"Boah, Ricardo, musste das sein?"

Mayrhofer: Merkwürdige Äußerungen über Moniz

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1860-Präsident Gerhard Mayrhofer.

München - In einem großen Interview spricht 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer auch viel über Ricardo Moniz. Ein klares Bekenntnis zum Trainer lässt er vermissen, stattdessen gibt es schwammige Aussagen.

Gerhard Mayrhofer gibt selten Interviews, auch seine zeitweise so rege Kommunikation mit der Öffentlichkeit via Facebook hat der 1860-Präsident stark zurückgeschraubt. Jetzt macht er eine Ausnahme - und nahm sich für die Süddeutsche Zeitungviel Zeit. In dem großen Interview nimmt Mayrhofer kein Blatt vor den Mund. Zu vielen Themen.

Doch wenn es um Trainer Ricardo Moniz geht, bemüht Mayrhofer immer und immer wieder sehr schwammige Formulierungen. Er hat mehrfach in dem Interview die Chance, ein klares Bekenntnis zum Coach abzugeben. Und verzichtet darauf.

Dass Moniz beim Saisonstart plötzlich eine ganz andere Elf auf den Rasen schickte als noch in der Vorbereitung, sorgte intern für Diskussionen. "Ich glaube, das hat uns alle überrascht", gesteht Mayrhofer. "Aber hätten wir dieses Spiel in Kaiserslautern gewonnen, dann hätte darüber in der Öffentlichkeit keiner mehr geredet. Intern reden wir natürlich sehr viel über den Sport. Jeden Tag. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir im Team alle die gleiche Haltung entwickeln."

Diese Aussagen bieten durchaus Interpretationsspielraum. Heißt das, dass aktuell noch nicht alle die gleiche Haltung haben? "Wir wollen Meister werden", hatte Moniz vor der Saison ausgerufen. Jetzt bezieht sich sein Boss darauf: "Die Frage, ob uns das gefallen hat oder nicht, erübrigt sich", kommentiert Mayrhofer nun. "Man muss ihm aber zu Gute halten, dass sein Deutsch manchmal etwas missverständlich ist. Der Ricardo muss sich noch ein wenig die Hörner abstoßen. Aber ich mag Menschen, die selbstbewusst sind. Und vor allem Menschen, die mit Leidenschaft an ihren Zielen arbeiten. Jeder, der in dieser zweiten Liga am ersten Spieltag startet, will ganz nach oben kommen."

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Natürlich lässt sich Mayrhofer auch einige positive Äußerungen über Moniz entlocken ("ein Fußballverrückter"), die allerdings eher allgemein gehalten sind. Und noch mehrere weitere Male in dem Interview scheint ein distanziertes Verhältnis zu Moniz durch. Mayrhofer muss die Frage "Wie sicher sitzt Moniz im Sattel?" beantworten. Seine Antwort: "Als Trainer steht man im Rampenlicht. Man ist auf Gedeih und Verderb dem Erfolg ausgeliefert. Das muss man wissen, wenn man diesen Job annimmt", berichtet Mayrhofer. "Ich glaube, dass das dem Ricardo ganz besonders bewusst ist. Aber es ist ja nicht so, dass bei uns immer sofort eine Trainerdiskussion stattfindet. Besonders Gerhard Poschner ist ein unglaublich entspannter Mensch. Wir müssen die Arschbacken locker lassen und auf dem Gas bleiben. Denn selbst, wenn wir uns manchmal denken: Boah, Ricardo, musste das nun wieder sein? - man muss doch nicht immer alles so ernst nehmen! Es geht um Fußball, nicht um eine Herztransplantation! Ich hatte mit Ricardo viele Gespräche, auch lustige."

Alles halb so wild also? Es ist eher nicht davon auszugehen, dass diese Worte auch intern fallen. Der missglückte Saisonstart und so manche unglückliche Situation in der Außendarstellung dürften intern nicht mit lautem Gelächter und Schenkelklopfen kommentiert worden sein. Etwa die Tatsache, dass Julian Weigl als 18-Jähriger zum Kapitän ernannt und nach der "Taxi-Affäre" suspendiert wurde und die Spielführer-Binde los war. "Das ist in der Situation eben so entstanden: Unser Coach ist ein höchst emotionaler Mensch", so Mayrhofer. "Dadurch ergeben sich Dinge, die man im Nachgang nicht kommentieren sollte. Das ist nicht zielführend."

Viele Worte, die in ihrer Unklarheit doch ziemlich klar sind. Und die den Druck auf Moniz vor dem Spiel auf St. Pauli am Sonntag nicht kleiner machen ...

lin

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