem früheren FIFA-Schiedsrichter über einen Spieltag, an dem 1860-Trainer Daniel Bierofka wieder einmal kein gutes Haar am Referee ließ und ihm „nullkommanull“ Spielkontrolle attestierte.

Herr Rafati, Sie analysieren Woche für Woche die „strittigen Szenen“ der 3. Liga. Wie verlief aus Ihrer Sicht das zurückliegende Wochenende?

Rafati: Sie meinen aus Münchner Sicht, nehme ich an. Mir wurden seitens der Redaktion zwei Szenen vorgelegt: eine Rudelbildung (Uerdingens Mbom vs. Löwe Erdmann/Red.) und die Gelb-Rote gegen Felix Weber. Beides waren korrekte Entscheidungen. Der Stürmer war in aussichtsreicher Position kurz vor dem Strafraum, der Verteidiger kommt zu spät, trifft ihn in die Hacken und war ja schon mit Gelb verwarnt. Bei der Szene mit Mbom und Erdmann wurde ich gefragt, ob man da nicht auch Rot geben kann, aber Gelb für beide war für mich im Rahmen.

Auch 1860-Co-Trainer Oliver Beer sah in der Folge Gelb. Berechtigt?

Von dieser Art der Bestrafung halt ich rein gar nichts. Die Trainer haben genug andere Baustellen. Jetzt noch an der Seitenlinie mit Gelben Karten rumzuwedeln – das braucht kein Mensch.

Babak Rafati war selbst FIFA-Schiedsrichter.

Auffällig ist, dass sich die Löwen regelmäßig benachteiligt fühlen. Daniel Bierofka klagte nach dem 0:1 gegen Uerdingen, Schiedsrichter Tobias Fritsch hätte „die Karten verteilt, wie er wollte“. Können Sie ihm folgen?

Ich hab das Spiel jetzt nicht komplett gesehen, sondern nur die fraglichen Szenen. Ich erinnere mich aber, dass es eine Tabelle gibt, wo aufgelistet wird, welches Team wie häufig benachteiligt wurde – und da liegen die Löwen ganz weit vorne.

Woran liegt es, dass die Löwen überdurchschnittlich häufig benachteiligt werden? Schauen Schiedsrichter bei namhaften Vereinen anders hin?

Wenn du einen namhaften Verein pfeifst, dann hast du das immer im Hinterkopf. Der eine oder andere wird sicher beweisen wollen, dass er keine Angst vor großen Namen hat. Wenn ich im Grünwalder Stadion eine spektakuläre Aktion gegen die Heimmannschaft pfeife, dann kann durchaus der Gedanke dahinter stecken: So kriege ich einen Pluspunkt, so mache ich bei den Beobachtern auf mich aufmerksam. Im Unterbewusstsein mag das eine Rolle spielen.

„Es geht um Millionen, um Existenzen“

Das spricht nicht für die Schiedsrichter der 3. Liga…

Es werden tatsächlich sehr viele Fehler gemacht in der 3. Liga. Diese Fehlentscheidungen sind hausgemacht, weil die Schiedsrichter nicht gut genug ausgebildet sind. Das sind junge Leute, die vor allem sportlich und in der Theorie geschult werden, aber das Entscheidende – die Persönlichkeitsentwicklung – die bleibt auf der Strecke. Da müsste der DFB ansetzen, schließlich ist die 3. Liga eine Profiliga und nicht nur von den Namen her die stärkste dritte Liga der Welt. Es geht um Millionen, um Existenzen. Du brauchst da gut geschulte Leute, die so professionell pfeifen, wie es diese Liga verdient. Mein Gefühl ist, dass die 3. Liga total unterschätzt wird. So nach dem Motto: Wir schicken jetzt einen jungen Schiedsrichter, der darf sich im Grünwalder Stadion ein bisschen austoben, damit er später mal die großen Bayern pfeift.

Also stimmt das Gerücht, dass die 3. Liga verbandsintern als Ausbildungsliga für Schiedsrichter angesehen wird?

So sehen die das, ja. Die sagen sich: Jetzt schauen wir mal, wer es schafft, sich für eine höhere Liga anzubieten. Das ist aber die falsche Einstellung. Wir sprechen hier von Profifußball und nicht von einem Pilotprojekt. Ich bin da ganz beim Trainer Bierofka, denn oft stimmt es bei den Schiedsrichtern schon von der Körpersprache nicht. Du trifft ja nicht nur eine Fehlentscheidung, du schürst damit auch Emotionen – und das wird noch schlimmer, wenn du dich dann als Halbgott in Schwarz aufführst.

Lesen Sie auch: Bei den Löwen geht der Blick in der Tabelle wieder in Richtung Abstiegszone. Investor Hasan Ismaik kritisiert via Facebook die Vereinsführung - und muss sich einiges von den Fans anhören.

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