1860 und sein Finale im Abstiegskampf

Kommentar zu den Relegations-Löwen: Geliebter Gruselklub

Armin Gibis

Merkur-Redakteur Armin Gibis beschreibt in seinem Kommentar die Lage bei den Löwen kurz vor dem alles entscheidenden Relegations-Rückspiel gegen Regensburg. Er sagt: Die Sechzger dürfen nicht absteigen.

Unglaublich. Über 60.000 Zuschauer, vielleicht sogar 70.000 werden am Dienstag in die Allianz Arena strömen, um dabei zu sein, wenn eine schlechte Zweitliga-Mannschaft sich mit einem tapferen Drittligisten um den Klassenerhalt balgt (ab 18 Uhr, hier bei uns im Live-Ticker). Eine Galakulisse für eine – wie das Hinspiel befürchten lässt – höchstwahrscheinlich limitierte Kickerei. Doch das macht eben den TSV 1860 aus. Diesen Verein, der zwar notorisch erfolglos ist, der alles zu tun scheint, um seine Anhängerschaft zu vergraulen – an dem aber nach wie vor eine Unmenge von Gefühlen und Hoffnungen hängen. 13 Jahre lang sind die Fans immer wieder enttäuscht worden, doch sie haben sich nicht abschrecken lassen von ihrem Gruselklub und eine Leidensfähigkeit entwickelt, wie sie wohl einzigartig ist. Schon aus diesem Grund sei die Bemerkung erlaubt: Die Sechzger dürfen nicht absteigen.

Allerdings wäre es fatal, aus dem Ergebnis des Gastspiels in Regensburg den Schluss zu ziehen, da könne nun in Spiel 2 nicht mehr viel passieren. Sicher, das glückliche 1:1 plus Heimrecht ist ein Vorteil. Doch sollte nicht verdrängt werden, dass das erste Kräftemessen mit dem Drittliga-Aufsteiger Regensburg – zumindest in der ersten Hälfte – den sportlichen Tiefpunkt der miserabelsten Saison der letzten 13 Zweitliga-Jahre darstellte. Die so kostspielig verstärkten Löwen wurden vom krassen Außenseiter zeitweise vorgeführt. Das konnten sogar die abgehärtetsten Fans kaum noch ertragen.

Einmal mehr zeigte sich, dass diese bunt zusammengewürfelte Löwen-Auswahl nicht imstande ist, mit schwierigen Situationen umzugehen. Es fehlt an innerer Stabilität, an selbstbewusstem Kämpfertum, an Führungsspielern. Unter diesen Umständen ist es gewiss nicht garantiert, dass – so wie vor zwei Jahren gegen Kiel – am Ende eine große Party gefeiert wird. Klar, ein 0:0 würde den Löwen schon reichen. Doch ist dieser so labilen Mannschaft tatsächlich zuzutrauen, dass sie dieses Ergebnis clever verwaltet bzw. zur beruhigenden Führung ausbaut? Die Vorzeichen deuten eher auf eine erneute Zitterpartie hin.

Wie auch immer es ausgehen mag, an der restlos verhagelten Laune von Hasan Ismaik wird das wohl nicht viel ändern. Der Milliardär, unter dessen finanziellem Einfluss sich der Klub bereits massiv verändert hat, grollt und zürnt. Und fordert „grundlegende Veränderungen auf allen Ebenen“. Erklärtes Ziel ist ein Neuanfang. Wieder einmal. Es gab ja u. a. schon den Neuanfang mit Sportchef Poschner und Trainer Moniz, dann den Neuanfang mit Sportchef Kreuzer und Trainer Möhlmann, ihnen folgten alsbald Sportchef Eichin, Trainer Runjaic und Spielervermittler Joorabchian im Hintergrund, noch in der gleichen Saison wurde der Neuanfang mit Geschäftsführer Ayre und Trainer Pereira gestartet. Das Resultat der Neuanfänge ist, dass Sechzig sich seit drei Jahren im Dauer-Abstiegskampf befindet.

Doch Ismaik will nicht locker lassen, mit seiner Strategie des permanenten Neuanfangs. Er begründet das damit, dass auch er sich in 1860 „verliebt“ habe. Allerdings muss Ismaik erst noch beweisen, dass das keine Drohung ist.

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