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Legenden-Abwehr der Löwen ist bereit für die Bayern: „Lieber zwei Paar Schienbeinschoner“

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Von: Hanna Raif, Manuel Bonke, Philipp Kessler

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Keinen Zentimeter schenkten sich Giovane Elber (l.) und Torben Hoffmann in ihrer aktiven Derby-Zeit.
Keinen Zentimeter schenkten sich Giovane Elber (l.) und Torben Hoffmann in ihrer aktiven Derby-Zeit. © Imago

Das lange Warten hat bald ein Ende! Am Sonntag (ab 14.30 Uhr, Sport1) ist wieder Derby-Zeit in München. Im Olympiastadion treffen die Bayern-Legenden auf die Ikonen des TSV 1860.

München – Vor dem Match neckten Giovane Elber (50) und Claudio Pizarro (44) ihren einstigen Widersacher Torben Hoffmann (47) im Interview. Nun antwortet die Löwen-Abwehr. Hoffmann und Marco Kurz (53), von 2007 bis 2009 auch Coach der Blauen, stellen sich auf knallharte Duelle ein. Wenn auch mit einem Augenzwinkern.

Herr Kurz, bereit im Kopf – und bereit in den Beinen?

Kurz: Eher im Kopf (lacht). Ich wurde im Frühjahr am Sprunggelenk operiert – und wir merken ja alle, dass die Beine langsamer werden. Aber wir freuen uns alle auf das Spiel. Das ist eine großartige Sache, dass wir nochmal im Olympiastadion auflaufen dürfen.

Laufen die Whatsapp-Gruppen schon heiß?

Kurz: Wir sind im Austausch – aber da geht es weniger um Taktik, sondern eher um Abläufe. Auf dem Feld wird es eher eine Improvisation, hoffentlich mit gutem Ende

Herr Hoffmann, was haben Sie gedacht, als Sie das Interview von Elber und Pizarro gelesen haben?

Hoffmann: Ich musste schmunzeln. Auf der einen Seite haben sie recht, dass sie hier und da mal von mir auf die Socken bekommen haben. Aber beim Thema Schnelligkeit kann ich mich an keine Szene erinnern, wo mir einer der beiden weggelaufen wäre. Als Profi war Schnelligkeit eine Tugend von mir.

Torben Hoffmann trainierte im Wald.
Torben Hoffmann trainierte im Wald. © Philippe Ruiz/Imago

Und jetzt?

Hoffmann: Ich trage das ein oder andere Kilogramm mehr mit mir herum. Das wird man sicherlich auch am Sonntag beobachten. Ich habe die letzten Wochen relativ wenig gemacht, bin ja durch meinen Job als Sky-Reporter viel beschäftigt.

Bleibt bis zum Legenden-Derby noch Zeit für ein Kurz-Trainingslager?

Hoffmann: Ich werde die wenigen Tage bis Sonntag für ein paar Waldläufe nutzen. Aber Fakt ist: Eine gewisse Grundschnelligkeit habe ich noch immer.

Wie schätzen Sie die Fitness von Elber und Pizarro ein?

Hoffmann: Bei Giovane mache ich mir tatsächlich keine Sorgen. Aber ich habe Pizza zuletzt bei seinem Abschiedsspiel in Bremen zugesehen. Er ist rank und schlank und bewegt sich immer noch einigermaßen geschmeidig.

Elber und Pizarro fürchten Ihre Zweikampfhärte. Wie wollen Sie die beiden stoppen?

Hoffmann: So wie früher. Wir sind ja ein paar Mal aufeinandergetroffen. Ich weiß, was Giovane und Claudio machen. Mit Marco Kurz und „Killer Miller“ haben wir auch noch weitere Spieler im Kader, die fürs Grobe zuständig sind. Um die körperliche Gangart mache ich mir weniger Sorgen. Vorsorglich sollten Giovane und Pizza zwei Paar Schienbeinschoner anziehen – eines vorne, eines hinten.

Herr Kurz, stimmen Sie ihm zu?

Kurz: Wir sind schon etwas ruhiger geworden. Aber früher haben wir in der Abwehr von der Zweikampfstärke gelebt. Gegen zwei so großartige Spieler bringt man natürlich seine Stärken ins Spiel ein. Schauen wir mal, was wir alles auffahren müssen, um die Null zu halten.

Welchen Bayern-Stürmer fürchten Sie am meisten?

Kurz: Giovane war ein großartiger Spieler, Claudio auch. Sie haben die ganze Bundesliga geprägt. Ich habe aber auch gegen Mehmet Scholl, Carsten Jancker und viele andere gespielt. Man hatte da nicht unbedingt eine Vorliebe.

Herr Hoffmann, was stimmt Sie zuversichtlich, dass 1860 Bayern besiegt?

Hoffmann: Vielleicht sollten wir uns den einen oder anderen Tipp von Thommy Riedl holen, wie man die Bayern schlagen kann. Ich hab’s leider nie geschafft.

Moment! Marco Kurz kann auch aus Erfahrung sprechen.

Kurz: So ist es. Ich hoffe, auch Torben kann seine Serie brechen… (lacht) Es war schon immer so, dass diese Derbys für uns das Nonplusultra waren. Das Derby in München ist nicht zu vergleichen mit etwa dem Ruhr-Derby. Auch wenn wir oft das Nachsehen hatten, waren es immer tolle Spiele. Und zumindest ich habe in meiner Zeit auch großartige Siege einfahren.

Marco Kurz fühlt sich fit – zumindest im Kopf.
Marco Kurz fühlt sich fit – zumindest im Kopf. © Julian Smith/Imago

Was war in der Stadt los?

Kurz: Eine unglaublich große Vorfreude. Alle Kumpels haben mitgefiebert, man wurde überall angesprochen. Als Sechzger haben wir vor ausverkauftem Haus spielen dürfen, waren der Underdog –und es war immer eine Herausforderung, Paroli bieten zu dürfen.

Der 27. November 1999 war für Sie gleich doppelt emotional. Die Geburt Ihrer Tochter, dann der erste Derbysieg nach 22 langen Jahren. Wog das mehr als jeder Sieg zuvor?

Kurz: Das kann man so sagen. Meine Tochter Luisa ist in der Nacht zum Derby auf die Welt gekommen, das war sehr emotional. Privat ist eine Geburt das Größte – und sportlich war es auch fantastisch. Nach Abpfiff hatte ich Tränen in den Augen. Und in dieser Saison haben wir sogar zwei Mal gewonnen.

Herr Hoffmann, haben Sie überhaupt eine schöne Derby-Erinnerung?

Hoffmann: Auch wenn es komisch klingt: Aber beim 0:5 im Februar 2003 stand es zur Pause noch 0:0. Bis dahin hatte ich gegen Giovane eine Zweikampfquote von 100 Prozent. Diese wurde sogar im Fernsehen eingeblendet…

Damals ging es um wichtige Bundesliga-Punkte, dieses Mal wird für den guten Zweck gespielt.

Hoffmann: Die soziale Komponente steht über allen. Ich engagiere mich ja auch beim Team Bananenflanke. Ich freue mich sehr auf das Spiel. Auch auf das Olympiastadion und darauf, die ehemaligen Weggefährten wiederzusehen. Trotz alledem werden wir die sportliche Rivalität auf den Rasen bringen.

Wie wird Werner Lorant die Mannschaft einstellen?

Kurz: Wie immer: Wir haben immer auf Sieg gespielt. Werner hat auch vor jeder Saison die Meisterschaft als Ziel ausgegeben. Das sollte unseren unbändigen Siegeswillen ausdrücken. Den haben wir heute noch.

Interview: Hanna Raif, Philipp Kessler und Manuel Bonke.

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