Zu viele Fehler, zu wenig Ruhe

Hinrunden-Bilanz: Fünf Gründe für die Löwen-Misere

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Gewohntes Bild: Löwen hadern - hier Felix Uduokhai (li.), Maxi Wittek (mi.) und Denis Bushuev (re.)

München - Alles beim Alten: Es ist Weihnachten, und die Löwen dümpeln mal wieder im Tabellenkeller rum. Wir zeigen fünf Gründe, warum das so ist. 

Rein statistisch betrachtet ist die Bilanz der Löwen-Hinrunde schnell gezogen. Vier Siege, vier Remis, neun Niederlagen - 14 Platz. 20 selbst erzielte Treffer, 25 kassierte. Das bedeutet: Die Blauen dümpeln mal wieder am beinahe allerhintersten Zipfel der Zweitliga-Tabelle umanand. Alles, wie gehabt. Aber woran liegt es, dass die Löwen schon wieder kriseln und so gar nicht auf die Füße kommen, obwohl vor der Saison verkündet wurde, dass jetzt endlich alles besser wird?

Wir haben versucht, die Gründe für das Löwen-Dilemma aufzudröseln - und wagen einige Ratschläge.

1. Querelen im Umfeld

Was schief lief: Fußball-Deutschland lacht über 1860. Der einstige Traditionsverein ist zur Ulknummer verkommen. Und daran sind ganz allein die handelnden Akteure in der Chefetage schuld. Keine Medien und schon gar keine Ex-Spieler, die Freikarten für Zweitliga-Spiele haben wollen. Sechzig verschliss seit 2009 15 Trainer, sieben Sportchefs und sechs Präsidenten. Das kann nicht gut gehen. Zum Vergleich: Zweitliga-Tabellenführer Braunschweig hatte und hat je einen. 

Wie es besser geht: Ruhe. Die Löwen müssen es schaffen, dass in Deutschland endlich wieder über die Leistungen der Mannschaft auf dem Platz geredet wird und nicht über Medien-Boykott und vorzeitig beendete Abschiedsfeiern scheidender Empfangssekretärinnen. Die Wahrheit tut weh, aber die Häme für die Löwen kommt nicht von ungefähr.

2. Individuelle Fehler

Was schief lief: Löwen-Fans kriegen Schweißausbrüche, wenn wieder mal ein Defensiv-Akteur ihrer Mannschaft einen hanebüchenen Querpass im eigenen Sechzehner spielt, der Gegner dazwischen spritzt und es klingelt im Kasten. Die folgende Beobachtung ist so alt wie der Fußball selbst: Verunsicherte Spieler machen Fehler (vor allem, wenn sie jung sind). Die Angst geht um bei den Sechzgern. Die Angst davor, bei Minderleistung (die laut Investor Ismaik nicht länger geduldet wird!) ausgetauscht zu werden (siehe auch Punkt 3.).

Wie es besser geht: Vertrauen in die Qualität der eigenen Mannschaft. Liebe Löwen-Fans, euer Team ist so schlecht nicht. Leute wie Ivica Olic, Sascha Mölders oder Karim Matmour haben nach ihrem Wechsel nach Giesing nicht das Fußballspielen verlernt. Vielleicht sollte das oben beschriebene Phänomen einfach mal in eurer Führungsetage ankommen.

3. Seltsame Personalentscheidungen

Was schief lief: Die Löwen-Peronalmisere lässt sich am besten am Beispiel Michael Liendl veranschaulichen. Vom Heilsbringer zum Totalausfall und wieder zurück. Mal schnalzen sie mit der Zunge in Giesing, weil Liendl groß aufspielt, mal verbannen sie den Österreicher auf die Tribüne. Unter dem geschassten Kosta Runjaic war nie eine klare Linie zu erkennen. Ähnliches gilt für Rodnei. Nach Verletzung zurück, stabilisierte er im Oktober und November zweieinhalb Spiele lang die löchrige Löwen-Abwehr - um dann wieder aus dem Kader geschmissen zu werden.

Wie es besser geht: Hier gilt wie bei Punkt 2: Spieler brauchen Vertrauen. Dann spielen sie auch gut. Das klingt vielleicht etwas nach Durchhalteparole. Stimmen tut es aber trotzdem: Den Löwen ist zu wünschen, dass Vitor Pereira es besser macht als seine Vorgänger und seinen Weg konsequent geht - mit klarer Linie und dem Personal, das er als würdig erachtet. 

4. Verletzten-Drama

Was schief lief: Es ist schon verrückt. Da dachten die Oberlöwen, EM-Fahrer Sebastian Boenisch löst die Probleme auf der Linksverteidiger-Position und - zack - verletzt er sich (insgesamt 97 Einsatzminuten stehen für ihn zu Buche). Oder Victor Andrade und Ribamar sorgen endlich für kreative Aha-Momente im Spiel nach vorne. Ismaik und Co. hatten es sich so schön ausgemalt, aber passiert ist nichts dergleichen. Weil die beiden Südamerikaner ausfallen. Ribamar aus mysteriösen Umständen, Victor Andrade (der wohl vielversprechendste Löwe im Kader) wegen eines Kreuzbandrisses. Auch Stefan Aigner - aus Frankfurt zurückgeholt - fehlte über weite Teile der Hinrunde. Das tut weh. Zudem ist die Liste der Spieler, die immer wieder wegen kleinerer Blessuren ausfallen, lang.

Was besser geht: Hier könnte jetzt eine Litanei über falsches Training, Überbelastung oder Sonstwas stehen. Tut es aber nicht. Denn: Keiner weiß, warum so viele Löwen von Verletzungen geplagt sind. Deswegen hoffen wir einfach, dass die Seuche in der Rückrunde aufhört und Vitor Pereira aus dem Vollen schöpfen kann. 

5. Pech

Was schief lief: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“, konstatierte Weltmeister Andreas Brehme einst. In der Hinrunde galt das auch für die Löwen. Wer das ein oder andere Spiel der Blauen gesehen hat, stellt fest: Die Mannschaft hat nicht immer schlecht gespielt (zwar oft, aber nicht immer). Manchmal - vor allem zuletzt gegen Heidenheim und zeitweise gegen Kaiserslautern - hatte Fortuna schlicht und ergreifend etwas gegen einen Löwen-Sieg.

Was besser geht: Schwierig. Wie wäre es mit einer Pilgerreise nach Altötting?

Fazit

Sie sehen: Vieles lief schief in der Löwen-Hinrunde - aber nicht alles. Vor allem aufopferungsvoll kämpfende Akteure wie Levent Aycicek oder Sascha Mölders machen Hoffnung. Auch dass Hasan Ismaik offenbar bereit ist, weitere Millionen in den Verein zu pumpen, spricht für eine rosigere Löwen-Zukunft.

Dazu kommt: Die Entscheidung mit Vitor Pereira einen international erfahrenen Coach zu verpflichten, war mutig. Der Portugiese ist einer, der dazwischen haut und sich in „mourinho-esker“ Manier vor seine Mannschaft wirft. Beispiel gefällig? Dieses Video aus Saudi-Arabien lohnt sich. Pereira ist ein absoluter Fachmann, der eine Chance verdient hat. Er ist bekannt dafür, talentierte Spieler entwickeln zu können, und an denen mangelt es in Giesing ja nun wirklich nicht. 

Wenn die Sechzger-Führung um Ismaik und Peter Cassalette es endlich schafft, dem neuen Coach ein anständiges Umfeld ohne ständige Eskapaden zu verschaffen, kann er die Löwen fit für die Zukunft machen. Dann kann es klappen mit dem versprochenen Aufschwung (O-Ton Pereira: „We go to the top“). 

Problem: Diesen frommen Wunsch hegen die leidgeplagten Löwenfans seit mittlerweile zwölf Jahren. Nur wirklich passiert ist leider bisher nix. 

Pereira und Ismaik: Jubel beim Fan-Auftritt im Hacker

19.12.2016, Fussball 2.Liga 2016/17, TSV 1860 München Trainervorstellung
Hier sehen Sie Bilder von der Vorstellung des neuen Löwentrainers Vitor Pereira. © MIS
19.12.2016, Fussball 2.Liga 2016/17, TSV 1860 München Trainervorstellung
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19.12.2016, Fussball 2.Liga 2016/17, TSV 1860 München Trainervorstellung © MIS
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19.12.2016, Fussball 2.Liga 2016/17, TSV 1860 München Trainervorstellung
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Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein.
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein. © MIS
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein.
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein. © MIS
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein.
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein. © MIS
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein.
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein. © MIS
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein.
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein. © MIS
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Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein. © MIS
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Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein.
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein. © MIS
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein.
Später lud Investor Hasan Ismaik noch die Fans der Löwen ins Hacker-Pschorr Brauhaus auf ein gemeinsames Mittagessen ein. © MIS

mae

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