39 Trainer seit der Bundesligagründung 1963 – Könner, Blender, Unterhosen…

Der TSV 1860 und seine Trainer

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Legendär: Karsten Wettbergs Aufstiegsinterview mit BR-Reporter Edgar Endres im Mai 1992.

München - Seit der Bundesligagründung im Jahr 1963 waren 39 Trainer beim TSV 1860 beschäftigt. Hier ein kleiner Rückblick über Erfolgstrainer, Blender und Glücklose.

Als Trainer beim TSV 1860 tätig zu sein, das ist, möchte man meinen, ein hartes Los. Möglicherweise sogar gesundheitsschädigend angesichts des ganzen Stresses, des Drucks und des Frusts, wenn es – wie bei so vielen – am Ende mit dem Erfolg nicht klappt. Aber, wer hätte das gedacht? Löwentrainer werden in der Regel steinalt.

Lesen Sie mal: Meistermacher Max Merkel (1961 – 1966) wurde 88 Jahre alt. Albert Sing (1967 – 1968) verstarb vor zwei Jahren mit 91, Hans Pilz (1968/69) erreichte das gleiche Alter, und Elek Schwartz (1972/73) brachte es auf knapp 92 Lebensjahre. Aufstiegsheld Heinz Lucas (1975 – 1978) feiert im August seinen 90. Geburtstag, und Rudi Gutendorf (1973/74) im gleichen Monat seinen 84. Also: Der TSV 1860 – besser als alle Medikamente. Sind deshalb so viele scharf drauf gewesen, den Job an der Grünwalder Straße zu erhalten? Seit Gründung der Bundesliga vor 47 Jahren waren 39 Trainer beim TSV 1860 beschäftigt, davon Max Merkel und Wenzel Halama je zwei Mal. Eine Zahl, die im Grunde nur eins ausgedrückt: Permanente Unzufriedenheit. Mit vier Ausnahmen.

Die Erfolgstrainer:

Max Merkel: Führte den TSV 1860 zur Deutschen Meisterschaft, zum Pokalsieg und ins Europacup-Finale. Die Legende unter den Löwentrainern schlechthin. Fiel im Dezember 1966 einer Spielerrevolte zum Opfer.

Werner Lorant: Unter ihm gelang zwischen 1992 und 1994 der Durchmarsch von der Bayern- in die erste Liga. „Werner Beinhart“ war über neun Jahre bei den Blauen tätig und schaffte es bis in die Champions-League-Qualifikation.

Heinz Lucas: Führte die Löwen 1977 nach sieben Jahren in der zweiten Liga wieder ins Oberhaus. Der Abschied war weniger festlich: An Heiligabend 1978 wurde er von Präsident Erich Riedl gefeuert.

Karsten Wettberg: Nach neun Jahren in der Bayernliga schaffte der TSV 1860 unter ihm 1991 die Rückkehr ins Profigeschäft. Der einzige Trainer, der ein Interview in Unterhosen gab. Blieb 49 Punktspiele in Folge ungeschlagen.

Von Wetzel bis Mayrhofer - die Löwen-Präsidenten seit 1952

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Adalbert Wetzel (1952-1969): Pokalsieger '64, Europacup-Finale '65, Deutscher Meister '66 - Adalbert Wetzel (links) steht für die goldene Ära der Löwen, allerdings auch für erste finanzielle Turbulenzen. Als die Mannschaft 1966 Trainer Merkel in einer Meuterei absetzte, spielte Wetzel mit Selbstmordgedanken. Er lebte dann aber doch noch bis 1990. © tz
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Franz Sackmann (1969-1974): Er kann den erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga 1970 nicht verhindern. Der mehrfach angepeilte Wiederaufstieg scheitert. Unter dem CSU-Staatssekretär wurde die Gesundschrumpfung in der 2. Liga propagiert. Das mit dem Abstieg klappte, das mit der Gesundung allerdings überhaupt nicht. © tz
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Erich Riedl (1974-1982): Zwei Aufstiege, zwei Abstiege - und der Lizenzentzug 1982. Acht Millionen D-Mark Schulden weist die Bilanz aus. Eine Frist, das Desaster noch zu umgehen, lassen die L.öwen verstreichen. © tz
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Richard Müller (1982-1984): War vor seiner Amtszeit Masseur bei den Profis des FC Bayern. Ein guter Freund der Fans - mehr nicht. Er versucht, noch zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Trotz eines finanziellen Kraftakts, der die Schulden deutlich verringert, bleibt es beim Zwangsabstieg in die Bayernliga. © tz
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Karl Heckl (1984-1988): Der schwerreiche Bauunternehmer steckt geschätzte fünf Millionen D-Mark in den Verein, doch der Aufstieg gelingt nicht. Nach vier Jahren gab er entnervt auf: „Ich bin der einzige Mensch, der bei 1860 Millionär geworden ist. Vorher war ich Milliardär…“ Fünf Monate später erliegt er einem Herzinfarkt. © tz
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Liselotte Knecht (1988-1992): Nach neun langen Jahren Bayernliga gelingt 1991 die Rückkehr in Liga zwei - der nur ein Jahr später der erneute Abstieg folgt. Auch "die Lilo" scheitert schließlich. © tz
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Karl-Heinz Wildmoser (1992-2004): Rückkehr in die Bundesliga. Uefa-Cup-Teilnahme, Champions-League-Qualifikation, sechs Nationalspiele - und der Stadion-Skandal, in dessen Zuge er eine Nacht im Gefängnis verbringt. © dpa
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Karl Auer (2004-2006): Der Fleischfabrikant kann den Abstieg 2004 nicht mehr verhindern, ebenso das immer offensichtlicher werdende finanzielle Desaster. Er tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. © dpa
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Alfred Lehner (2006-2007): Die Löwen stehen vor der Insolvenz, die nur durch den Verkauf der Arena-Anteile an den FC Bayern verhindert werden kann. Nicht verhindern kann Lehner peinliche Wahlpossen und brutale Wahlkämpfe. Musste eine Versammlung nach einer Minute platzen lassen, weil falsch eingeladen wurde. © Jantz
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Albrecht von Linde (2007-2008): Der Kompromisskandidat zwischen den Bewerbern Steiner und Wettberg tritt nach dem Ziffzer-Paukenschlag ("Dieser Präsident ist eine Schande") zurück. © dpa
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Rainer Beeck (27. Mai 2008 bis 7. Februar 2011): Der Flughafen-Manager und Porsche-Fahrer war gut zweieinhalb Jahre im Amt. © Sampics
Dieter Schneider (seit 7. Februar 2011): Nach dem Rückzug von Rainer Beeck ist Dieter Schneider in das Präsidentenamt aufgerückt. Am 7. März 2013 kündigte er seinen Rückzug an. © sampics
Hep Monatzeder: Am 14. März 2013 erklärte er, für die Nachfolge von Dieter Schneider zu kandidieren. Zum 1. April 2013 übernahm er das Amt, fiel aber bei der Delegiertenversammlung durch. Er blieb bis zum 14. Juli kommisarisch im Amt. © sampics / Stefan Matzke
Seit dem 14. Juli 2013 ist Gerhard Mayrhofer der neue Oberlöwe. Er wurde mit überwältigender Mehrheit ins Präsidentenamt beim TSV 1860 München gewählt. © sampics / Stefan Matzke

Die Blender:

Falko Götz: Löste im Frühjahr 2003 Peter Pacult auf Platz acht ab und schaffte es innerhalb noch nicht mal eines Jahres, den TSV 1860 in die Zweitklassigkeit zu coachen. Christl Estermann, der Wirtin vom Löwenstüberl, schickte Götz nach seinem Rauswurf eine Packung Tempotaschentücher vorbei: „Weil sie nach dem Abstieg so heult…“

Rudi Gutendorf: Waren viele Kiebitze da, spielte er beim Training den harten Max. Ansonsten sprach er vom „Feu sacre“ (heiliges Feuer), das die Mannschaft packen müsse. Schaffte aber den Aufstieg 1974 trotz eines mit Stars gespickten Teams (Keller, Weller etc.) nicht.

Albert Sing: War von Sommer 1967 bis Oktober 1968 im Amt und brachte die Spieler zur Weißglut. Unter dem Schwaben setzte es die höchste Europacupniederlage (0:8 in Liverpool). Meisterkapitän Peter Grosser: „Der größte Trottel, den ich als Trainer je hatte.“

Fahrudin Jusufi: Wurde von Präsident Heckl mit Geld, Rolex-Uhren und teuren Spielern zugeschüttet. Der Erfolg blieb aus. Als Jusufi im April 1987 nach einer Pleite beim Tabellenletzten, Nürnberg Amateure, meinte, dass er auch gern so gute Spieler haben würde, warf Heckl ihn raus.

Uwe Klimaschefski: Der Sprücheklopfer konnte in der Rückrunde 87/88 auch nichts mehr auf die Beine stellen. Aber er sorgte wenigstens für viel Spaß. Einen Testspieler ließ er mal unter der laufenden Dusche mit dem Ball jonglieren. Begründung: „Ich muss wissen, wie er bei Regen drauf ist.“

Eckhard Krautzun: Als er kurz vor Jahresende 1978 seinen Dienst antrat, fragte er als Erstes, wo denn eigentlich der vereinseigene Flieger stehe. Den Münchner Journalisten erzählte er mal, dass die meisten Spieler unmittelbar vor dem Anpfiff noch zum onanieren auf die Toilette gehen würden, um „sich zu entspannen“. Krautzun selbst ging nach der Entlassung im Herbst 79 zum Sonnenbaden an die Isar.

Bernd Schumm: Der erste Bayernliga-Trainer. Meldete sich am Telefon immer selbstbewusst mit „Menotti“. Der Name des argentinischen Weltmeister-Trainers von 1978. Ende 1982 war Schluss mit lustig. Schumm wurde nach einem halben Jahr gefeuert.

Die Glücklosen:

Peter Pacult: Kassierte innerhalb weniger Wochen zwei Kanterniederlagen (0:5 gegen Bayern, 0:6 bei Hertha BSC). Nach der höchsten Bundesligapleite der Vereinsgeschichte war trotz Platz acht Schluss.

Bimbo Binder: Übernahm die Löwen im November 1969 am 13. Spieltag mit nur fünf Punkten und als Tabellenletzter. Trotz einer starken Aufholjagd (u.a. ein Sieg im Derby) musste Binder mit dem TSV 1860 absteigen. Der Wiener nahm’s auf gemütliche Weise hin: „Wann der Herrgott ned wui, geht gornix.“

Der große Rest soll sich selbst aussuchen, in welche Kategorie er einzureihen ist. Ein paar Vorschläge von uns: Langweilig, erfolglos, unbedeutend. Der einzige Trost für alle: Sie werden vermutlich alle steinalt…

Claudius Mayer

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