Löwen-Kapitän im tz-Interview

Schindler: "Müssen an einigen Stellschrauben drehen"

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Löwen-Kapitän Christopher Schindler.

München - Löwen-Kapitän Christopher Schindler spricht im tz-Interview über die Perspektiven beim TSV 1860 München - sowohl seine persönlichen, als auch die des Klubs.

Herr Schindler, Sie haben kürzlich Ihren Vertrag beim TSV 1860 verlängert. Wie hat eigentlich Ihr privates Umfeld, Familie, Freunde, Bekannte, darauf reagiert?

Schindler: Na ja, schon unterschiedlich. Da gab es sicher einige, die gemeint haben, wie ich angesichts der Geschehnisse im Umfeld des Vereins so eine Entscheidung fällen konnte. Ich habe aber allen geantwortet, dass ich mich freue, verlängert zu haben. Für mich passt alles.

Im Abstiegskampf hat man sogar von außen gut erkennen können, wie Sie in Ihrer Aufgabe als Kapitän gewachsen sind. Vor einigen Monaten haben Sie sich ja für die tz zu einem Gespräch mit dem Meisterkapitän Peter Grosser getroffen, der Ihnen geraten hat, auch mal richtig laut zu werden innerhalb der Mannschaft und dem ein oder anderen in den Allerwertesten zu treten. Es scheint so, als hätten Sie das beherzigt.

Schindler: Da waren auf jeden Fall hilfreiche Tipps dabei. Auch wenn man die Zeiten schlecht vergleichen kann. Als Peter Grosser Kapitän war, da standen wahrscheinlich 14 Spieler aus München im Kader. Das war schon ein bisschen leichter. Aber es stimmt: Ich bin ein anderer Kapitän, als ich es in der Vorrunde war. Man muss ja für sich selbst gewisse Strategien testen und sich natürlich auch über eine persönlich konstante Leistung Anerkennung verschaffen.

Eine bezeichnende Szene, dass Sie der „Chef“ sind, war im Relegations-Rückspiel gegen Kiel jene, als Sie und Schiedsrichter Kircher fast Nasenspitze an Nasenspitze gegenüberstanden und beide sich die Meinung sagten. Selbst als Kircher seinen Zeigefinger fest an Ihre Brust drückte, sind Sie nicht zurückgewichen. Wie beurteilen Sie das im Nachhinein?

Schindler: Als ich später die Bilder sah, habe ich mir sicher nicht gedacht, Mensch, wie geil war das denn von mir. Ich habe eben einfach so reagiert, und es war womöglich das richtige Signal für unsere erfolgreiche Schlussphase.

Haben Sie mit Kircher hinterher darüber gesprochen?

Schindler: Nein, leider nicht. Ich wollte Kontakt mit ihm aufnehmen, aber bei all dem Trubel sind wir uns dann nicht mehr über den Weg gelaufen.

Was hätten Sie ihm gesagt?

Schindler: Dass er viel Fingerspitzengefühl gezeigt hat. Er ist ja aber auch ein erfahrener Mann, der wusste, dass er hier kein 08/15-Spiel leitet und was für die Akteure auf dem Platz auf dem Spiel stand. Kircher ist nicht umsonst einer unserer besten deutschen Schiris.

Von Ihnen war es ein Griff in die psychologische Trickkiste, oder?

Schindler: Vielleicht. Die Spieler und die Zuschauer haben gemerkt, hey, hier ist was passiert, es ist noch nichts verloren. Es war kein normales Spiel, also waren auch die Handlungen nicht normal. Ich selbst stand bis dahin noch nie in einem Spiel so unter Strom wie in diesem gegen Kiel. Und trotzdem musst du ja auch immer noch irgendwie kühlen Kopf bewahren

Auf den Jubelbildern unmittelbar nach Bülows Tor sieht man Sie am ausgelassensten feiern. Fast könnte man meinen, Sie hätten getroffen…

Schindler: Für mich war die Brisanz sicher mit am größten, weil ich hier bei 1860 einfach daheim bin. Ich war so froh und brauchte diesen Moment einfach, um alles rauszuschreien.

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Mit den Spaniern Sanchez und Rodri wurden jetzt zwei Spieler aussortiert, die der Mannschaft offenbar nicht guttaten. Waren Sie als Kapitän in diese Entscheidung involviert?

Schindler: Das bleibt intern. Aber am Ende gab es bei uns einfach Spieler, die nicht mehr wollten. Und die ganzen Probleme, die wir hatten, sind durch die Misserfolge im Laufe der Saison natürlich verzehnfacht worden. Da war natürlich jeder gereizt.

Sie bleiben Kapitän oder gibt es eine Wahl?

Schindler: Das weiß ich nicht. Ich habe mir jedenfalls in den ersten Testspielen ungefragt die Binde genommen und niemand hat darüber gemeckert.

Für die neue Saison wurde ein Mittelfeldplatz als Ziel ausgegeben. Geht das eigentlich bei 1860?

Schindler: Man muss doch sehen, wo wir herkommen. Aber ich glaube, wir Spieler haben jetzt ein anderes Bewusstsein. Und wenn ich sehe, was Ingolstadt, Darmstadt oder Karlsruhe erreicht haben, dann erkennt man, dass es oft genügt, nur an einigen Stellschrauben zu drehen, um erfolgreich zu sein. Es wäre nicht schlecht, sich an solchen Klubs zu orientieren.

tz

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