„Nicht besser, wenn ich anfange zu weinen“

TSV 1860: „Verhau“ entrümpelt - Wie das legendäre Löwen-Stüberl jetzt wieder aufleben soll

Seit knapp einem Jahr führt Benedikt Lankes das Stüberl auf dem Gelände des TSV 1860
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Seit knapp einem Jahr führt Benedikt Lankes das Stüberl auf dem Gelände des TSV 1860.

Der noch relativ frische TSV-1860-Wirt Benedikt Lankes wurde von Corona wirtschaftlich getroffen. Jammert er? Eher nicht, sondern packt an. Nun gibt es auch noch Konzerte.

  • Knapp ein Jahr hat das Löwen-Stüberl beim TSV 1860 München einen neuen Betreiber.
  • Der Start verlief holprig, wirtschaftlich läuft es - mitunter wegen Corona - mager.
  • Wir haben den Wirt besucht. Er schildert uns seine Motivation und wie er das Ruder rumreißen möchte.

München - Mitten im Gastraum steht eine weiß-blaue Seifenkiste und versperrt den Weg. Geschenk eines Fans, sagt Löwenstüberl-Wirt Benedikt Lankes (38) und lacht: „Im Moment dient sie mir als Abstandshalter. Ich muss schauen, was ich damit anstelle.“ Ist ja eh nicht viel los gerade in seiner Gaststätte, selbst beim Auftakt des TSV 1860 in die Sommervorbereitung konnte man die Gäste an zwei Händen abzählen. „Ich weiß, was hier normal beim Trainingsstart los ist“, sagt Lankes.

TSV 1860 und das neue Löwen-Stüberl: „Die erste Zeit war brutal schwer“

Der junge Wirt sitzt alleine in seinem Lokal am Vereinsgelände von 1860 München vor dem Laptop, als er von der Besucherflaute erzählt. 1,50 Meter Abstand? Momentan braucht es weder einen Meterstab noch ein improvisiertes Seifenkisten-Längenmaß, um die Hygienevorschriften einzuhalten. Der Wirt des 1860-München-Stüberls hätte guten Grund, das alles im Jammerton vorzutragen, macht er aber nicht. Lankes gibt zu: „Die erste Zeit war brutal schwer, aber ich schaue mir die Zahlen nicht an. Ich stehe nicht besser da, wenn ich jetzt anfange zu weinen. Lieber blicke ich positiv nach vorne. Das wird schon!“

Und dafür, dass es wird, gibt der Jungunternehmer in Diensten des TSV 1860 alles. Hat er von Anfang an so gemacht. Es ist jetzt ein Jahr her, dass er den von Vorgängerin Christl hinterlassenen „Verhau“ entrümpelt und in eine etwas zeitgemäßere Gaststube umgewandelt hat: „Letzten August haben wir gerade geweißelt“, erinnert er sich. Schon vor der Neueröffnung im Oktober hatte er viel Zeit und Herzblut in sein Projekt gesteckt. Ähnlich viel, wie er seit Corona darauf verwendet, alternative Wege zu finden, um den Laden zumindest gelegentlich zum Laufen zu bringen. Sonntags gibt es jetzt einen Frühschoppen, der gut angenommen wird. Auch die Übertragung der Geisterspiele sei bestens angekommen, berichtet er. Lankes sagt: „Die ganze Corona-Krise macht einen wahnsinnig kreativ.“

TSV 1860: "Kultursommer" im Löwen-Stüberl - mit Live-Musik auf dem Vereinsgelände

So entwickelt er neue Ideen. Sein aktuelles Projekt heißt: „Kultursommer“. Der Hobbymusiker hat ein paar Bands eingeladen: „Von Austro-Pop über Blasmusik bis hin zu Coverbands und Liedermachern.“ An diesem Freitag (ab 20 Uhr) trifft SPD-Gitarrenbarde Roland Hefter auf, den Lankes „über fünf Ecken“ kennt. Am Donnerstag gab es noch 20 Resttickets, 150 Leute sind zugelassen. Ehrensache für ihn, dass der Erlös des Hefter-Auftritts auch nicht in die eigene Kasse fließt, sondern dem NLZ gestiftet wird. Damit auch weiterhin hoffnungsvolle junge Talente den Sprung in die erste Mannschaft des TSV 1860 München schaffen.

Danach macht er mal 14 Tage zu: Kräfte sammeln in den Bergen. Wenn er wieder aufsperrt, da kann man sicher sein, wird auch die weiß-blaue Seifenkiste eine Verwendung gefunden haben. Unterdessen hat 1860 München längst mit der Vorbereitung (Testspiel gegen Bayreuth) auf die nächste Saison der Dritten Liga begonnen. Löwen-Trainer Köllner ging dabei neue Wege.

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