Zuversichtliche 60er-Kenner im Interview:

„Jeder wünscht sich den Aufstieg!“ - Ex-Löwen-Stürmer Ziereis und Volland sind überzeugt vom 60-Wunder

„Blau im Herzen“: Die ehemaligen Löwen-Stürmer Markus Ziereis (l.) und Kevin Volland.
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„Blau im Herzen“: Die ehemaligen Löwen-Stürmer Markus Ziereis (l.) und Kevin Volland.

Kevin Volland und Markus Ziereis verbindet mehr als Fußball. Die beiden Ex-Löwen haben sich in der Jugend des TSV 1860 kennengelernt und sind seit dieser Zeit beste Freunde.

München – Aktuell könnte ihre Welt nicht unterschiedlicher sein. Volland, 28, hat unter Ex-Bayern-Coach Niko Kovac 16 Treffer für AS Monaco erzielt. Ziereis, 28, konnte nach seinem Wechsel zur SpVgg Bayreuth in die Regionalliga Coronabedingt lange Zeit nicht Fußball spielen.

Wir haben mit den Stürmern über die Aufstiegschancen der Löwen, die Playoffs in der Regionalliga und eine mögliche Rückkehr zum TSV 1860 gesprochen.

„Gerade die jüngste Serie ist beeindruckend“

Kevin Volland, Markus Ziereis, warum packen die Löwen den Aufstieg?

Volland: Die Sechziger neigen dazu, dass alle gleich vom Aufstieg sprechen, wenn die Mannschaft zwei, drei Spiele gewinnt. Das war schon zu meiner Zeit so. Jeder wünscht sich den Aufstieg. Jeder hat die Sehnsucht. Ich hoffe so sehr, dass sie es dieses Jahr auch vom Kopf her packen. Es ist ein Vorteil für die Jungs, dass sie solch einen Lauf haben. Zwischenzeitlich habe ich gedacht: Jetzt haben sie es schon wieder vergeigt. Aber jetzt sind sie dran. Leicht wird es sicher nicht.

Markus Ziereis: Gerade die letzte Serie ist beeindruckend. Der Teamgeist ist da und sie haben es geschafft, eine Mannschaft zu werden. Ich denke, dass sie es packen werden.

Kevin, verfolgst du die Löwen-Spiele regelmäßig?

Volland: Klar. Mit Philipp Steinhart habe ich noch zusammengespielt. Ich schaue ihm gerne zu. Dennis Dressel ist ein richtig starker Spieler, der sich brutal entwickelt hat. Bei Sascha Mölders beeindruckt mich immer wieder, wie er die Hütten macht.

Was sich Monaco-Stürmer Volland von Mölders abschauen kann

Kannst du dir von Mölders noch etwas abschauen?

Volland: Ich finde es geil, wie er die Bälle fest macht und immer wieder seine Mitspieler einsetzen kann. Die Plauze von Giesing, oder wie heißt das Motto? (lacht) Der Spruch hat es über Instagram bis nach Monaco geschafft. Mölders performt seit Jahren beim TSV 1860. Er bringt auch mit 36 Jahren noch seine Leistung aufs Feld. Solch einen Spieler braucht jede Mannschaft.

Markus, wie schwer fällt es dir, nicht mehr Teil dieser Mannschaft sein zu dürfen?

Ziereis: Ich habe neun Jahre für 1860 gespielt. Der Verein liegt mir sehr am Herzen. Der Abschied ist mir schwergefallen. Aber jetzt freue ich mich auf meine Aufgabe in Bayreuth.

Nach deinem Wechsel in die Regionalliga durftest du fast sechs Monate nicht kicken. Wie bist du mit der Zwangspause umgegangen?

Ziereis: Das war bitter. Es tut weh, wenn du nicht spielen kannst. Inzwischen dürfen wir wieder trainieren. In der Regionalliga stehen die Playoff-Spiele um den Drittliga-Aufstieg an. Aber ohne Zuschauer fühlt es sich seltsam an. Eigentlich wie ein Testspiel. Und selbst dort kommen mehr Fans.

Kevin, schätzt du in dieser Zeit das Privileg mehr denn je, Profi sein zu dürfen?

Volland: Die Pandemie ist für uns auch nicht leicht. Wir sind Vorbilder und müssen aufpassen, uns nicht das Virus einzufangen. Ich schätze es sehr, dass ich trainieren und spielen darf. Ich kenne auch die andere Seite von meinen Jungs aus dem Amateurfußball: Die gehen die ganze Zeit arbeiten. Manche dürfen nicht einmal das. Am Abend fehlt ihnen der Ausgleich, am Wochenende das Spiel. Sich bewegen zu dürfen, endlich wieder raus zu kommen, seine Kumpels zu treffen – all das gibt dir der Fußball. Danach sehnen sich alle. Egal ob im Amateur- oder Profibereich.

Die Regionalliga galt lange als Profi-Sprungbrett. Wird die Liga das Niveau halten können?

Ziereis: Die Liga bleibt die Schnittstelle zum Profibereich. Viele Profivereine haben keine zweite Mannschaft. Deshalb wird deutschlandweit noch mehr auf die Regionalligen gesetzt. Wenn Haching und vielleicht die Bayern-Amateure künftig in der Regionalliga Bayern spielen, bleibt auch dort das Niveau hoch.

Die Spieler von Garching oder Heimstetten haben seit November nicht mehr trainiert. Wie sollen diese Teams mit den Bayern-Amateuren oder Haching mithalten können?

Ziereis: Die Pandemie wird Folgen haben. Wenn du länger nicht gespielt hast, wirst du den sportlichen Entzug merken. Auch wenn es sehr schwerfällt: Jeder sollte sein Training durchziehen. Bis zum Re-Start muss jeder Spieler Durchhaltevermögen an den Tag legen. Das gilt für alle Amateurkicker.

„Jeder merkt gerade, wie wichtig der Sport für unsere Gesellschaft ist“

Den Amateurklubs laufen in der Pandemie die Mitglieder davon. Kevin, kannst du verstehen, dass sich gerade jetzt viele abmelden?

Volland: Es gibt immer Leute, die sagen: „Es geht auch ohne Fußball.“ Aber der Großteil wird nach der Pandemie wieder kicken wollen. Jeder merkt gerade, wie wichtig der Sport für unsere Gesellschaft ist. Es ist nicht nur das Training oder das Spiel, das fehlt. Es ist das Miteinander. Auch mir geht der Amateurfußball extrem ab. Ich liebe es, wenn ich zu Hause bei meinem Heimatverein zuschauen kann. Oder im Vereinsheim ein Bierchen trinken kann.

Wem traust du den Aufstieg in die 3. Liga zu? Bayreuth, Schweinfurt oder Aschaffenburg.

Volland: Bayreuth natürlich. Die haben einen Aufstiegsexperten dabei. Wie oft bist du in die 3. Liga aufgestiegen, Zier? Vier Mal? Die Leidtragenden waren immer deine Kumpels (lacht). Die Aufstiegsspiele fallen immer in die Zeit, in der ich nach Malle fliegen kann.

Ziereis (lacht): Die Jungs fliegen in den Urlaub. Ich spiele Relegation.

Kevin, hast du die EM schon abgehakt, wenn du bereits an den Sommerurlaub denkst?

Volland: Es ist ein Traum von mir, noch einmal ein großes Turnier zu spielen. Jedes Länderspiel, das du mitnehmen kannst, ist etwas Besonderes. Es gibt sehr viele Jugendliche, die davon träumen, nur ein einziges Mal für die Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen. Aber ich bin schon seit zig Jahren nicht mehr dabei gewesen. Deshalb sehe ich es relativ entspannt.

Verstehst du, warum Kevin beim DFB nicht mehr berücksichtigt wird?

Ziereis: Nein. Wenn ich mir alleine Kevins Statistik der vergangenen Jahre anschaue, ist das beeindruckend. In jeder Saison hat er mindestens zehn Tore geschossen und noch zehn bis 15 Treffer aufgelegt. In Monaco liefert er nach seinem Wechsel die gleiche Leistung ab. Der Kevin haut seinen dicken Hintern hinten raus und drückt alle weg (lacht). An ihm kann kein Weg vorbeiführen.

Die Benders beenden ihre Karriere, ohne noch einmal für 1860 aufzulaufen. Wie schaut es bei dir aus, Kevin?

Volland: Wir sind gut mit den Benders befreundet. Mein Freundeskreis tritt am Ende der Saison immer gegen die Benders bei einer kleinen Olympiade an. Wir stehen ständig im Austausch. Ich bezweifle, dass sie komplett von der Fußball-Bildfläche verschwinden werden. Vielleicht brauchen beide eine kurze Auszeit. Aber dann werden sie sich schon in die richtige Richtung orientieren. Beide sind extrem blau im Herzen. Genauso wie ich.

Das heißt: Dem Volland-Comeback beim TSV 1860 steht nichts im Weg?

Volland: Ich habe den Sechzigern alles zu verdanken. Ohne den TSV 1860 wäre ich kein Profifußballer. Wenn du die ganze Jugend bei diesem Verein durchläufst, die DNA eingeimpft bekommst und die Chance erhältst bei den Profis zu spielen, bist du dem Verein auf ewig dankbar. Ich bin blau im Herzen und kann mir definitiv eine Rückkehr zu den Sechzigern vorstellen. Es kommt natürlich darauf an, wie es mir körperlich geht und in welcher Liga 1860 dann spielt. Aber es war immer ein Traum, meine Karriere dort ausklingen zu lassen.

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Interview: Christoph Seidl

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