Geschäftsführer über rote Stutzen und neue Strukturen

Rejek im tz-Interview: "Die Wut verraucht nur langsam"

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Seit Januar 2014 ist Markus Rejek (47) kaufmännischer Geschäftsführer des TSV 1860, zuvor war er im Marketing bei Borussia Dortmund beschäftigt.

München - Saisonauftakt missglückt, keine Verstärkungen auf dem Platz, dafür rote Socken an den Beinen. Es läuft nicht wirklich rund beim TSV 1860. Die tz sprach mit Geschäftsführer Markus Rejek über Probleme, Verantwortung und Lösungsmöglichkeiten beim TSV 1860.

Herr Rejek, haben Sie sich ein Paar rote Stutzen als Andenken mitgenommen aus Heidenheim?

Rejek: Nein, und die Wut verraucht auch nur langsam. Zum einen, weil ich nicht verstehe, warum Dunkelblau und Weiß mit hellblauen Streifen nicht unterscheidbar sein soll. Zum anderen, weil man das Ganze mit Fair Play anders hätte lösen können. Wir werden die Sache auch nochmal bei der DFL und beim DFB vorbringen. Rot ist ein No-Go bei unseren Fans, die unnötig provoziert wurden. Und auch gegenüber unserem neuen Ausrüster Macron haben wir eine Verpflichtung.

Wäre es als Profiverein nicht auch eine Verpflichtung gewesen, andersfarbige Ersatzstutzen im Gepäck zu haben?

Rejek: Wir haben beim DFB extra abgefragt, ob wir unsere zweite Ausweichfarbe Grün tragen sollen, und man hat uns mitgeteilt, dass wir mit der angemeldeten Spielkleidung spielen können. Von daher haben wir keine Notwendigkeit gesehen, uns auf ein anderes Szenario einzustellen.

Auf welches Szenario muss sich Trainer Torsten Fröhling einstellen? Der Mann kann seine Unzufriedenheit mit der Transferpolitik nicht mehr verbergen.

Rejek: Er wird jeden Tag danach gefragt. Und er hat auch deutlich gesagt, dass es nichts bringt, zu jammern.

Weil so oder so nichts vorwärts geht…

Rejek: Wir wissen alle, dass wir unsere Mannschaft, die in der vergangenen Saison durchs Feuer gegangen ist, noch verstärken müssen. Und das werden wir auch tun. Wir haben aus hinlänglich bekannten Gründen die Dinge in der Vorbereitung nicht so abarbeiten können wie geplant. Da hilft es jetzt auch nichts, die Schuld von A nach B zu tragen. Am Ende ist es wichtig, nicht irgendwelche, sondern die richtigen Transfers zu tätigen.

Wie beurteilen Sie die Leistung der Mannschaft in Heidenheim?

Rejek: Das Spiel war ein Fingerzeig dafür, dass eine Mannschaft entstanden ist, die durchaus Hoffnung macht für die Zukunft, aber bei der wir auch wissen, dass wir sie verstärken müssen.

Und das besser gestern als morgen…

Rejek: Natürlich! Aber man muss auch die Situation auf dem Markt sehen. Wir sind nicht der einzige Nachfrager. Wir können nicht sagen, wann die neuen Spieler kommen, aber dass welche kommen.

An internen Hürden, sprich der Zustimmung durch die Gesellschafter, werden die Transfers nicht mehr scheitern?

Rejek: So ist es. Sollten keine extraordinären Sonderwünsche seitens der Spieler mehr hinzukommen, werden wir agieren.

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Wie sind die Verantwortlichkeiten verteilt? In der Pressemitteilung vom 10. Juli hieß es, dass Gerhard  Poschner als Geschäftsführer der KGaA abberufen sei, aber seine Aufgaben als Sportdirektor fortsetzen werde. Sie und der neue Geschäftsführer Noor Basha würden gemeinsam den Bereich Sport verantworten. Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Rejek: Diese Pressemitteilung vom 10. Juli hat in der Tat Freiraum für Interpretationen gelassen. Das können wir auflösen. Nach wie vor gilt bei uns in der Geschäftsführung das Vier-Augen-Prinzip. Der Sport wird weiterhin bei Gerhard Poschner verantwortet, der einzige Unterschied ist, dass er als Sportdirektor jetzt nicht mehr an das Präsidium, sondern an die beiden Geschäftsführer berichtet. Inhaltlich ändert sich somit eigentlich gar nichts: Wir haben zwei Geschäftsführer, die Transfers absegnen müssen. Darüber hinaus schauen wir, ob die Spieler generell ins finanzielle Konzept von 1860 passen.

Und das letzte Wort haben die Gesellschafter. 

Rejek: Ja, es hat sich nichts daran geändert, dass sich die Geschäftsführung bestimmte Geschäfte freizeichnen lassen muss. Bei anderen Vereinen ist es der Aufsichtsrat oder ein anderes Gremium, bei uns sind es eben die Gesellschafter, also das Präsidium und Hasan Ismaik.

Sie haben den Fans bei der Mitgliederversammlung gesagt, wie lähmend und verblendend das Gerede vom Aufstieg sei. Wie waren die Reaktionen in den Tagen danach?

Rejek: Ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen. Natürlich gibt es bei unseren Fans das Prinzip Hoffnung – völlig normal nach elf Jahren Zweite Liga. Es macht aber keinen Sinn, diese Hoffnungen mit Erwartungen zu unterfüttern, die nicht eingelöst werden können. Wir müssen uns im Wettbewerb der Zweiten Liga realistisch einordnen. Es geht im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten nur Schritt für Schritt. Warum sollten wir die Fehler des letzten Jahres wiederholen?

Am Samstag kommt mit Freiburg ein Aufstiegsfavorit in die Arena, der Nürnberg am Montag sechs Tore eingeschenkt hat. Eine Woche später gastiert die TSG Hoffenheim im DFB-Pokal in Fröttmaning. Den Fans muss Angst und Bange werden…

Rejek: Was heißt Angst und Bange? Wir haben jetzt ein Spiel gespielt und noch 33 vor uns! Dass man gegen Freiburg überraschen kann, haben wir im letzten Jahr beim Pokalspiel gesehen, wo wir lange Zeit auf einem guten Weg waren (1:1 bis zur 59. Minute, Endstand 2:5). Dass man gegen Freiburg verlieren kann ist auch klar, aber das heißt nicht, dass dann alle Dämme brechen.

Apropos: Wie weit ist Ihnen in Heidenheim das Herz in die Hose gerutscht, als im 1860-Block eine Fackel entzündet wurde?

Rejek: Das war natürlich nicht angenehm. Aber ich habe auch gesehen, dass dieses Thema intern in der Kurve gelöst wurde – und das ist für mich ein positives Zeichen. Es hat sich anscheinend herumgesprochen, dass wir auf Bewährung sind. Wenn jetzt nochmal was passiert, dann wird es mehr schmerzen als es jemals zuvor geschmerzt hat.

Interview: Ludwig Krammer

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