Rassismus-Opfer und Schauspieler

Jimmy-Hartwig-Portrait im BR: Dunkle Momente und Sternstunden einer Löwen-Legende

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Jimmy Hartwig im Löwen-Stadion.

Er hatte ein schillerndes Leben als Fußballer und machte auf und abseits des Platzes schwere Zeiten durch: Jimmy Hartwig. Der BR zeigt ein Portrait der 1860-Legende.

  • Jimmy Hartwig stieg als Spieler desTSV 1860 München zur Vereinslegende auf.
  • Vor, während und nach seiner Karriere durchlief Hartwig schwere Zeiten.
  • Der BR widmet Hartwig ein berührendes Porträt.

München - Der Sohn als Spieler auf dem Rasen, das Stadion ausverkauft – es gibt wohl keinen schöneren Moment für eine Mutter. Nicht für Luise Hartwig, denn ihr Sohn Jimmy wurde von den „Fans“ um sie herum, die nicht ahnten, wer sie ist, als „Neger“ beschimpft. „Meine Mutter hat einen Weinkrampf erlitten, sie ist nie wieder ins Stadion gegangen“, erinnert sich Hartwig. 

Jimmy Hartwig stieg mit den Löwen auf.

Rassismus hat den Sohn einer Deutschen und eines amerikanischen GI von klein auf begleitet. Der BR widmet dem gebürtigen Offenbacher, der als Fußballer bis zum Nationalspieler aufstieg und nach dem Ende seiner Karriere tief fiel, einen Film aus der Reihe „Lebenslinien“. Das BR Fernsehen zeigt ihn am Montag um 22 Uhr.

TSV 1860: Jimmy Hartwig wächst in ärmlichen Verhältnissen auf

„Euch werd ich’s zeigen!“ lautet der Untertitel des Porträts von Stefan Panzner –und tatsächlich bleibt Hartwig nichts anderes übrig, als „besser zu sein als die anderen“, um ans Ziel zu kommen. Der kleine Jimmy, eigentlich William Georg, wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, die Mutter hat zwei Jobs, um die Familie durchzubringen, seinen Vater sieht er nur ein Mal, da ist er vier Jahre alt. Vom Großvater gehasst und von den Mitschülern gehänselt, findet Hartwig sein Zuhause auf dem Fußballplatz. Sein Jugendtrainer bei Kickers Offenbach erkennt sein Talent, mit 18 ist er Profi. Bei den Münchner „Löwen“ wird er Mitte der Siebziger zum Star, schießt das Tor zum Aufstieg in die erste Liga, später wird er mit dem HSV drei Mal Deutscher Meister.

Jimmy Hartwig mit seiner Frau und seiner Tochter.

Danach geht es bergab, in jeder Hinsicht. Er hätte sich jemanden gewünscht, einen Vater, der ihn ermahnt, an später zu denken, sagt Hartwig, der in Saus und Braus lebt. Doch den gibt es nicht. So ist er mit Mitte 30 pleite, seine Ehe gescheitert. Selbstmordgedanken. Erst nach Jahren findet er als Trainer zurück zum Fußball, dann zwingen ihn zwei Krebserkrankungen in die Knie. Doch Hartwig gibt nicht auf.

TSV 1860: Jimmy Hartwig findet neue Berufung als Schauspieler

Die Kamera zeigt den heute 65-Jährigen, der in Inning am Ammersee lebt, an den Orten seines Lebens, in der Kirche St. Marien in seiner Heimatstadt beispielsweise, in der Hartwig neuen Mut fasst. „Gott hat mir diese Prüfung auferlegt, damit ich über mich selbst nachdenke“, ist er überzeugt. Panzners Film zeigt einen reflektierten Menschen, der frank und frei und sehr charmant erzählt von den Hochs und Tiefs in seinem Leben. Am Ende findet er nicht nur endlich sein privates Glück („Das ist das Beste, was mir passieren konnte“), sondern eine neue Berufung als Schauspieler. Jimmy Hartwig, ein vom Schicksal Herausgeforderter, der immer wieder sagen musste: „Euch werd ich’s zeigen!“

Rudolf Ogiermann

Das Coronavirus* legt den deutschen Fußball lahm. Michael Köllner, Trainer des TSV 1860 München, sieht in der Corona-Ausbreitung einen tieferen Sinn.

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