Duell in der 3. Liga

Münchner Stadtderby: Zerstört der FC Bayern II den Löwen-Traum? Mega-Analyse vor dem Prestigeduell

Die Spannung steigt vor dem Derby zwischen dem FC Bayern II und dem TSV 1860.
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Die Spannung steigt vor dem Derby zwischen dem FC Bayern II und dem TSV 1860.

Für die Löwen geht es in der Drittliga-Partie gegen die „kleinen Bayern“ um viel - wie haben sich die beiden Mannschaften seit dem Hinspiel getan? Unser Vergleich.

  • Im Münchner Stadtderby empfängt der FC Bayern München II den TSV 1860 München.
  • Der FC Bayern München II ist in der 3. Liga auf Meisterkurs.
  • Trotzdem spielen nichtdie „kleinen Bayern“, sondern die Löwen um den Aufstieg.
  • München – Für die einen ist es der letzte Strohhalm, für die anderen die Chance, einer überragenden Saison das Sahnehäubchen aufzusetzen. Kurzum: Der Aufstiegstraum der Löwen wird im Stadtderby am Mittwoch einem weiteren Stresstest unterzogen, denn der Talentschuppen des FC Bayern* darf zwar nicht aufsteigen, er steht aber verdient an der Spitze der 3. Liga

    Unsere Übersicht zeigt, was sich seit dem 1:1 im Hinspiel bei beiden Kontrahenten getan hat. Und: Was in Zukunft von Michael Köllners Blauen und der roten Reserve von Sebastian Hoeneß zu erwarten ist.

    FC Bayern München II - TSV 1860 München: Formkurve

    1860: 16 Spiele ohne Niederlage spülten die Löwen kurzzeitig auf den Relegationsplatz, was eine gegenläufige Entwicklung in Gang setzte (vier Spiele, drei Pleiten), die erst am Sonntag mit dem 2:1-Heimsieg gegen den Halleschen FC gestoppt wurde. In einem Facebook-Beitrag machte Hasan Ismaik Mut für den Endspurt. „Wir haben noch vier Spiele“, schrieb der Investor: „Noch ist alles möglich. Nicht aufgeben, Löwen!“

    Bayern:Platz 15 nach der Hinrunde, schwächste Defensive der 3. Liga (41 Gegentreffer). Es dauerte, bis sich Bayern II ans neue sportliche Umfeld gewöhnt hatte, doch seit dem Jahreswechsel ist der Aufsteiger kaum wiederzuerkennen: Erst eine Niederlage in der Rückrunde (0:1 in Chemnitz), seit dem Re-Start 17 von 21 möglichen Zählern geholt – wie die titelhungrigen Profis schauen sich die „Amateure“ die Liga jetzt von oben an.

    FC Bayern München II - TSV 1860 München: Team-Entwicklung

    1860: Unter Daniel Bierofka standen physische Tugenden im Vordergrund, basierend auf einem defensiven Grundkonzept. Unter Köllner zeigen die Löwen teilweise einen ansehnlichen Fußball, der nicht immer belohnt wird. Das Problem: Seit dem Re-Start stand nie die Null – das rächt sich, wenn sich der Sturm eine Auszeit nimmt wie gegen Rostock (0:1) und in Köln (2:0). Der gute Charakter der Bierofka-Löwen kommt auch Köllner zugute, der auf dieselbe Achse baut: Hiller, Wein, Steinhart, Rieder, Bekiroglu, Mölders.

    Bayern:Nach teils naiven Auftritten in der Hinserie haben sich die kleinen Bayern an den rustikalen Drittliga-Alltag gewöhnt. 70 Tore zeugen von gewaltigem Offensivpotenzial (Bestwert), defensiv läuft es auch besser: Erst 14 Gegentore in der Rückrunde. Und die nächsten Supertalente stehen schon bereit: Jamal Musiala, 17, am Samstag erstmals auch im Profiteam eingesetzt. Malik Tillman, 18, ein anderer Zweifachschütze der letzten Spiele. Zuvor hatten sich bereits Leon Dajaku, 19, und Angelo Stiller, 20, in den Blickpunkt gespielt, Chris Richards, 20, wurde zum Anker in der Defensive.

    FC Bayern München II - TSV 1860 München: Der Trainer

    1860:Köllner ist ein leidenschaftlicher Fußballlehrer, mit der Betonung auf Lehrer. Taktik ist eines seines Steckenpferde, es kommt nicht selten vor, dass er während einer Partie bis zu fünfmal umstellt. Nicht zuletzt wegen seiner historischen Serie von 16 Spielen ohne Niederlage (gab es zuletzt 2005) hat sich der frühere Nürnberg-Coach ein solides Standing bei 1860 erarbeitet. Momentan überwöge das Wehklagen, wenn er ginge, was Köllner vermutlich weiß, wenn er auf Nachfrage seine Zukunft offen lässt („Zu weit weg…“).

    Bayern: Nachdem Holger Seitz die kleinen Bayern im achten Jahr aus der Regionalliga geführt hatte, musste der Nachfolger erst ein eigenes Profil entwickeln. Aus dem Sohn von Dieter Hoeneß wurde der geachtete Trainer Sebastian Hoeneß. Sein Auftreten, erlernt im sterilen FC-Bayern-Labor, erfüllte zwar schon vor Corona sämtliche Hygiene-Regeln, Ergebnisse und Entwicklung der Mannschaft lassen aber keine Zweifel an seiner Qualifikation zu.

    FC Bayern München II - TSV 1860 München: Das Hinspiel

    1860:Köllners erstes Spiel war gleich das Lokalderby, das denkbar ungünstig anfing. Die Löwen haderten mit dem von Bibiana Steinhaus verhängten Strafstoß (0:1), zeigten dann aber ihr Kämpfergesicht und hätten auch noch mehr erreichen können als das 1:1 durch Dressel. Angestachelt wurden die 1860-Profis durch die aufreizende Lässigkeit, die mancher Bayern-Bubi an den Tag legte.

    Bayern:Nach starker erster Halbzeit waren die „Bayern-Amateure“ in Halbzeit zwei mächtig unter Druck und konnten am Ende „mit dem Punkt leben“, wie auch Hoeneß resümierte. Zumal die kleinen Bayern im Zeitraum um das Derby-Hinspiel in ihrer schwächsten Saisonphase steckten: Bis zur Winterpause gab’s danach in vier Spielen nur einen Zähler.

    FC Bayern München II - TSV 1860 München: Saisonhighlights

    1860: Emotionale Highlights waren die drei Last-Minute-Siege in Unterhaching (3:2), gegen Chemnitz (4:3 nach 0:2) und gegen Duisburg (3:2 nach 0:2), jeweils mit späten Treffern. Bei manchen Profis lösten auch die Siege gegen Viktoria Köln (4:2) und in Halle (1:0) starke Gefühle aus – beide Spiele markierten das Ende der Ära Bierofka und den Aufbruch in die Zukunft, für den in Halle der gemeinsame Co-Trainer Oliver Beer verantwortlich zeichnete.

    Bayern:Der 2:1-Erfolg in Halle am 5. Spieltag stellt einen Wendepunkt dar: Seit jenem Tag wissen die Bayern-Talente, dass sie in dieser Liga jeden schlagen können. Auch das Rückspiel gegen Halle zählt zu den Highlights, wobei dieses 6:1-Sieg in einer ganzen Reihe von Gala-Auftritten seit der Winterpause steht. Enthusiastisch gefeiert wurde auch der Derbysieg Ende Februar in Unterhaching nach Jan-Fiete Arps goldenem Treffer.

    FC Bayern München II - TSV 1860 München: Saisontiefpunkte

    1860:In den Monaten der „Biero“-Dämmerung kamen die Löwen speziell auswärts häufig unter die Räder (0:4 in Mannheim, 1:5 in Magdeburg). Der schnelle Übergang zu Köllner verhinderte drohende Unruhe. Und wie das so ist bei 1860: Damals stellte sich das Umfeld auf Abstiegskampf ein, nun blühen Aufstiegsträume, wenngleich sie durch das Zwischentief stark runtergedimmt wurden. Besagte Niederlagenserie löste auch aus diesem Grund „Katzenjammer“ aus, wie Köllner am Sonntag spitz anmerkte.

    Bayern:Nach dem Heim-2:5 gegen Köln (4. Spieltag) waren ernsthafte Sorgen an der Konkurrenzfähigkeit angebracht, auch beim 0:3 in Zwickau (12. Spieltag) und beim 3:5 in Meppen nach 3:1-Führung (14. Spieltag). Einstellungs-Defizite waren unübersehbar. Diese Partie im Emsland war jedoch die letzte wirklich schwache Vorstellung – Anfang November.

    FC Bayern München II - TSV 1860 München: Offizielles Saisonziel

    1860: Bierofka und Sportchef Günther Gorenzel gaben infolge der holprigen Kaderplanung eine stabile, sorgenfreie Saison als Idealziel aus. Köllner, der Ende der Hinrunde übernahm, hielt sich offiziell daran. Inoffiziell dürfte aber auch er auf mehr hoffen.

    Bayern:Der Ligaverbleib und die Weiterentwicklung der Talente steht über allem. Beide Ziele sind längst übererfüllt, nun peilt Hoeneß jene 59 Punkte aus der Saison 2008/09 an, die das bislang beste Abschneiden von Bayern II in Liga drei darstellen.

    FC Bayern München II - TSV 1860 München: Ausblick

    1860:Ein Umbruch steht an, mal wieder. 12, 13 Spieler mit auslaufenden Verträgen hängen in der Luft, und auch Köllner kokettierte zuletzt, als es um seine Zukunft ging. Momentan läuft es auf eine Zwangsverjüngung des Teams raus. Talente wie Maxim Gresler und Leon Klassen werden einen Rolle spielen. Teure Neuzugänge sind mit Blick auf die Finanzen ausgeschlossen. Es ist nicht mal gesichert, ob 1860 das Geld aufbringt, um Anführer wie Sascha Mölders, Aaron Berzel und Tim Rieder zu halten.

    Bayern:Toptorjäger Kwasi Wriedt (23 Treffer) wechselt zu Willem II Tilburg in die niederländische Eredivisie, etliche Eigengewächse werden dem Weg Adrian Feins folgen. Das Mittelfeldtalent war für diese Saison an den HSV ausgeliehen und stieg dort zum Leistungsträger auf. Auch im Unterbau ist bei den Bayern der Weg von der zweiten Mannschaft zu den Profis weiter als anderswo. Dennoch zeigt sich, wie wertvoll die 3. Liga für die „Bayern-Amateure“ ist. Lange nicht mehr kamen so viele Eigengewächse bei den Profis zum Einsatz wie in dieser Saison.

    *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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