Ausblick auf den 4. Spieltag

Was für - und was gegen einen Sieg gegen Union spricht

+
Daniel Adlung (l.) und Kapitän Christopher Schindler bejubeln gemeinsam den Ausgleichstreffer in Nürnberg.

München - Gegen Union Berlin will der TSV 1860 den ersten Dreier der Saison einfahren, um etwas beruhigt in die anstehenden schweren Wochen gehen zu können. Was für - und was gegen einen Sieg spricht.

An diesem Sonntag um 13.30 Uhr empfängt der TSV 1860 München den 1. FC Union Berlin zum zweiten Heimspiel der noch jungen Saison. Nach dem starken Auftritt am Montag gegen den 1. FC Nürnberg, der leider nicht mit drei Punkten gekrönt werden konnte, stehen die Löwen gegen die Eisernen nun unter Zugzwang, schließlich geht es in den kommenden Partien fast durchweg gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel.

Doch was spricht für einen Sieg des TSV 1860 München gegen Union Berlin - und was dagegen? Wir haben die Ausgangslage untersucht:

Drei Gründe, die für einen Erfolg gegen Union Berlin sprechen

- der neuentdeckte Spielwitz in der Offensive: Nach dem verpatzten Saisonstart in Heidenheim sahen viele Löwen-Anhänger bereits eine ähnlich katastrophale Saison wie die vergangene heraufziehen. Doch weit gefehlt! In den anschließenden Spielen gegen den SC Freiburg, die TSG 1899 Hoffenheim und den 1. FC Nürnberg ließen die Löwen die Kritiker weitgehend verstummen. Zwar fehlen in der Liga noch die Punkte, doch die überzeugenden Leistungen gegen Freiburg und den Club sowie das Weiterkommen im Pokal lassen positiv in die Zukunft blicken.

Marius Wolf zählte zu den auffälligsten Löwen in Nürnberg.

Vor allem der ansehnliche und mit viel Tempo vorgetragene Offensivfußball der Fröhling-Elf begeistert. Daylon Claasen und Marius Wolf, dessen Adduktorenprobleme einen Einsatz am Sonntag nicht gefährden sollen, sorgen für enorm viel Alarm auf den offensiven Außenpositionen, während Daniel Adlung, abgesichert durch Milos Degenek, die Fäden in der Offensive zieht. Auch die oft gescholtenen Stürmer Rubin Okotie und Stephan Hain überzeugen durch hohe Laufleistung, Einsatz und Torgefahr. Einzig ein Treffer blieb den beiden bisher verwehrt. Mit Neuzugang Stefan Mugosa besitzt Torsten Fröhling ab dem Heimspiel gegen Union Berlin eine weitere Option für das Sturmzentrum. Der Montenegriner, vom Trainer als sein Wunschspieler erklärt, überzeugt laut Interims-Sportdirektor Necat Aygün durch seine Kopfballstärke, Technik, Torgefährlichkeit und Schnelligkeit und dürfte somit den Konkurrenzkampf in der Sturmspitze befeuern. Zudem drängt mit dem pfeilschnellen Stephané Mvibudulu ein weiterer Stürmer aus dem Nachwuchs auf Einsatzzeiten.

- Defensive steht sicher: Eigentlich wollte Torsten Fröhling Gary Kagelmacher vom Rechtsverteidiger zum Sechser umschulen und zog die Maßnahme in der Vorbereitung auch konsequent durch. Nach dem verpatzten Saisonstart und in Ermangelung eines Neuzugangs für die rechte Abwehrseite kam dann die Rolle rückwärts vom Trainer. Den Part vor der Abwehr übernahm der bislang überzeugende Neuzugang Milos Degenek und Kagelmacher rückte zurück auf die Position des Rechtsverteidigers, auf der er vor allem in der Rückrunde der vergangenen Saison zu den absoluten Stützen zählte. In der aktuellen Besetzung (Kagelmacher, Bülow, Schindler, Wittek - Degenek) präsentieren sich die Löwen defensiv überwiegend stabil und zeigen eine gute Abstimmung zwischen Offensive und Defensive.

- Union Berlin nicht in Bestform: Die Gegner des TSV 1860 München in den kommenden Wochen haben es in sich: Die Löwen müssen auswärts beim derzeitigen Spitzenreiter VfL Bochum, Fortuna Düsseldorf und den erstaunlich starken Sandhäusern antreten und empfangen während der Wiesn die beiden Aufstiegsaspiranten 1. FC Kaiserslautern und RB Leipzig. Damit dürfte der 1. FC Union Berlin am Sonntag für die Löwen durchaus zur rechten Zeit kommen. Die Berliner, mit zwei Punkten aus drei Spielen ähnlich schwach wie der TSV 1860 gestartet, mussten zudem noch die bittere und peinliche Pokalpleite gegen Viktoria Köln verkraften. Anders als die Löwen befinden sich die Eisernen, vor der Saison von einigen Experten als Geheimtipp für den Aufstieg gehandelt, auch in spielerischer Hinsicht noch lange nicht auf einem Niveau, vor dem die Löwen Angst haben müssten.

Drei Gründe, die gegen einen Erfolg gegen Union Berlin sprechen

- Probleme gegen defensiv eingestellte Mannschaften: Löwen-Heimspiel in der Allianz Arena, die Gäste stellen sich hinten rein und gehen durch einen Konter in Führung. Anschließend beißen sich die Löwen am Defensivriegel des Gegners die Zähne aus, kommen aufgrund ihrer offensive Ideenlosigkeit gegen tiefstehende Gegner zu kaum nennenswerten Torchancen und verlieren schlussendlich ... Spiele dieser Art gab es in den vergangenen Spielzeiten zuhauf und trugen maßgeblich dazu bei, dass die Heimpartien der Löwen oftmals keine attraktiven Angelegenheiten für die Fans waren.

Bei den starken Auftritten gegen den SC Freiburg, die TSG 1899 Hoffenheim und den 1. FC Nürnberg wurde dieses Problem weitgehend kaschiert, da alle drei Mannschaften ebenfalls auf eine offensive Spielweise Wert legen. Union Berlins Trainer Norbert Düwel, der seine Mannschaft bereits gegen den 1. FC Kaiserslautern defensiv agieren ließ, dürfte auch in München auf eine defensive Grundordnung setzen.

- die mangelnde Chancenverwertung: 23 Torschüsse gaben die Löwen im Montagsspiel gegen den 1. FC Nürnberg ab, dennoch reichte es nur zu einem 2:2 gegen den fränkischen Nachbarn. Allein Rubin Okotie scheiterte zwei Mal unglücklich am Aluminium und vergab kurz vor Schluss freistehend aus wenigen Metern den Siegtreffern. Bleibt den Löwen gegen den 1. FC Union Berlin das Pech im Abschluss treu, könnte es schwer werden mit den ersten drei Punkten der Saison.

- Bobby Wood: Rund 800.000 Euro bezahlte Union Berlin Mitte Juli für Bobby Wood. Der US-amerikanische Stürmer machte in der Sommervorbereitung aus seinem Abwanderungswillen keinen Hehl und erzwang durch fast schon provozierende Lustlosigkeit im Training seinen Wechsel. Zwar hätte Torsten Fröhling den 22-Jährigen gerne gehalten, doch Wood wollte unbedingt weg von den Löwen. Gegen seinen Ex-Klub dürfte Wood nun mit Sicherheit doppelt motiviert sein, am vergangenen Wochenende gelang ihm gegen den 1. FC Kaiserslautern unlängst der erste Treffer für Union Berlin.

Fazit

Die Leistungen der vergangenen drei Spiele lassen durchaus positiv auf das Spiel am Sonntag blicken. Einzig die Chancenverwertung sollten die Löwen gegen Union Berlin in den Griff bekommen, mit Stefan Mugosa steht dafür aber ein passender neuer Mann in den Startlöchern.

ep

Auch interessant

Meistgelesen

Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Aigner: „Zwei Bonusspiele, um die Saison zu retten“
Trainerdiskussion bei den Löwen: Jetzt spricht Cassalette
Trainerdiskussion bei den Löwen: Jetzt spricht Cassalette
Letzte Chance Relegation: 1860 verliert in Heidenheim
Letzte Chance Relegation: 1860 verliert in Heidenheim
1860 bangt um Uduokhai - Amilton droht das Aus
1860 bangt um Uduokhai - Amilton droht das Aus

Kommentare