Wintertransfer der Löwen

Prince Osei Owusu als Antwort auf die Offensivflaute des TSV

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Hitzige Zweikämpfe im Schneetreiben: Eine Szene, die den Löwen-Auftritt in Lotte angemessen widerspiegelt. 

Quälende 657 Kilometer sind es vom Frimo-Stadion in Lotte bis zur Grünwalder Straße 114 in München-Giesing, und auf so einer langen Fahrt kann man schon mal verwegene Gedanken entwickeln – zumal nach einem Drittligaspiel, das vom schneebedeckten Boden geprägt war,

Eine frühe Führung des Gästeteams brachte nach der Pause aber auch einen vermeidlichen Ausgleich. Von Daniel Bierofka ist bekannt, dass er generell nicht gut schlafen kann nach Spielen seiner Mannschaft, in einem rumpelnden Bus gleich dreimal nicht. Die Idee, die der 1860-Coach auf der langen Reise durch die Republik gebar, hörte sich daher an, als wäre sie einem Anflug ausgeprägter Übellaunigkeit entsprungen.

Auslaufen um 6 Uhr in der Früh, in den noch finsteren, frisch verschneiten Isarauen – einige Fans erinnerte das an Werner Lorant, den Erfinder des Straftrainings. Auch mancher 1860-Profi mag geflucht haben, als er aus dem Halbschlaf gerissen und zum Frühsport abkommandiert wurde. Jedoch: Die spontane Einheit im Morgengrauen hatte auch positive Seiten. Zum einen diente sie der Regeneration nach einen beschwerlichen Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen. Zum anderen war der Rest des Wochenendes frei – zum Schlafen. Zum Einordnen des Punktgewinns (wahlweise: -verlusts). Oder ganz einfach zum Akkuaufladen.

Torschütze Nico Karger und Co. dürfen also bis heute die Füße hochlegen. Die Bosse dagegen machten nahtlos weiter mit der Arbeit und konnten schon um 11.08 Uhr am Samstag eine Antwort auf die Offensivprobleme des Tabellenneunten präsentieren. Die Antwort lautet, wie sich seit Tagen abgezeichnet hatte: Prince Osei Owusu, 22. Der Stürmer, der in seinen jungen Jahren schon gut rumgekommen ist (Jugend des VfB Stuttgart, Hoffenheim II, zuletzt Bielefeld), soll mithelfen, den Verlust von Torjäger Adriano Grimaldi irgendwie auszugleichen.

Owusu kommt auf Leihbasis bis zum Sommer, erhält die Rückennummer 13 und freut sich seinerseits auf einen Tapetenwechsel, nachdem er beim Zweitligisten Bielefeld nicht wie erhofft zum Zug gekommen war. Elf Einsätze ohne Torerfolg stehen in seiner Saisonbilanz in der Liga, immerhin zweimal traf er im Erstrundenspiel des DFB-Pokals bei Lok Stendal. „Ich freue mich, bei diesem großen Traditionsklub zu sein“, wird Owusu in der Pressemitteilung zitiert: „Es ging jetzt alles sehr schnell. Ich will in den kommenden Monaten hier viel mitnehmen, mich persönlich weiterentwickeln und die Zeit erfolgreich gestalten.“ Zumindest in der Jugend lief es besser bei ihm mit dem Toreschießen: Er war mal treffsicherster Stürmer in der Süd-Staffel der U 17-Bundesliga, erzielte 17 Tore in 36 Spielen für die zweite Mannschaft von 1899 Hoffenheim. In die 3. Liga hat er auch schon reingeschnuppert (14 Einsätze/VfB II) und auch in diverse Auswahlmannschaften des DFB (U 15, U 18 und U 19).

Im Zweitligateam der Arminia kam Owusu nicht an Routinier Fabian Klos und dem Ex-Hachinger Andreas Voglsammer vorbei. Armina-Kenner berichten, er habe durchaus mitreißende Joker-Auftritte gehabt, sei auch technisch versiert, aber physisch noch nicht robust genug (trotz seiner 1,90 m) und auch taktisch nicht hundertprozentig diszipliniert. „Alle Parteien profitieren von diesem Transfer“, sagt sich trotzdem der Löwen-Sportchef Günther Gorenzel. „Durch mehr Einsatzzeiten kann sich Prince Osei Owusu bei uns weiterentwickeln und wir haben eine zusätzliche Option für unser Offensivspiel.“

Das ist ganz im Sinne des Trainers, der am Freitag wenigstens mal wieder ein Stürmertorbejubeln durfte. Für Karger sei das Erfolgserlebnis sehr wichtig“, weiß Bierofka: „Nico betreibt immer einen hohen Aufwand. In der Szene, die zum Tor führt, jagt er dem Ball hinterher und spekuliert darauf, dass er liegen bleibt.“ So unzufrieden war der Coach auch gar nicht mit dem Ertrag aus Lotte. „Wir haben jetzt vier Punkte in der Rückrunde geholt“, sagte er: „Da müssen wir am Samstag gegen Osnabrück weitermachen.“ Dann schon mit Prince Owusu, auf dem stets gut bespielbaren Rasen im Grünwalder – und gegen einen Tabellenführer, der 1860 im Hinspiel bis zur Nachspielzeit unterlegen war.

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