Austria-Duo mit Durchblick

Kontaktlinsenaffäre mit viel Wiener Schmäh

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Rubin Okotie kam die Kontaktlinse abhanden.

München - Wo ist Rubin Okoties Kontaktlinse? Diese Frage ist natürlich zweitrangig - damit gehen die Löwen aber mit viel Wiener Schmäh um.

Irgendwo am nördlichen Arena-Strafraum muss sie noch heute liegen – eine Kontaktlinse, die dem Finder bei Ebay Höchstpreise einbrächte. Der gestiegene Sammlerwert der Sehhilfe erklärt sich durch die zugrunde liegende Geschichte, die keiner besser erzählen kann als Rubin Okotie, der das 2:0 für die Löwen erzielt hatte und den Verlust seiner Haftschale so schilderte: „Beim Torjubel hat mir jemand ins Auge gehauen. Ohne Kontaktlinse sehe ich links nur 20 Prozent, da ist es dann schwer, die Bälle zu kontrollieren.“ Okotie ließ sich in der 89. Minute auswechseln. Mit gutem Gewissen, denn solange er vollen Durchblick hatte, war ihm so einiges gelungen: Assist zum 1:0, Traumtor zum 2:0.

„Tag der Österreicher“, titelte tsv1860.de, denn auch Michael Liendl, das andere Austria-Sorgenkind, hatte geliefert. Ein vermeintlicher Fehleinkauf – und ein Wechselwilliger. Liendl blüht auf, seitdem ihm Benno Möhlmann Einsatzzeit und Vertrauen schenkt. Bei Okotie, dem Topstürmer der letztjährigen Hinrunde, verhielt es sich so: Erst litt die Gesundheit (Knie), dann die Form, schließlich die Laune. Zuletzt gab Okotie ein Interview, das nicht so klang, als sei er noch glücklich bei den Löwen. Ein Wechsel im Winter sei „ein Thema, ja“, sagte er. Der Abstiegskampf, die permanente Unruhe, die Trainerwechsel – Profi bei 1860 zu sein, sei „schon sehr anstrengend und turbulent“, klagte er.

Am Samstag, nach seinem erst zweiten Saisontor, klang Okotie schon etwas aufgeräumter. „Habe ich so nicht gesagt“, sagte er über seine Äußerungen bei laola1.at. Er habe lediglich angemerkt, „dass im Fußball alles passieren kann“. Aber, fügte er hinzu: „Mein Vertrag läuft bis Sommer 2016 – und solange bin ich mindestens Spieler bei 1860.“ Oliver Kreuzer klingt auch nicht so, als würde er Okotie ziehen lassen – schon gar nicht im Winter. „Für mich ist er ein Schlüsselspieler“, sagte der neue Sportchef, der am Freitag ein Gespräch mit dem unglücklichen Stürmer geführt hatte: „Das Spiel war die beste Antwort.“ Und das Tor – ein Schlenzer aus 18 Metern – spricht für sich.

Für Spezl Liendl ist klar, dass Okotie bleiben muss: „Er hat eine Qualität, die man in der 2. Liga nicht oft findet.“ Und sein eigenes, nicht minder schönes Tor? Ach, meinte er: „In unserer Lage ist nicht wichtig, ob ein Tor schön ist oder nicht. Es war einfach ein wichtiger Sieg.“

Besiegelt durch zwei Österreicher, die sich auch privat gut verstehen. Selbst als die Superzeitlupe von Sky Liendl als Hauptverdächtigen in der Kontaktlinsenaffäre ausmachte, reagierte Okotie gelassen. Liendls trockener Kommentar: „Ich denke, die hat sich Rubin selber rausgehauen.“ Erst viel Durchblick, dann Ösi-Schmäh – kann 1860 nur guttun.

Uli Kellner

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