Kroate spricht offen über seine Zeit in München

Olic mit klarer Aussage zu Hasan Ismaik

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Ivica Olic nach dem Abstieg.

Als erster Spieler der Abstiegs-Löwen hat sich Ivica Olic in einem längeren Interview offenbart. Der Kroate erzählt, wie er die vergangenen Wochen und Monate bei den Sechzgern erlebt hat.

München - Ivica Olic ist eine der besonders tragischen Figuren des Löwen-Absturzes. Zu Saisonbeginn vom Bundesliga-Chaosklub Hamburger SV zu den Löwen gekommen, um im Spätherbst seiner Karriere noch einmal wichtig zu sein und vor allem viel spielen zu dürfen, steht am Ende seines Engagements bei den Sechzgern der Abstieg - und noch mehr Chaos, als er jemals in Hamburg erlebt hat. Jetzt hat der 37-Jährige der Sport Bild ein sehr offenherziges Interview gegeben, in dem er über die vergangenen Monate spricht und auch verrät, wie es mit ihm persönlich nun weitergehen könnte.

Seine Karriere offiziell für beendet erklären, das möchte der Kroate jedenfalls nicht. „Das will ich nicht sagen. Vor einem Jahr hatte ich schon davon gesprochen und habe dann doch weiter gemacht. Deshalb will ich mich nicht festlegen. Aber richtig ist: Ich habe mich für den Lehrgang zur Trainer-A-Lizenz in Zagreb angemeldet - der geht im Sommer los und dauert ein Jahr.“ Es deutet also zumindest darauf hin, dass Olic nicht mehr aktiv auf hohem Niveau weiterspielen wird. Der Abstieg aus der 2. Bundesliga mit den Löwen wird also vermutlich das Ende seiner Laufbahn unschön schmücken. „Der Abstieg ist ein trauriger Abschied für mich. Aber ich bin mit mir im Reinen. Nach dem letzten Jahr beim HSV, in dem ich kaum noch gespielt habe, wollte ich nicht abtreten. Ich wollte vom Rasen in den Ruhestand gehen, nicht von der Bank aus.“ Das ist dem Dauerläufer zumindest gelungen: Satte 30 Mal kam der Offensivmann in dieser Saison in der 2. Bundesliga zum Einsatz (fünf Tore). 

Und dennoch stand am Ende der Absturz. Warum? „Es gibt viele Gründe. Ein ganz wichtiger war: Im Training hatten wir in den letzten fünf, sechs Wochen der Saison gar keine Spannung mehr. Nach unserem 1:0-Sieg am 26. Spieltag in Düsseldorf (am 2. April; Anm. d. Red.) hatten wir sieben Punkte Vorsprung auf den Vorletzten Bielefeld und sechs Punkte auf den Drittletzten St. Pauli. Da waren sich alle im Klub zu sicher. Bei einigen Spielern laufen die Verträge aus. Ich denke, auch unser Trainer Vitor Pereira hat nicht daran gedacht, dass es noch einmal eng werden könnte.“ Doch dann gerieten die Münchner in eine Negativspirale sondergleichen - aus den letzten acht Liga-Spielen holten die Sechzger nur noch einen Sieg. Olic sah das Übel wohl kommen: „Anfang Mai kam bei mir der Gedanke auf: „Wenn wir in die Relegation müssen, haben wir in dieser Verfassung keine Chance.“ Das war auch in den Spielen zu sehen. Wir wollten gewinnen, aber Regensburg war besser. Sie waren voll da und sind verdient aufgestiegen.“

Olic, der in Deutschland neben den Löwen für Hertha BSC, den HSV, den FC Bayern und den VfL Wolfsburg aktiv war, kannte chaosartige Zustände bereits vom Hamburger SV - doch die Situation bei 1860 toppte alles erlebte offenbar noch einmal. „Drei Trainer und drei Sportdirektoren in einer Saison hatte ich vorher noch nie erlebt. Nicht einmal in Hamburg gab es so viel Unruhe. So viele Wechsel in so kurzer Zeit können einfach nicht gut gehen. Jeder kommt mit neuen Ideen, Dadurch hat man viele unzufriedene Spieler“, sagt Olic. Der mit über 30 Spielern extrem aufgeblähte Kader tat sein übriges. „Die Stimmung“, konstatiert der Kroate, „war immer negativ.“

Und wie hat Ivica Olic Hasan Ismaik erlebt, den Investor, den viele als den Hauptgrund für das Löwen-Desaster ansehen? Ob er an der Misere schuld sei, „das will ich nicht beurteilen.“ Doch Olic selbst erlebte den Jordanier offenbar immer äußerst engagiert und bestätigt damit die Treueschwüre, die Ismaik seit Monaten via Facebook von sich gibt: „Seit der Winterpause war er sehr häufig da. Er war regelmäßig in der Kabine, hat mit uns Spielern gesprochen. Er war sehr interessiert, wirklich heiß auf 1860. Ich glaube, er wollte jetzt richtig angreifen und investieren, um in die Bundesliga aufzusteigen“, erzählt Olic. Das Problem an der Sache: „Er hatte große Pläne – aber da war der Klassenerhalt noch nicht geschafft.“

Alle Entwicklungen bei den Löwen gibt‘s hier bei uns im Live-Ticker zu 1860.

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