Defensive und Disziplin

Jahn Regensburg: Wo der 1860-Relegationsgegner zu packen ist 

Der Weg zum Klassenverbleib führt für die Blauen über Jahn Regensburg. Im Gegensatz zu Sechzig haben die Oberpfälzer ordentlich Selbstvertrauen getankt. Wir stellen das Team vor.

München - Zwei Chancen bleiben den Löwen noch, um den Abstieg in die 3. Liga abzuwenden. Am Freitag und am Dienstag stehen die Relegationsspiele gegen den SSV Jahn Regensburg an (beide Spiele bei uns im Live-Ticker). Was kommt da auf die Blauen zu? Wir haben die Oberpfälzer unter die Lupe genommen und dabei auch eine ordentliche Portion Sechzig ausgemacht.

Vor allem die Defensive der Löwen wird sich auf Schwerstarbeit einstellen müssen, denn mit 62 Treffern stellt der Jahn den besten Angriff der 3. Liga. Als wäre das nicht Warnung genug, fordert Trainer Heiko Herrlich: „Wir brauchen mehr Effizienz.“ Seine Stürmer können sich ja ein Beispiel am ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig nehmen.

Führt den Jahn von Erfolg zu Erfolg: Ex-Profi Heiko Herrlich peilt den Durchmarsch in die 2. Liga an.

Herrlich setzt auf die vier Ds

Seit anderthalb Jahren ist der 45-Jährige für die Regensburger verantwortlich - könnte nun den Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Liga perfekt machen. Dabei setzt Herrlich auf die vier Ds: Demut, Dankbarkeit, Durchhaltevermögen und Disziplin. Wie um dies zu untermauern ließ der ehemalige Champions-League-Sieger seine Spieler in der vergangenen Saison einmal mit Privatautos zu einem Auswärtsspiel anreisen. Ganz nach dem Motto: Anfahrten im Mannschaftsbus muss sich das Team erst verdienen.

So sehen Sie die Relegationsspiele live im Free-TV und im Live-Stream

Das haben sich Herrlichs Spieler mittlerweile zweifellos. Mit einem starken Schlussspurt ergatterte der Jahn den umkämpften Relegationsplatz, verlor nur eines der vergangenen neun Spiele und ist in diesem Jahr auswärts noch ungeschlagen. Dabei musste Regensburg lange zittern - am letzten offiziellen Spieltag bei Preußen Münster erlöste erst Andreas Geipl mit seinem 1:0 per Handelfmeter in der 83. Minute Mannschaft und mitgereiste Fans. So wurde Platz drei vor dem 1. FC Magdeburg gesichert.

Vier Ex-Löwen im Regensburger Team

Geipl zählt zur Ex-Löwen-Fraktion beim Jahn. Der 25-Jährige entstammt der Jugend der Blauen, kam jedoch nie über Einsätze im Regionalliga-Team hinaus und schloss sich schließlich 2014 den Regensburgern an. Ähnlich erging es Philipp Pentke. Der Keeper lief zwischen 2003 und 2007 in der U19 und der zweiten Mannschaft für Sechzig auf, trägt seit zwei Jahren das Trikot des Jahn.

Wettberg erklärt: Darum schaffen die Löwen den Klassenverbleib

Der gebürtige Münchner Benedikt Saller spielte als Junior sowohl für die Blauen als auch die Roten, kam vor dieser Saison über den Umweg 1. FSV Mainz 05 nach Regensburg. Und dann wäre da noch Markus Ziereis, der den Löwen-Dress sogar viermal in der 2. Liga überstreifte. Das Jagdrevier des Torjägers war während seiner fünf Sechzig-Jahre jedoch vorrangig die Regionalliga. Für den 24-Jährigen ist die Saison jedoch wegen einer schweren Ellbogenverletzung längst beendet.

Heimat des Jahn: Der Bau der Continental Arena verschlang 52,7 Millionen Euro.

Jahn-Profi Knoll: „Wir lieben Krimis“

Auch Linksverteidiger Alexander Nandzik wird die Relegationsspiele wohl wegen eines Muskelbündelrisses verpassen. Andere Spieler fiebern der Saisonverlängerung ebenso wie die ganze Stadt entgegen - das Hinspiel in der erst 2015 eröffneten Continental Arena ist mit 15.224 Zuschauern ausverkauft. „Ich freu’ mich, dass ich noch keinen Urlaub hab’, sondern noch etwas Zeit mit den Jungs verbringen darf“, betonte Defensiv-Allrounder Marvin Knoll in der Mittelbayerischen Zeitung und fügte hinzu: „Wir lieben Krimis.“

Ex-Löwe Michi Hofmann: „Wird eine enge Kiste“

Aufgeben gibt es beim Jahn ohnehin nicht: Nach Rückständen erkämpfte sich das Herrlich-Team in der 3. Liga noch 20 Punkte - das übertraf nur Liga-Krösus MSV Duisburg. Und dass Regensburg Relegation kann, bewies der Klub erst vor einem Jahr, als die Reserve des VfL Wolfsburg im Kampf um den Aufstieg aus der Regionalliga knapp mit 0:1 und 2:0 bezwungen wurde. Auch in den Ausscheidungsspielen zwischen 2. und 3. Liga setzte sich Regensburg zuletzt durch: Im Sommer 2012 wurde der Karlsruher SC nach einem 1:1 zu Hause und einem 2:2 bei den Badenern eine Klasse tiefer geschickt. Es war der dritte und bislang letzte Aufstieg ins Unterhaus.

Herrlich sieht Sechzig in Favoritenrolle

Nun wollen Herrlich und Co. ihr eigenes Aufstiegsmärchen schreiben. Die Regensburger, deren Kapitän Markus Palionis einst in der Jugend des FC Bayern aktiv war, schieben die Favoritenrolle aber gern nach München. „Die Sechziger hatten die Ambition, in dieser Saison mit zum Kreis der Aufstiegsanwärter zu gehören und haben eine hohe Qualität im Kader“, lobte der Jahn-Trainer in der tz: „Sie haben eine sehr spielstarke Mannschaft. Aber wenn sie wackeln und wir alles abrufen, dann sehe ich schon eine kleine Chance.“

Sechzig: Nur sechs Spieler haben Vertrag für die 3. Liga

Klingt angesichts des Regensburger Laufs nach übertriebenem Understatement - auch wenn den Blauen die Schwächen des Gegners nicht verborgen geblieben sein dürften. Denn mit 50 Gegentreffern zeigte sich die Jahn-Defensive alles andere als sattelfest. Außerdem machen sich die Oberpfälzer gern mal das Leben selbst unnötig schwer. Fünf Platzverweise sammelte das Herrlich-Team - allein Geipl musste zweimal vorzeitig zum Duschen, kassierte zudem allein 13 Gelbe Karten. Auf bissige Gegner werden sich Löwen also auf jeden Fall einstellen müssen.

Gewohntes Bild: Andreas Geipl (l.) sieht die Gelbe Karte.

mg

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Rubriklistenbild: © dpa

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