Keine klaren Aussagen in Sachen Trainer

Darf Fröhling bleiben? 1860-Bosse eiern herum

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Torsten Fröhling (2.v.r.) könnte eine Niederlage in Bielefeld den Job kosten.

München - Der erste Saisonsieg lässt weiter auf sich warten, dennoch sind beim TSV 1860 Fortschritte im auftreten der Mannschaft erkennbar. Während die Löwen-Bosse in der Trainerfrage herumeiern, weist Fröhling dezent auf seine Verdienste hin.

Am Ende seiner Nachbetrachtungen zum Leipzig-Spiel (2:2) erhob sich Torsten Fröhling aus dem Loungemobiliar und verwandelte den Medienraum des TSV 1860 in eine Coachingzone. Fröhling lehnte sich über den kniehohen Tisch und ließ dann mit flinken Bewegungen die Finger über ein imaginäres Spielfeld fliegen. Mit einer Hand simulierte er die Leipziger, „die gerne die Halbräume anlaufen“, die andere Hand zeigte, wie Adlung, Degenek und Liendl, seine drei Sechser, die Räume dicht machen. „Schon hast du da eine Kompaktheit gehabt“, erklärte Fröhling seine Spezialtaktik, und es war ihm anzusehen, dass er es genoss, endlich mal wieder über Fußball fachzusimpeln – und nicht zu seiner Zukunft ausgefragt zu werden, die ja weiterhin völlig ungeklärt ist.

Einfach Trainer sein – das ist das Ding von Torsten Fröhling. Doch leider bringt sein Beruf auch unangenehme Begleiterscheinungen mit sich. Erfolgsdruck zum einen: „Es gehört zum Fußball dazu, dass man auch mal Siege einfährt.“ Zum anderen Vereinspolitik, die manchmal nichts mit „Sozialromantik“ zu tun hat, wie Medienchef Thomas Blazek beiläufig erwähnte.

Geschäftsführer drücken sich um klare Aussagen

Wer das Spiel am Sonntag gesehen hat, konnte ja durchaus den Eindruck gewinnen, dass das Publikum zufrieden mit dem Gezeigten war, mit dem enormen Kampfgeist, den 1860 gegen Extrakönner wie Forsberg, Poulsen, Selke an den Tag legte. Aber: Es gibt halt auch noch die nüchterne, die weniger freundliche Deutungsebene. Leipzig war das neunte Saisonspiel, das die Löwen nicht gewonnen haben, der historisch schlechte Start hat Platz 17 zufolge – und die Sätze, die auch am Sonntag aus der Chefebene kamen, klangen mal wieder nicht gut für den Trainer.

Noor Basha, der sich mit Peter Neururer getroffen hatte, aber „rein privat“, ließ sich auch bei Sport 1 zu höchst widersprüchlichen Aussagen hinreißen. Dreimal betonte er, dass Fröhling „ein Maximum an Zeit“ bekomme, wobei seine Definition von Maximum offenbar nicht der des Duden entspricht (= größtes Maß, Extremwert), sondern: „Das legen wir intern fest.“ Auch Markus Rejek, sein Geschäftsführerkollege, schaffte den Spagat nicht ganz, einerseits den Trainer zu stützen und andererseits alle Möglichkeiten offen zu lassen. Rejeks Kernsatz ist: „Wir fahren mit Torsten Fröhling nach Bielefeld.“ Dass Fröhling auch am Ende der Länderspielpause auf der Trainerbank sitzen wird, kam Rejek trotz hartnäckiger Nachfragen nicht über die Lippen.

Ein Rumgeeiere, das nur einen Schluss zulässt: Sollte Fröhling das Auswärtsspiel in Bielefeld nicht gewinnen, wird es sehr, sehr eng für ihn. Die ausweichenden Auskünfte und die Betriebsamkeit der Verantwortlichen sind nur so zu deuten, dass im Hintergrund bereits Vorkehrungen für den Fall X getroffen werden. Ob dann Benno Möhlmann oder ein anderer übernimmt, wird sich zeigen. Für Fröhling bedeutet es jedenfalls, dass sich durch den schönen Punkt gegen Leipzig nicht viel an seinem Schwebezustand geändert hat.

Fröhling verweist auf eigene Verdienste

„Ich fühle mich genauso sicher wie vorher“, gab Fröhling eine Auskunft, die auch bedeuten kann: genauso unsicher. Aber: Er belässt es bei Andeutungen. Es sei nach dem Spiel zu spontanen Umarmungen gekommen, erzählte er, „mit Rejek, mit Noor, mit Necat (Sportchef Aygün/Red.)“. Aber sonst? Fingerzeige, wie es mit ihm weitergeht? „Ihr glaubt ja nicht, was man sich als Trainer manchmal alles wünschen würde“, lenkte Fröhling mit einem Witzchen ab: „Mir wurde in meinem Leben nie etwas geschenkt“, sagte er: „Klar hätte ich es gerne ein bisschen ruhiger, aber es gibt eben keine Garantien.“ Und bei einem Verein wie 1860 gleich dreimal nicht.

Auf eigene Verdienste hinzuweisen, kann da im Zweifel nicht schaden. Ehe Fröhling die taktischen Finessen seines Matchplans darlegte, ließ er ein paar andere Beobachtungen für sich und seine Arbeit sprechen. Über die Mannschaft: „Sie hat immer wieder eine Reaktion gezeigt. Leipzig ist qualitätsmäßig eine andere Liga, aber wir haben uns da reingebissen.“ Über das Publikum: „Im Stadion war sehr viel Zuspruch. Zum Schluss wurde applaudiert.“ Und über den Fußball an sich. „Viktor Skripnik“, sein Kollege von Werder Bremen, „der hat mal gesagt: 50 Prozent ist Kader, 30 Prozent ist Trainingsarbeit, 20 Prozent ist Glück.“ Fröhling glaubt: „Wenn wir drei, vier, fünf Punkte mehr hätten, wäre das Spiel gegen Leipzig sensationell gewesen.“ Aber so: Ist das Glas doch eher halbleer.

Dann fiel sie ihm wieder ein, diese quälende Sieglosigkeit. „Scheiße, die Serie“, entfuhr es ihm: „Ein, zwei Siege müssen wir jetzt mal machen. Ich denke eigentlich, dass es ganz ordentlich läuft. Nur die Punkte fehlen.“ Die Bosse Rejek und Basha würden ihm kaum widersprechen.

Uli Kellner

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