Ultras fordern Schmerzensgeld

1860- und FCN-Anhänger festgesetzt: Fans verklagen Staat auf Entschädigung

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Etwa 80 Fans wurde im Oktober 2011 der Zutritt zur Allianz Arena verweigert. Nun klagen die Ultras.

München - Wegen Gewahrsamnahme haben knapp 80 Personen ein Bundesligaspiel im Jahr 2011 verpasst. Nun verklagten 49 Fans den Staat auf Schmerzensgeld und Entschädigung.

Über vier Jahre ist es nun her, dass Ultras des TSV 1860 München und des 1. FC Nürnberg vor dem Bundesligaspiel des FC Bayern München gegen Nürnberg von der Polizei bereits vor der Partie in Gewahrsam genommen wurden. Dadurch verpassten die Anhänger der beiden Vereine (wobei die 1860-Anhänger mutmaßlich nicht wirklich hinwollten) die Begegnung und verklagen den Staat nun auf Schmerzensgeld. Sehr wahrscheinlich wird der Staat zahlen müssen, wie das Landgericht München I deutlich gemacht hat.

Der Vorfall: Am 29. Oktober 2011 stand das Bundesliga-Spiel zwischen dem FC Bayern München und dem 1. FC Nürnberg auf dem Spielplan. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, trafen sich vor der Partie Nürnberger Ultras der Gruppe "Bandi di Amici" und befreundete 1860-Fans der Münchner "Cosa Nostra" in der Nähe des Vereinslokals der FC-Bayern-Ultras "Schickeria", allerdings zogen die befreundeten Ultragruppen dann zur Allianz Arena weiter.

Dort fiel die schwarz gekleidete Gruppe den Sicherheitskräften auf. "Sie provozierten Bayern-Anhänger. Ihre Gewaltbereitschaft zeigten sie durch Schreien und Arme Hochreißen", erklärte die Polizei. Da nach Auskunft der Beamten die Gruppe im Stadion nicht mehr kontrollierbar gewesen wäre, entschloss sich die Polizei, die etwa 80 Personen in Gewahrsam zu nehmen. Erst weit nach Spielschluss wurden die Club- und Löwen-Fans wieder freigelassen.

Nürnberger Ultra gewinnt vor Landgericht

Das Münchner Amtsgericht wies die Klage eines Nürnberger Ultras, der Beschwerde einreichte und die Rechtswidrigkeit der Gewahrsamnahme festgestellt wissen wollte, zunächst ab. Vor dem Landgericht München I hingegen hielt die Beschwerde stand. Die Polizei hätte zu erklären, warum sie jede einzelne festgehaltene Person für gefährlich halte.

Laut der Süddeutschen Zeitung zahlte der Freistaat dem FCN-Fan ein Schmerzensgeld und Entschädigung für seine nutzlos gewordenen Anreisekosten in Höhe von 100 Euro. Daraufhin klagten nun auch 49 weitere Ultras, die das Spiel verpassten. Die Höhe des verlangten Schmerzensgeld variiert von 130 bis 300 Euro, die Fahrtkosten betragen fünf bis 40 und die nicht verwendete Stadionkarte kostete die Fans 15 bis 30 Euro.

"Angesichts der Rechtslage wird die Kammer wohl zu einem gewissen Schmerzensgeld kommen", erklärte der Vorsitzende der 15. Zivilkammer gegenüber der SZ. Er machte den Vorschlag, die Staatskasse solle jedem Kläger 125 Euro zahlen. Nun beraten sich die Anwälte beider Seiten mit ihren Mandanten.

mko

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