Köllner hat bei einem Führungsspieler nachgehorcht

Er unterhielt mit einem Youtube-Video ganz Fußball-Deutschland: Löwen holen Staude - Vergleich mit Gebhart

Keanu Staude (r.) und 1860-Sportchef Günther Gorenzel halten ein Trikot in die Kamera.
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Ist jetzt auch ein Löwe: Keanu Staude (r.) wird von Sportchef Günther Gorenzel vorgestellt.

Die Löwen haben sich noch einmal verstärkt. Mit Keanu Staude kommt ein Spieler, der kurzzeitig eine ganz große Nummer im deutschen Fußball war - aber nicht aus sportlichen Gründen.

München - Hinter Stephan Salger liegt zweifellos die erfolgreichste Woche, seit sich der Abwehrmann vor der Saison dem TSV 1860 angeschlossen hat. Beim 3:0 in Magdeburg war er bester Löwe auf dem Platz, Zu-Null-Garant, Torschütze und zweifacher Vorbereiter. Am Freitag nun durfte sich der nun 31-Jährige seinen ersten Spielertransfer ans Revers heften. Dass Keanu Staude (24) ein Löwe wird, ist auch ein Verdienst von Salger, der in Bielefeld mit dem Angreifer zusammengespielt hat (2016 bis 2020). „Es ist normal, dass man sich vor so einem Transfer noch mal informiert“, sagte 1860-Trainer Michael Köllner: „Stephan Salger war da natürlich mein erster Ansprechpartner.“

In erster Linie hat sich Köllner aber auf sein Bauchgefühl verlassen - und auf ein „längeres Telefonat“, das er im Januar mit dem gebürtigen Bielefelder geführt habe. Das war umso wichtiger, als Staude in den Tagen der Transferanbahnung seine Vergangenheit eingeholt hat. Nicht die sportliche, die durchaus vorzeigbar ist: 86 Zweitligaspiele für die Arminia (sechs Tore), Bundesliga-Aufstieg, zwei Länderspiele für die deutsche U 20. Gemeint ist seine Eignung als Team­player, an der in den sozialen Medien Zweifel laut wurden, nachdem sich dort ein für Staude wenig vorteilhaftes Video verbreitet hat.

TSV 1860 holt Staude: Youtube-Video aus Bielefelder Zeiten wird wieder zum Renner

Streng genommen ist dieses Video ein Telefonat aus dem Mai 2018, geführt mit einem Freund von einst („Bruder“), ein unfreiwilliger Youtube-Hit, fast 106.000 Mal geklickt und angeteasert mit den Worten: „!!!SKANDAL!!! Keanu Staude lästert über eigene Mitspieler“. Köllner kennt dieses Video natürlich. In Nürnberg damals habe es für „einige Lacher in der Kabine gesorgt“. Auch Staudes alter und neuer Mitspieler Salger kommt in dem 90-Sekünder vor („Salgi labert mich voll“), doch frei nach Staude: „Was wollt Ihr eigentlich, hey?“ Die Löwen jedenfalls sind fest entschlossen, Staude eine neue Chance zu geben, nachdem sein Vertrag in Würzburg Anfang des Monats aufgelöst worden war.

Köllners knappe Meinung zur Charakterfrage: „Mich interessiert nicht, was vor, zwei, drei Jahren war. Für mich ist entscheidend: Was macht er in meiner Kabine?“ Sein Eindruck ist: „Das ist ein Junge, der guten Umgang benötigt. Deswegen denke ich, dass er zu uns passen wird.“

TSV 1860 holt Staude: Köllner freut sich auf „Lösungen, die nicht im Lehrbuch stehen“

Die Vorzüge, die Staude mitbringt, erinnern Köllner an den Individualisten Timo Gebhart, der die Löwen vor der Saison verlassen hat. „Keanu ist ein Spielertyp, der Dinge machen kann, die wir momentan nicht haben. Er hat Lösungen, die nicht im Lehrbuch stehen. Wenn du wie gegen Meppen (1:1) gegen einen Block anrennst, ist das besonders wichtig.“

Bis Saisonende hat sich 1860 Staudes Dienste gesichert. Danach, so Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel, „gibt es mehrere Möglichkeiten, die wir auch im Vertragswerk verankert haben“. Für das Heimspiel gegen Zwickau (Sonntag, ab 14 Uhr hier im Live-Ticker) ist Staude noch nicht eingeplant. Dafür hat 1860 ja wieder Sascha Mölders, der nach Gelbsperre gesetzt ist. (Uli Kellner)

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