Es geht nun angeblich um rund 500.000 Euro

Poschner-Kündigung: Lief doch alles anders?

München - Öffentlich wirkte es, als hätte Gerhard Poschner den TSV 1860 München mit seiner Kündigung zu dem Zeitpunkt überrascht. Doch es könnte auch etwas anders gelaufen sein: der Überblick über die Erkenntnisse und Spekulationen.

Dass Gerhard Poschner hingeworfen hat, überraschte im Verein wohl niemanden. Schließlich war eine wenig schmeichelhafte Entmachtung vorangegangen. Vor zweieinhalb Wochen wurde ihm der Geschäftsführer-Posten genommen, er wurde zum Sportdirektor degradiert, und Noor Basha rückte als zweiter starker Mann neben Markus Rejek auf. Laut SZ ein Modell, das Investor Hasan Ismaik höchstpersönlich vorgeschlagen habe.

Jetzt also zog Poschner die Reißleine. "Ich habe schon vor acht Wochen gesagt, dass er den Weg freimachen soll. Dann hätten wir uns anders verstärken können. Aber er wollte eine zweite Chance", erklärte Interimspräsident Siegfried Schneider gegenüber der tz. Und Interimsvize Peter Helfer sagte "Ich hab's vermutet", als unsere Onlineredaktion ihn am Telefon am Donnerstagmittag von dem von Poschner öffentlich kommunizierten Schritt informierte. Helfer weiter: "Ihm ist nichts anderes mehr übrig geblieben. Das Hin und Her, es ist ja die letzten Wochen nichts passiert. Es war für ihn die einzige Lösung. Damit ist für uns der Druck weg. Das passt schon so."

Der Ablauf der Kündigung wirkte zunächst wie folgt: Gerhard Poschner informierte am späten Donnerstagvormittag die Medienvertreter mit einem Schreiben von seiner "außerordentlichen Kündigung". Erst danach folgte eine Pressemitteilung des Vereins, die eilig nachgeschoben erschien.

Kündigte Poschner schon am Montag zur Fristwahrung?

Der Kicker stellt die Sache allerdings etwas anders dar: Demnach habe Poschner schon am Montagabend den Verein schriftlich über seinen Schritt informiert. Der Grund sei dem Bericht zufolge, dass eine Kündigung innerhalb von 14 Tagen erklärt werden müsse, nachdem der Kündigungsgrund bekannt ist. Und genau jene zwei Wochen lag die Degradierung vom Geschäftsführer zum Sportdirektor zurück. Ob diese ohne Poschners Zustimmung rechtens ist, da bestehen Zweifel. Laut Kicker habe er den Verein darauf hingewiesen und erklärt, seine Rechte zu wahren sowie zunächst weiter seine Arbeit zu machen. Anwälte wurden beauftragt. Und als die 14-Tage-Tage-Frist endete, hat Poschner die außerordentliche Kündigung eingereicht. Laut SZ standen unlängst die Münchner Anwälte von Ismaik persönlich mit Poschner in Kontakt.

In Poschners Erklärung gegenüber den Medienvertretern (unten noch einmal im Wortlaut) kann man einiges zwischen den Zeilen lesen. Die Rede ist von einer "belasteten Beziehung zu der Vereinsführung". Es gibt also noch mehr als genug Raum für weitere Nachspiele.

Die außerordentliche Kündigung bedeutet nämlich nicht automatisch, dass der Verein Poschner nie wieder auch nur einen Cent überweisen muss. Fast 500.000 Euro an Gehältern hätte Poschner laut SZ für die ausstehenden zwei Jahre seines Vertrags bekommen. Eine außergerichtliche Einigung dürfe als nicht unwahrscheinlich erachtet werden, heißt es in dem Bericht.

Poschner selbst schweigt. Klar, es ist eine rechtlich heikle Angelegenheit. "Momentan" habe er seinem Brief "nichts hinzuzufügen", teilte er der tz am Donnerstag per SMS mit.

lin

Das Schreiben von Gerhard Poschner im Wortlaut

Liebe Medienvertreter,

nachstehend darf ich Sie informieren, dass ich meinen Vertrag mit dem TSV 1860 außerordentlich fristlos gekündigt habe. Die Gründe sind der Geschäftsleitung bekannt. Ich habe aufgrund der Vorkommnisse in den letzten Wochen und der belasteten Beziehung zu der Vereinsführung, die nicht von mir zu vertreten ist, endgültig die Gewissheit erlangt, dass meine Bemühungen letztlich ohne jede Chance auf Erfolg sein werden. Viele Dinge sind vorbereitet, und müssen teilweise nur noch umgesetzt werden.

Ich bedauere diesen Schritt sehr, zumal ich mich immer im Sinne der Sache, jeglicher Verantwortung gestellt habe. Ich möchte mich bei allen Mitarbeitern, Mannschaft und Trainerteam für Ihren Einsatz und die gute Zusammenarbeit bedanken. Ich wünsche dem Verein, und vor allem der Mannschaft und dem Trainerteam künftig viel Glück, und jene Strukturen, die ein professionelles und erfolgsorientiertes Arbeiten ermöglichen, zum Wohle der unglaublichen Fans.

Mit kollegialen Grüßen

Gerhard Poschner München, 2015-07-30

Rubriklistenbild: © sampics

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