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TSV 1860 - Top oder Flop? Unsere Bilanz nach der Drittliga-Hinrunde

Michael Köllner
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Neuer 1860-Trainer: Michael Köllner.

Nach Samstag steht für die Löwen ein zweiwöchiger Urlaub an. Ein guter Zeitpunkt für eine Hinrunden-Bilanz. Unsere Bestandsaufnahme.

  • Die Münchner Löwen verabschieden sich bald in den zweiwöchigen Urlaub. 
  • Zeit zum Nachdenken: Was lief bei 1860 München gut? Woran gilt es noch zu arbeiten?
  • Unsere Bewertung der Tops und Flops der Sechziger.

München - Ein Punktspiel noch am Samstag bei Preußen Münster, dann verabschieden sich die Löwen bis Heilig Drei König in den zweiwöchigen Urlaub. Zeit zum Durchschnaufen, Zeit zum Nachdenken. Was lief besser als erwartet, woran gilt es zu arbeiten? 

Fakt ist, dass sich die von einigen Stellen befeuerten Untergangsszenarien bis jetzt nicht bewahrheitet haben. Der politische Umsturz nach Daniel Bierofkas Demission blieb ebenso aus wie der sportliche Einbruch. Was weiterhin fehlt, ist die wirtschaftliche Perspektive, ohne die ein Zweitliga-Aufstieg Utopie bleiben dürfte. 

1860 München: Unsere Bestandsaufnahme - das lief bei den Löwen Top

Mit 26 Punkten haben die Sechziger drei mehr auf dem Konto als nach der letztjährigen Hinrunde. Trotz einiger verschenkter Punkte. Eine Bilanz, die allen blauen Untergangspropheten – intern wie extern – zu denken geben sollte. „Ich bin mit der sportlichen Situation zufrieden, die jüngsten Auftritte machen Mut“, sagt Präsident Robert Reisinger. „Ich denke, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden.“

Die Mannschaft hat sich vom Trai­nerwechsel nicht irritieren lassen. Seit dem Abgang von Daniel Bierofka gab’s in fünf Spielen zwei Siege und drei Remis. Mit etwas mehr Konsequenz im Abschluss wären auch noch einige Punkte mehr drin gewesen. „Wenn man die Spiele Revue passieren lässt, hätten wir sogar die maximale Punktausbeute holen können“, wird Trainer Michael Köllner in der Mittelbayerischen Zeitung zitiert. „Wir hätten beispielsweise gegen die Bayern und gegen Großaspach siegen können oder müssen.“

Von fußballerischer Stagnation kann keine Rede mehr sein. Auch wenn gegen Großaspach und Ingolstadt zwei Überzahl-Führungen aus der Hand gegeben wurden – das Plus an Überzeugung und Spielstruktur ist nicht zu übersehen. In allen drei Derbys war 1860 auch taktisch mindestens auf Augenhöhe, die eklatante Auswärtsschwäche ist passé. Köllners Einschätzung: „In den ersten Wochen mit mir als Trainer hat die Mannschaft meines Erachtens sehr gute Fortschritte gemacht.“ Wofür das Potenzial am Ende der Saison reichen werde? „Keine Ahnung! Ist es Platz zehn, acht, zwölf? Da werde ich mich zu keiner Prognose hinreißen lassen.“

1860 München: Unsere Bestandsaufnahme - das war bei den Löwen eher ein Flop

Die finanzielle Situation ist bei aller Freude über den zarten sportlichen Aufschwung angespannt wie eh und je. Dass Hasan Ismaik gestern wie angekündigt Darlehen in Höhe von 4,8 Millionen Euro in Genussscheine umwandeln ließ, sollte nicht überinterpretiert werden. Es war schlicht notwendig, um die bilanziell überschuldete Fußball-KGaA nicht in die Insolvenz zu schicken. Ausreichende Rücklagen für eine Strafzahlung gab es – anders als angekündigt – nicht.

Die Außendarstellung der Löwen ist in negativer Hinsicht kaum zu überbieten. „Vereinen statt spalten“ hat sich der Klub auf die Fahnen geschrieben. Bislang nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Echtes Bemühen um interkulturelle Verständigung ist nicht zu erkennen – und von den Unterstützerlagern auch gar nicht gewünscht, da es als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden könnte. So gleicht die innenpolitische Lage einem Stellungskrieg. Hasan Ismaik tobt mit wachsender Verzweiflung, schwingt die Rassismuskeule und bemüht Nordkorea-Vergleiche. Die Vertreter des e.V. gefallen sich als Hüter der Vernunft und haben das Glück, dass es sportlich zur Abwechslung mal läuft. Ergebnis: Pulverdampf statt Perspektive, Verneinen, statt Gestalten.

Video: Hasan Ismaik attackiert Fans

Rechtzeitige Weichenstellungen basieren damit weiterhin auf Hoffnung. Leistungsträger wie Sascha Mölders und Efkan Bekiroglu stehen vor dem Abschied; sie zu ersetzen oder zu binden wird mit reduziertem Etat mehr als hart. Optimismus? Im Fall 1860 weiter oft nur ein Mangel an Information.

Bei dem Spiel gegen Ingolstadt am Montag ist es zu Ausschreitungen gekommen

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