Trainerduo mit Xhevat „Jacky“ Muriqi bei der U21

Löwen-Coach Schmöller:  "Schwer, ein ganz großes Top-Talent zu bekommen"

Auf Augenhöhe: Cheftrainer Frank Schmöller (li.) und seine rechte Hand Xhevat „Jacky“ Muriqi. Foto: JB

Der TSV 1860 geht seit dieser Saison bei der U21 neue Wege. Mit Frank Schmöller und Xhevat „Jacky“ Muriqi haben jetzt zwei Größen aus dem Münchner Amateurfußball das Sagen.

Der Verein hat auf „Feierabendtraining“ umgestellt. Beide Trainer gehen ihrer Arbeit nach und stehen abends auf dem Trainingsplatz.

Sie stehen beide mit beiden Beinen im Berufsleben und trainieren am Abend mit der U21. Herr Muriqi, Sie sind verheiratet. Haben Sie Ihre Frau mit einem Blumenstrauß bestechen müssen?

Muriqi: Mit Blumen wäre ich zufrieden gewesen. Das wäre günstiger. Ich habe meine Frau jetzt vier Wochen in den Urlaub geschickt, aber sie kennt es auch nicht anders von mir.

Wie sind Sie überhaupt beim TSV 1860 gelandet?

Schmöller: Die ersten Gespräche hatte ich noch mit Dieter Märkle [ehemaliger Leiter des Nachwuchsleistungszentrum, d. Red.]. Der Verein wollte die U21 umstrukturieren. Ich nenne es Feierabendtraining, deshalb sind wir aber keine Feierabendfußballer. Das kam mir entgegen. Als die Rahmenbedingungen abgesteckt waren, sind wir uns schnell einig geworden.

Frank Schmöller: „Es ist ein Freundschaftsdienst“

Herr Muriqi, Sie waren selbst schon Cheftrainer. Fiel es Ihnen nicht schwer, wieder ins zweite Glied zu rücken?

Muriqi: Frank ist der Chef, das ist für mich kein Problem. Mein Ziel war es eh nie, Cheftrainer zu werden. In Ismaning habe ich lange im Hintergrund gearbeitet. Eigentlich wurde ich in Ismaning, als es Probleme gab, dazu gezwungen.
Schmöller: In gewisser Weise ist es auch ein Freundschaftsdienst. Ich weiß, dass Jacky zu 100 Prozent das Zeug zum Cheftrainer hat. Ich bin ihm sehr dankbar. Klar bin ich erst mal der Cheftrainer, aber wird sind gleichberechtigt.

Training bei Sonnenuntergang. Die U21 des TSV 1860 wurde umstrukturiert. Seit dieser Saison üben die Junglöwen immer am Abend - und trotzdem unter professionellen Bedingungen.

Wie sieht die Aufgabenteilung aus?

Schmöller: Wir kommunizieren auf Augenhöhe. Im Training sprechen wir Inhalte ab, teilen uns auf, einer übernimmt die Defensive und einer die Offensive. Am Ende muss ich die Entscheidung treffen.
Muriqi: Wir sind uns sehr ähnlich. Bei uns ist wichtig, dass wir absolutes Vertrauen ineinander haben. Ich bin nicht da, um Hütchen aufzustellen. Das macht Frank meistens selbst (schmunzelt).

Herr Schmöller, zu Beginn Ihrer Profikarriere haben Sie unter dem legendären Ernst Happel trainiert. Wie war das damals?

Als Mensch war er der Wahnsinn und hat eigentlich die ganze Saison nicht mit mir gesprochen. Mit 18 Jahren hat er insgesamt einen Satz zu mir gesagt, glaube ich. Er war seiner Zeit weit voraus und hat die Dreierkette mit der Verteidigung im Raum eingeführt.

Muriqi spielte unter Willi Bierofka

Herr Muriqi, sie haben einige Jahre unter Daniel Bierofkas Vater Willi gespielt...

Er war ein sehr guter Trainer, hat uns gut vorbereitet und im Griff gehabt. Zu Beginn wusste ich nicht genau, wo ich bei ihm dran war, aber ich habe immer gespielt. Er hat damals die Viererkette eingeführt. Das war für die meisten Spieler neu.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Trainern Daniel und Willi Bierofka?

Muriqi: Daniel ist an der Seitenlinie sehr aktiv und schreit auch mal. Sein Vater war genauso.
Schmöller: Es gibt schon Parallelen. Sie sind als Typen sehr ähnlich. Willi war eine Kultfigur im Amateurfußball. Das nimmt man als Sohn mit, wenn der Vater es vorlebt und erfolgreich war.

Nach inzwischen sieben Spielen stehen Sie mit Ihrem Team auf Platz zwölf. Zufrieden?

Schmöller: An dem Tag, an dem ich unterschrieben habe, hatten wir acht Mann im Kader. Der ganze Verein hat fantastische Arbeit geleistet. Wir sind konkurrenzfähig. Ich bin zufrieden, auch wenn das letzte Spiel gegen Ingolstadt II unterirdisch war. Es sind junge Spieler. Damit müssen wir umgehen.

Was ist der Unterschied zu Ihren früheren Vereinen wie Ismaning und Pullach?

Schmöller: In allen anderen Vereinen war die erste Mannschaft im Fokus und sozusagen alles. Wir haben einen Lehrauftrag und müssen mehr beibringen und erklären. Wir leben vor, wie der nächste Schritt aussehen kann und was dann passiert. Wir haben eine Verantwortung dem Verein gegenüber, Spieler zu fördern und weiter nach vorne zu bringen. Wir nehmen Spieler auch mal in den Arm. Nicht um zu trösten, sondern um ein persönliches Verhältnis aufzubauen. Für mich ist es ein anderes Arbeiten, weil wir trotz Feierabendfußball unter professionellen Bedingungen trainieren. Es macht großen Spaß und ich lerne viel dazu.

Frank Schmöller: „Liefern muss man immer“

Spüren Sie Druck, bald das nächste große Talent liefern zu müssen?

Schmöller: Nein, liefern muss man immer. Aber es wird auch für den TSV 1860 nicht leichter, junge und talentierte Spieler zu bekommen. Die Konkurrenz ist hierbei sehr groß. Deshalb ist es immer schwer, ein ganz großes Top-Talent zu bekommen. Dazu kommt, dass die A- und B-Junioren momentan nicht in der Bundesliga spielen. Aber wir müssen uns keineswegs verstecken.

Wie wichtig ist es dann, dass die U17 und U19 wieder ins Oberhaus zurückkehren?

Schmöller:

Für mich alternativlos. Die Perspektive muss stimmen. Wir müssen aufpassen, dass andere Vereine nicht attraktiver werden. Dennoch muss man auch ganz klar sagen, dass in den Bayernligen zahlreiche weitere Nachwuchsleistungszentren vertreten sind und nicht nur wir..

Gibt es dennoch Spieler, die schon bald bei den Profis dabei sein könnten?

Schmöller: Wir haben ein, zwei Talente, die schon sehr weit sind. Sie werden den Sprung aber nicht sofort schaffen.

Könnte einer der Jungs in dieser Saison eine Alternative für Bierofka sein?

Schmöller: Ich möchte Daniel da nicht vorgreifen. Sie müssen in der Bayernliga im Männerfußball Erfahrungen gegen kantige und abgezockte Spieler sammeln. Vielleicht kann Daniel den einen oder anderen Spieler als Belohnung mal auf die Bank nehmen.

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